Super League

Kommt es in Sitten nochmals zum Trainerwechsel?

11. April 2021, 19:55 Uhr
Frust und Ratlosigkeit beim FC Sion: Ein überschätztes Kader taumelt dem Abstieg entgegen
© KEYSTONE/GIAN EHRENZELLER
Christian Constantin bringt es nach der Pleite in Vaduz auf den Punkt. «Es braucht ein Wunder», sagt der Präsident des FC Sion. Das 0:3 bringt seinen Klub in die grössten Nöte der letzten 15 Jahre.

Ruhigen Schlaf fand der Fan des FC Sion in den letzten Jahren in der Schlussphase der Meisterschaft selten. Zum Beispiel letzte Saison: Da retteten sich die Walliser erst in der letzten Runde vor dem unangenehmen Weg in die Barrage. Oder 2017/18: Da lag Sion nach 28 Runden - wie in diesem Jahr - auf dem letzten Platz, wenn auch mit nur drei Punkten Rückstand auf den 9. Rang. Dank vier Siegen in den letzten acht Spielen gelang die Rettung letztlich problemlos. Oder 2011/12: Da musste Sion wegen dem Abzug von 36 Punkten (FIFA-Urteil) tatsächlich in die Barrage.

Doch im Frühjahr 2021, 15 Jahre nach dem letzten Aufstieg, wird der Fan des FC Sion nicht nur um den Schlaf gebracht, er hat regelrecht Albträume im Wachzustand. Und exakt so lief auch der Match in Vaduz. Er war aus Sittener Sicht irgendwie eine Kombination von Albtraum und Horrorfilm. 75 Minuten lang war Sion zumindest nicht das schlechtere Team, verlor aber am Ende nach drei Gegentoren innerhalb von neun Minuten 0:3 - und kassierte obendrein noch eine Rote Karte.

Was auch immer sich Christian Constantin vom Trainerwechsel von Fabio Grosso zu Marco Walker erhoffte hatte, es trat nicht ein. Weder spielerisch noch im Ergebnis gab es den Hauch einer Besserung. 1 Punkt und 1:7 Tore lautet nach drei Spielen die Bilanz Walkers. Steht deshalb schon der nächste Wechsel ins Haus? «So kurz nach dem Match kann ich nichts entscheiden. Es war ein Spiel, das auf ein 0:0 hinauslief. Dann lief plötzlich alles gegen uns», sagte Constantin.

Es brauche «ein Wunder, um aus dieser Situation noch herauszukommen», meinte Constantin. Aber resigniert hat er noch nicht. «Verzweifelt ist man, wenn man keine Aussicht mehr hat auf eine Lösung. Wir haben noch acht Spiele, es sind noch 24 Punkte zu gewinnen.» Die Mathematik spricht vorläufig noch kein Urteil über den FC Sion. Aber die Frage bleibt: Wie will sich Sion bei einem Schnitt von bisher 0,92 Punkten pro Spiel Luzern und Vaduz nochmals nähern?

Fehlende Qualität

Der miese Punkteschnitt ist keine Momentaufnahme und auch keine Laune des Schicksals - und auch nicht des Ergebnis schlechter Trainer-Arbeit. Er steht für eine Mannschaft, der es im Prinzip von hinten bis vorne an Qualität mangelt. Abgesehen von den beiden soliden Torhütern Kevin Fickentscher und Timothy Fayulu ist das ein Kader, welches vielerorts überschätzt wird und welches durchaus «fähig» ist, abzusteigen. Das Portal «Transfermarkt.de» jedenfalls weist in der Super League nur bei Vaduz einen tieferen Wert des Kaders aus.

Im Unterschied zu den Saisons 2017/18 und 2019/20 etwa fehlen Stürmer wie der Brasilianer Cunha oder Pajtim Kasami, welche für die wichtigen Tore verantwortlich waren. Kasami schoss letzte Saison elf Tore, der heutige Hertha-Berlin-Professional Cunha war zwei Jahre zuvor zehn Mal erfolgreich. Und heuer? Die sechs Angreifer im Kader erzielten bislang gemeinsam ganze acht Tore. «Wenn man keine Tore schiesst, wird es schwierig», sagte dazu Walker in Vaduz. Es waren womöglich seine letzten Worte als Sion-Trainer.

So weit ist Constantin noch nicht. Doch ob der Architekt aus Martigny bei einem Abstieg tatsächlich weitermacht, ist ungewiss. Zuletzt hat er betont häufig davon gesprochen, dass wegen der Corona-Pandemie der Profi-Fussball in der Schweiz vor dem Ende stehe. Das stimmt so natürlich nicht. Aber Beobachter im Wallis gehen davon aus, dass sich Constantin mit seiner Einschätzung schon jetzt eine Hintertüre offenlässt, um nach einem immer näher rückenden Abstieg auf elegante Art auszusteigen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. April 2021 19:55
aktualisiert: 11. April 2021 19:55