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Challenge League

GC muss nun rasch erwachsen werden

21. Mai 2021, 11:35 Uhr
Rekordmeister GC spielt nach zwei Saisons in der Challenge League wieder im Konzert der Grossen mit. Dort gilt es die Wankelmut abzulegen, die GC seit dem Abstieg begleitet hat.
Draussen vor den Toren des Stadions freuen sich die Spieler mit ihren Fans - wohl nicht immer Corona-konform
© KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Um 21.30 Uhr sahen die 100 Zuschauer am Donnerstagabend im Letzigrund dann doch wieder jene Grasshoppers, die in den Wochen zuvor den schon sicher geglaubten Aufstieg noch aufs Spiel gesetzt hatten. Schnell war GC in der Partie, die vorerst die letzte in der Challenge League gewesen sein soll, gegen Kriens 1:0 in Führung gegangen. Noch vor der Pause fiel das erlösende 2:0. Der Bann schien gebrochen, bei den Spielern und den Fans in und um das Stadion sowieso.

Dann kam zwanzig Minuten vor Schluss der Krienser Anschluss, unerwartet. Und die Grasshoppers verloren ihren Mut. «Die Spieler realisierten, dass ihnen der Aufstieg zwei Meter vor der Ziellinie weggenommen werden könnte, wurden nervös und trafen plötzlich nicht mehr immer die richtigen Entscheide», analysierte GC-Trainer Zoltan Kadar nach dem Spiel. Sie destillierten damit die Geschichte der letzten zwei Saisons unter chinesischer Führung in dieses letzte Spiel: Immer wieder schien GC auf Kurs, ehe an irgendeiner Front ein Störfeuer auftauchte.

Mannschaft liess sich beeinflussen

Erst führte die Posse um Geschäftsführer und Sportchef Jimmy Berisha, der Nachwuchsspieler zum Beraterwechsel aufgefordert haben soll, zum Clinch zwischen Geschäftsleitung und Verwaltungsrat, es folgten die Abgänge von Sportchef Schuiteman und Marketingboss Fetscherin, ehe vor zehn Tagen der von den chinesischen Besitzern installierte Coach João Carlos Pereira seinen Platz räumen musste.

Die Mannschaft auf dem Feld liess sich davon immer wieder beeinflussen. Auch wenn die Resultate oft stimmten, die Leistungen wankten von ausgezeichnet bis uninspiriert.

Letztlich steuerten ein paar besonnene GC-Köpfe den Klub doch noch in den sicheren Hafen der Super League. Etwa Geschäftsführer Berisha, seit dem Besitzerwechsel das Aushängeschild der GC-Führungscrew, der in einem Interview mit Keystone-SDA unlängst gesagt hatte, solange GC kritisiert werde, mache er sich keine Sorgen um den Klub. «Wenn eines Tages keine Kritik mehr kommt, müssen wir uns Sorgen machen.»

Kadar führte es zu Ende

Einen nicht zu unterschätzenden Anteil an der Rückkehr hat auch der für den Schlussspurt wieder zum Cheftrainer aufgestiegene Kadar. Weil er besonders für die jungen Hoppers mehr als ein Coach ist. Ob der 54-jährige Rumäne das Team auch in der Super League anführen darf, bleibt unklar.

Immerhin konnte Kadar am Donnerstag nachholen, was ihm bei seinem ersten Engagement als Trainer unter chinesischer Führung nicht gelang: In der Vorsaison verpasste Kadar mit GC im Saison-Schlussspurt den direkten Wiederaufstieg. Eine Genugtuung sei der Aufstieg für ihn darum. «Ich habe in diesem Mai beendet, was ich im letzten Mai angefangen habe», so Kadar.

Eine Erfolgsgeschichte

GC durfte am Donnerstagabend die Rückkehr in die Super League feiern. Unter Berücksichtigung der Tatsache, wo der Klub vor zwei Jahren beim Abstieg in die Challenge League stand, haben die Zürcher zweifellos eine Erfolgsgeschichte geschrieben. «Wir lagen hier auf dem Totenbett, mit einem Geisterspiel zum Abschluss. Nun sind wir finanziell gut aufgestellt und konnten aufsteigen», sagte Verwaltungsrat Andras Gurovits.

Nun tun die Verantwortlichen gut daran, die wichtigen Personalentscheide in Sachen Sportchef und Trainer rasch zu fällen. Weil in der Super League muss der Rekordmeister rasch erwachsen werden.

Quelle: sda
veröffentlicht: 21. Mai 2021 11:35
aktualisiert: 21. Mai 2021 11:35