EM-Playoffs

Ramona Bachmann und Co. wollen an die EM 2022 in England

13. April 2021, 06:00 Uhr
Ramona Bachmann ist im Rückspiel der EM-Playoffs gegen Tschechien als Teamleaderin besonders gefordert
© KEYSTONE/ALESSANDRO DELLA VALLE
Mit einem Sieg oder einem torlosen Remis im Playoff-Rückspiel am Dienstag in Thun gegen Tschechien qualifiziert sich das Schweizer Frauen-Nationalteam für die EM 2022 in England.

«Auch wenn wir wissen, dass ein 0:0 reicht, werden wir auf Sieg spielen.» Auf ein Remis zu spekulieren, sei gefährlich, sagt Ramona Bachmann. Wie die ganze Mannschaft war auch die offensive Mittelfeldspielerin nach dem 1:1 im Hinspiel am Freitag enttäuscht, taten sich doch die favorisierten Schweizerinnen auf dem stumpfen Rasen in Chomutov gegen die hart einsteigenden und körperlich robusten Tschechinnen schwer. «Aber letztlich haben wir unser Ziel erreicht und ein Tor geschossen.»

Nun fehlen 90, maximal 120 Minuten und ein Penaltyschiessen, um das grosse Ziel zu erreichen: die Teilnahme an der EM im übernächsten Sommer in England. «Es ist eine gute Ausgangslage. Und wir wissen, dass wir das spielstärkere Team sind», sagt Bachmann. Der Kunstrasen in der Stockhorn-Arena kommt der Spielweise der Schweizerinnen entgegen. Entscheidend wird aber auch der mentale Faktor sein. In Thun muss die SFV-Auswahl beweisen, dass sie dem Druck gewachsen ist, nachdem ihr in der jüngeren Vergangenheit in entscheidenden Spielen die Nerven mehrmals einen Streich gespielt haben.

Mit 16 Jahren bereits Profi

Besonders gefordert ist auch Bachmann. Die 30-Jährige, die bei Paris Saint-Germain unter Vertrag steht, gehört zu den erfahrensten Spielerinnen in der SFV-Auswahl. Gegen Tschechien bestreitet sie bereits ihr 115. Länderspiel (50 Tore). Und auf Klubebene weist keine andere einen solchen Erfahrungsschatz auf wie die Luzernerin, die schon in Schweden, den USA, Deutschland, England und Frankreich spielte.

Mit 16 hatte sich Bachmann aufgemacht, die Fussball-Welt zu erobern. «Ich will einmal Weltfussballerin des Jahres werden», sagte sie noch als Teenagerin. Eine atypisch schweizerische Aussage, die aber zu ihrem Spielstil passte: keck, frech, unerschrocken - gelegentlich aber auch mit dem Kopf durch die Wand. Inzwischen ist Bachmann gereift, zu ihrer Aussage steht sie nach wie vor. «Heute würde ich es eventuell aber nicht mehr so ausdrücken. Mir ist inzwischen viel bewusster, dass es ein Teamsport ist. Ein Titel mit einer Mannschaft bedeutet mir viel mehr.»

Bei all ihren Stationen hat Bachmann Erfolge gefeiert, auch mit PSG hat sie noch in allen drei Wettbewerben reelle Titelchancen. Nach ihrem Wechsel im letzten Sommer von Chelsea fühlt sie sich inzwischen in Paris angekommen. Ein Vereinswechsel sei nie ganz einfach: eine neue Liga, eine neue Sprache, eine neue Kultur, neue Teamkolleginnen. «Man verlässt die eigene Komfortzone und beginnt bei Null.» Inzwischen hat sie beim Leader der französischen Meisterschaft aber den Tritt gefunden, erhielt zuletzt wieder mehr Spielzeit und darf immer wieder auch auf ihrer Lieblingsposition als Spielmacherin in der Offensive agieren.

Ein kühler Kopf ist gefragt

«Als Zehner habe ich meine Freiheiten, da kann ich meine beste Leistung bringen», sagt Bachmann. Auch im Nationalteam nimmt sie eine ähnliche Rolle ein. «Das Unberechenbare ist meine Stärke, damit versuche ich, es dem Gegner möglichst schwer zu machen.» In der SFV-Auswahl klappte dies zuletzt aber nicht immer nach Wunsch. Im Hinspiel gegen Tschechien machte sich ein wenig Frust breit. «Die Kontrolle habe ich aber nicht verloren», so Bachmann, die in der Schlussphase wegen Reklamierens verwarnt wurde.

Im Rückspiel gilt es für Bachmann und Co. cool zu bleiben, denn auch für die Frauenfussball-Bewegung in der Schweiz steht viel auf dem Spiel. «Wenn man selber einmal an einem grossen Turnier dabei war, weiss man, was man verpassen würde», sagt Bachmann. Die Emotionen, die mediale Aufmerksamkeit, die ganze Vorbereitung auf einen solchen Event. «Am meisten stolz macht mich aber, für mein Land zu spielen», sagt Bachmann. «Das Wissen, dass zuhause viele zuschauen, pusht einem zusätzlich.»

2022 könnte es wieder so weit sein. Ein Erfolg gegen Tschechien trennt Bachmann und ihre Kolleginnen von der zweiten EM-Teilnahme nach derjenigen 2017 in den Niederlanden. Die Luzernerin, die auch über ihre Karriere hinaus dem Fussball erhalten bleiben will, ist optimistisch: «Wenn wir unser Spiel spielen, habe ich keine Zweifel, dass wir es schaffen.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 13. April 2021 06:00
aktualisiert: 13. April 2021 06:00