Giro d'Italia

Filippo Ganna holt die Maglia rosa, Geraint Thomas auf Kurs

3. Oktober 2020, 21:26 Uhr
Der Italiener gewann im Trikot des Zeitfahr-Weltmeisters das 15 km lange Einzelzeitfahren auf Sizilien
© KEYSTONE/AP/Massimo Paolone
Der erste Leader der 103. Austragung des Giro d'Italia heisst Filippo Ganna. Der Italiener, die Woche zuvor Sieger des WM-Zeitfahrens in Imola, gewinnt zum Auftakt das Einzelzeitfahren auf Sizilien.

Ganna zeigte auf dem 15,1 km langen Parcours zwischen Monreale und Palermo eine formidable Leistung und wurde auch bei windigen Bedingungen seiner Favoritenrolle gerecht. Gleich um 22 Sekunden distanzierte der Zeitfahr-Weltmeister den zweitplatzierten Portugiesen Joao Almeida und den zeitgleichen Dänen Mikkel Bjerg. Mit einem Stundenmittel von 58,831 km/h verpasste Ganna den Zeitfahr-Rekord beim Giro des Belgiers Rik Verbrugghe (58,874 km/h) aus dem Jahr 2001 nur knapp.

Seinen überlegenen Sieg sicherte sich Ganna dank einem Steigerungslauf. Nach der ersten Zwischenzeit nach 1,1 ansteigenden Kilometern passierte der 24-Jährige mit der elftbesten Zeit. Danach ging es auf der Strecke aber mehrheitlich bergab und für Ganna in der Rangliste nur noch bergauf. «Es war ein fantastisches Gefühl, an der Küste von Monreale anzukommen und so viele Menschen meinen Namen schreien zu hören», sagte Ganna, der bereits im Tirreno - Adriatico Mitte September und letzte Woche an der WM in Imola der Konkurrenz in der Prüfung gegen die Uhr keine Chance gelassen hatte.

In der 14. sowie in der 21. und letzten Etappe nach Mailand erhält Ganna erneut die Gelegenheit, seine ausgezeichneten Zeitfahr-Qualitäten unter Beweis zu stellen.

Ein Tag für Ineos Grenadiers

Als grosser Gewinner des Auftakt-Zeitfahrens durfte sich das Team Ineos Grenadiers sehen. Während Ganna sich bei seiner ersten Teilnahme an der Italien-Rundfahrt über die Maglia rosa, das Trikot des Gesamtersten, freuen konnte, verschaffte sich sein Teamkollege Geraint Thomas eine ausgezeichnete Ausgangslage im Kampf um den Gesamtsieg. Der Waliser, vor zwei Jahren Gewinner der Tour de France, klassierte sich als Vierter und nahm seinen schärfsten Konkurrenten wertvolle Sekunden ab. Ihm am nächsten kam von den Mitfavoriten der Brite Simon Yates, der als Tages-17. 26 Sekunden auf Thomas verlor. Für den Italiener Vincenzo Nibali (69.) wie auch den Dänen Jakob Fuglsang (100.) verlief der Start nicht nach Wunsch. Beide büssten über eine Minute auf Thomas ein.

Fuglsang verlor mit Miguel Angel Lopez ausserdem einen starken Helfer in seinem Astana-Team. Der Kolumbianer, der die Tour de France als Gesamtsechster beendet hatte, stürzte im bei teils starkem Seitenwind ausgetragenen Zeitfahren schwer. Der Tour-de-Suisse-Sieger von 2016 verlor bei hohem Tempo die Kontrolle über sein Velo und krachte ungebremst in die Absperrgitter. Danach wurde er mit der Ambulanz ins Spital überführt.

Auch Victor Campenaerts, als aktueller Stunden-Weltrekordhalter einer der Anwärter auf ein Spitzenergebnis, kam bereits früh im Rennen zu Fall. Der Belgier, der sich über Öl auf der Strasse beklagte und die Organisatoren dafür stark kritisierte, stürzte in einer Haarnadelkurve. Er konnte das Rennen jedoch fortsetzen und kam als 36. mit einem Rückstand von etwas mehr als einer Minute ins Ziel.

Von den drei im Giro engagierten Schweizern konnte erwartungsgemäss keiner in den Kampf um den Tagessieg eingreifen. Als Bester des Trios beendete der Waadtländer Danilo Wyss die Prüfung gegen die Uhr mit 1:22 Minuten Rückstand im 60. Rang.

Am Sonntag folgt auf Sizilien die hügelige 2. Etappe, die über 149 km von Alcomo nach Agrigento führt. Die letzten gut 4 km bis zum Ziel sind ansteigend.

Quelle: sda
veröffentlicht: 3. Oktober 2020 21:30
aktualisiert: 3. Oktober 2020 21:26