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Nationalteam

Die Schweiz hat bis zur EM noch Arbeit

31. Mai 2021, 17:42 Uhr
Teilweise war es zum Wegsehen: Auch Torschütze Steven Zuber mochte nicht immer hinschauen
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Einen Tag nach dem 2:1 im Test gegen die USA gibt Vladimir Petkovic bekannt, welche 26 Spieler an die EM-Reisen. Nun muss er das Team bis zum EM-Start gegen Wales physisch in Top-Form zu bringen.

Am späteren Montagnachmittag und damit einen Tag früher als gefordert hat Nationalcoach Vladimir Petkovic das definitive Schweizer EM-Kader benannt. Von den 29 Spielern, die seit letztem Mittwoch in Bad Ragaz trainierten, musste er drei nach Hause schicken - einen Torhüter und zwei Feldspieler. Getroffen hat es wie erwartet Gregor Kobel, Dan Ndoye und Andi Zeqiri.

Kopfzerbrechen bereitete Petkovic dieser Entscheid nicht. «Ich habe das Kader im Kopf, sofern es keine Verletzungen mehr gibt», hatte er schon am Sonntag nach dem 2:1 im Test gegen die USA gesagt. Bei diesem zähen Kick liess Petkovic gar nicht erst zu, dass er sich nochmals würde hinterfragen müssen. Die 17 eingesetzten Schweizer hatten ihr EM-Ticket sowieso auf sicher.

Den nun abgereisten Kobel, Ndoye und Zeqiri dagegen gab Petkovic keine Gelegenheit, um sich im Spiel für eine EM-Teilnahme aufzudrängen. Die drei haben noch nie für die Schweiz gespielt, ihre Nicht-Berücksichtigung stellte keinen Härtefall dar. Anders etwa als vor der EM 2016 und der WM 2018, als Silvan Widmer im letzten Moment aus dem Kader gestrichen wurde.

Apropos Widmer: Der Aussenverteidiger des FC Basel war einer der wenigen, der gegen die USA Punkte sammeln konnte. Er überzeugte in einer wenig motivierten und müden SFV-Auswahl mit Laufbereitschaft und Lust. In seiner besten Aktion bereitete er den 1:1-Ausgleich durch Ricardo Rodriguez mit einem sehenswerten Seitenwechsel vor.

Widmer könnte mit seinem Auftritt Petkovic ins Grübeln gebracht haben, wenn es darum geht, im Startspiel gegen Wales die rechte Seite zu besetzen. Zwar hat hier Kevin Mbabu die Nase vorn, doch ist diese Position tatsächlich noch mit einem Fragezeichen versehen. Es gab für Widmer also durchaus Gründe, den Test gegen die USA nicht als lästige Pflicht anzuschauen.

Ricardo Rodriguez und Xherdan Shaqiri dagegen können sich ihres Platzes in der Startformation sicher sein - und zeigten vielleicht deshalb wie so viele andere einen weitgehend uninspirierten Auftritt. Rodriguez schoss zwar ein Tor, blieb auf der linken Seite ansonsten aber ohne Einfluss und setzte auch noch einen Penalty neben das Tor. Shaqiri blieb während seines gesamten 45-minütigen Teileinsatzes blass.

Sowohl bei Rodriguez wie auch bei Shaqiri sind die Gründe für ihre Leistung aber auch im Verlauf der letzten Monate zu suchen. Keine anderen Schweizer kamen - obwohl nicht verletzt - im Klub seit den März-Länderspielen so selten zum Einsatz. Nur zwei Mal standen Rodriguez und Shaqiri auf dem Platz. 121 Minuten der Zürcher bei Torino, sogar nur 32 Minuten der Basler bei Liverpool.

Gegen die USA kämpften beide zudem mit kleinen physischen Problemen. Shaqiri wurde wegen einer Verhärtung der Muskeln ausgewechselt, Rodriguez spürte nach der Pause die fehlende Spielpraxis. «Diese beiden Wechsel waren nicht geplant», gab Petkovic zu. Besorgt ist der Coach deswegen nicht. Noch haben er und sein Staff zwölf Tage Zeit, Shaqiri, Rodriguez und Co. in Form zu bringen. Und das vielleicht grösste Schweizer Problem gegen die USA wird sich dann an der EM auch nicht stellen. Denn Petkovic hatte in St. Gallen erkannt: «Es hat der unbedingte Siegeswille gefehlt.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 31. Mai 2021 17:45
aktualisiert: 31. Mai 2021 17:42