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Rücktritts-Interview

Zibung: «Das grösste Highlight war, für den FC Luzern spielen zu können»

7. Mai 2021, 19:10 Uhr
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: PilatusToday

Ende Saison ist Schluss: Nach über 20 Jahren beim FC Luzern hat David Zibung seinen Rücktritt angekündigt. Im Interview spricht der langjährige Stammtorhüter und ehemalige Captain über seine Beweggründe seines Rücktritts, sein Debüt und seine Zukunftspläne.

David Zibung, wieso beendest du deine Profikarriere?

Es gibt verschiedene Gründe. Der Hauptgrund ist das Alter. Mit 37 Jahren ist es definitiv nicht zu spät, um aufzuhören. Dazu kommt, dass ich in den letzten Jahren eine Rolle in der Mannschaft eingenommen habe, die eher im zweiten oder dritten Glied war. Ich denke, nach 20 Jahren ist der Zeitpunkt gekommen, um «tschüss» zu sagen und in einen neuen Lebensabschnitt zu starten.

Seit der Rücktrittankündigung ist mittlerweile ein Tag vergangen. Was für Reaktionen hast du seither erhalten?

Extrem viele, auch Gratulationen für die Karriere und Anerkennung. Ich spürte, dass es aussergewöhnlich ist, wenn jemand seine gesamte Profikarriere nur für ein und denselben Verein spielt. Die vielen schönen Reaktionen zeigten mir, dass ich in der Vergangenheit nicht alles falsch gemacht habe.

Du hast 1998 von deinem Stammklub FC Hergiswil in die Nachwuchsabteilung des FCL gewechselt. Für einen anderen Verein hast du seither nie gespielt. Wieso hieltst du dem FC Luzern über 20 Jahre die Treue?

Ich verspüre eine grosse Dankbarkeit gegenüber dem Club. Er hat auf mich gesetzt und mir alles ermöglicht. Dies wollte ich dem Verein mit Treue zurückgeben. Hinzu kommt aber sicher auch, dass ein Wechsel ins Ausland aus verschiedenen Gründen nie zu Stande gekommen ist. Ich bin unglaublich stolz, so lange für den Verein tätig gewesen zu sein.

Dein Debüt in der ersten Mannschaft des FC Luzern hast du am 29. August 2003 im Meisterschaftsspiel gegen Bulle gegeben. Kannst du dich nochmals in diesen Moment hineinversetzen?

Es war komplett unerwartet und hat sich überhaupt nicht angedeutet, dass ich für die zweite Halbzeit eingewechselt werde (Stammtorhüter Andreas Hilfiker musste zur Pause wegen Schmerzen ausgewechselt werden – Anmerkung der Redaktion). Fünf Minuten vor Wiederanpfiff hiess es dann plötzlich, ich spiele die zweite Halbzeit. Für mich war das perfekt, da ich mir keine Gedanken machen konnte. Besonders erfreulich war, dass wir mein erstes Spiel gleich gewinnen konnten.

So hatte TeleTell (heute Tele 1) über das bevorstehende Rückspiel gegen Bulle berichtet, in welchem Zibung erstmals von Beginn an eingesetzt wurde:

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Quelle: PilatusToday

In deiner Karriere hast du über 500 Spiele für den FCL bestritten. Was war dein schönstes Erlebnis?

Wenn man 20 Jahre für einen Verein spielt, gibt es natürlich viele schöne Erlebnisse. Ein Highlight war sicherlich der Aufstieg in die höchste Spielklasse (Saison 2005/2006 – Anmerkung der Redaktion). Dieser war sehr emotional – auch mit den Fans. Weitere Highlights waren das letzte Spiel in der Allmend (2009, Barrage-Rückspiel gegen Lugano – Anmerkung der Redaktion), die drei Cupfinal-Einzüge sowie die Einsätze auf dem europäischen Parkett, auch wenn die Resultate enttäuschend waren. Das grösste Highlight war aber, 20 Jahre für den FC Luzern spielen zu können.

Nicht erwähnt hast du den 22. Mai 2004, als du dein einziges Tor erzielt hast. Was für Erinnerungen hast du noch an das Spiel gegen La Chaux-de-Fonds?

Ich glaube, das war das allerletzte Saisonspiel. Wir führten etwa 4:0, es lief die 90. Minute und wir erhielten einen Penalty zugesprochen. Dann hat mich die halbe Mannschaft nach vorne gewunken, aber ich wollte nicht. Erst als auch noch der Trainer sagte, ich soll den Elfmeter schiessen, bin ich widerwillig zum Punkt gelaufen. Ich weiss noch, dass ich getroffen habe. Aber solche Aktionen würde ich heute nicht mehr machen. Der Respekt gegenüber den gegnerischen Goalies ist viel zu gross. Rückblickend gesehen wäre mir lieber gewesen, ich hätte den einen oder anderen Penalty mehr gehalten.

Zum Abschluss deiner Karriere steht am Pfingstmontag der Cupfinal gegen St.Gallen auf dem Programm. Da wäre es doch schön, noch ein allerletztes Mal für den FCL im Einsatz zu stehen…

Schön wäre es, wenn wir den Cupfinal gewinnen! Im Final müssen die besten elf Spieler auf dem Platz stehen. Und ich denke es ist kein Geheimnis, dass dies Marius Müller (Stammtorhüter des FCL – Anmerkung der Redaktion) sein muss. Es geht einzig und allein darum, dass der FC Luzern die Trophäe gewinnt und wir in der Stadt ein riesiges Fest feiern können mit allen Fans, allen Partnern und der gesamten Innerschweiz. Alle, die mich kennengelernt haben, wissen, dass ich ein absoluter Teamplayer bin. Der FC Luzern wird immer über allem stehen.

Wie geht es nach deiner Karriere weiter? Kannst du uns und den Fans schon etwas verraten?

Ich habe in den letzten 20 Jahren jede Faser meines Körpers und die gesamte Energie in den Verein gesteckt. Dies wird auch in den letzten drei Wochen so sein. Ich werde alles geben, um die Mannschaft zu unterstützen. Danach nehme ich mir Zeit, um mir ausführlich Gedanken zu machen, was ich in Zukunft machen möchte. Das kommt aber alles nach dem Cupfinal.

Es gab bereits Gespräche mit dem FC Luzern über eine gemeinsame Zukunft. Könntest du dir vorstellen, Funktionär zu werden?

Die Gespräche sind sehr interessant und es gibt verschiedene Möglichkeiten. Sobald meine Karriere vorbei ist, will ich mich entscheiden. Es ist auch eine Mischlösung denkbar, also dass ich Teilzeit Goalie-Trainer im Nachwuchs werde und den anderen Teil auf der Geschäftsstelle arbeite. Aber wir werden erst irgendwann nach dem Cupfinal eine Entscheidung treffen.

(scd)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. Mai 2021 18:29
aktualisiert: 7. Mai 2021 19:10