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Nationalteam

Trotz Knieverletzung im Februar ist Fabian Schär für die EM bereit

1. Juni 2021, 13:05 Uhr
Fabian Schär fühlt sich wieder topfit
© KEYSTONE/JEAN-CHRISTOPHE BOTT
Der Schweizer Abwehrchef Fabian Schär steht vor seiner vierten Endrunde. Vor ein paar Monaten musste er nach einer Knieverletzung um sie bangen. Jetzt sagt er: «Ich fühle mich topfit.»

Im Gespräch mit den Medien erklärt der 29-jährige Ostschweizer, weshalb er schneller als erwartet das Comeback gab und weshalb er trotz schwieriger Saison bei Newcastle United keine Angst vor fehlender Spielpraxis hat.

Nach dem sanften Generationenwechsel in den letzten drei Jahren ist Schär im Nationalteam in die oberste Führungsetage aufgestiegen. Er sagt: «Auf dem Platz sind es vielleicht drei oder vier Spieler, die etwas lauter sind. Dazu gehöre sicher auch ich.»

Fabian Schär, nach Ihrer schweren Knieverletzung vom vergangenen Februar sind wir überrascht, Sie überhaupt hier in Bad Ragaz zu sehen.

Fabian Schär: «Das ist nicht falsch. Zum Zeitpunkt der Verletzung war auch für mich nicht klar, ob es reicht für die EM. Und ich fragte mich: Wenn es doch reicht, in welcher Verfassung bin ich dann?»

Und: In welcher Verfassung sind Sie?

«Ich fühle mich topfit, bin im Kopf bereit und freue mich auf die EM.»

Ist es fast ein Wunder?

«Ein Wunder ist es schon nicht. Es steckt sehr viel harte Arbeit hinter dem schnellen Comeback. Ich habe vielleicht noch nie so intensiv an mir gearbeitet wie in den Wochen nach dieser Verletzung. Ausserdem hatte ich schon einige Verletzungen. Ich kenne mich aus mit Phasen der Rehabilitation. Und wenn man ein so grosses Ziel wie eine EM vor Augen hat, fällt einem das Schuften auch etwas einfacher. Aber klar, ich war schon überrascht, dass ich nach nur zehn Wochen schon wieder spielen konnte.»

Die Saison war insgesamt schwierig für Sie. Kann man diese Situation vergleichen mit 2016, als Sie aus einer schwierigen Phase im Klub heraus eine tolle EM spielten?

«Diese Parallelen würde ich nicht ziehen. In den letzten Monaten hatte ich Pech mit der Gesundheit. Es fing Anfang Saison an mit einer Schulterverletzung, dann hatte ich im Herbst Corona, und im Februar kam die Knieverletzung dazu. Vor fünf Jahren in Hoffenheim war es auf andere Art schwierig. Es war meine erste Saison im Ausland, und ich habe nur etwas mehr als die Hälfte der Spiele gemacht, weil ich auf der Ersatzbank sass.»

Sie haben die verschiedenen Verletzungen sowie Corona angesprochen. Wie steht es mit der Spielpraxis? Wegen einer Sperre haben Sie nach dem Comeback nicht oft gespielt.

«Solche Fragen sind für mich kein grosses Thema mehr. Ich kenne meinen Körper und meine Fähigkeiten. Die Rote Karte war eine dumme Aktion von mir, aber ob man da gleich drei Spielsperren hätte aussprechen müssen? Das war schon sehr hart! Aber ich habe diese drei Wochen optimal nutzen können, um noch fitter zu werden. Und das letzte Spiel in der Liga mit einem Tor und einem Sieg war natürlich ein positiver Abschluss.»

Sie und die meisten Leistungsträger der Schweizer Nationalmannschaft sind zwischen 28 und 30 Jahre alt, sind also im besten Alter.

«Wann ist man im besten Alter? Ich weiss es nicht. Aber klar ist, dass wir eine gute Mischung haben. Einige Spieler sind sehr erfahren und haben schon Turniere gespielt. Wir haben auf der anderen Seite auch einige jüngere, die hungrig sind. Wenn wir aber von Zielen reden, dann ist entscheidend, dass wir viele Spieler haben, die sehr viel Qualität aufweisen und dies in Ligen auf höchstem Niveau schon bewiesen haben. Und: Zumindest im Moment sind alle gesund.»

Sie stehen vor Ihrer vierten Endrunde. Was bringen Sie mit Ihrer Routine in die Gruppe ein?

«Wir sind fünf oder sechs Spieler mit grosser Erfahrung. Wir versuchen, die Jüngeren auf dem Weg zu einer Endrunde mitzunehmen, denn für sie ist das neu. Die jungen Spieler wollen aber natürlich auch ihre eigenen Erfahrungen machen. Wenn jedoch etwas besprochen werden muss, das die Gruppendynamik betrifft, dann nehmen es die Routiniers in die Hand. Wir stehen im Kontakt mit dem Trainer und dem Staff. Es gibt nicht einen oder zwei Spieler, die alleine den Takt vorgeben. Auf dem Platz sind es vielleicht drei oder vier, die etwas lauter sind. Dazu gehöre sicher auch ich.»

Sie erwähnten die Turnier-Erfahrung. Welche war für Sie die prägendste Endrunde?

«Da würde ich die WM 2014 in Brasilien nennen. Fussballerisch war sie für mich bedeutsam, weil es meine erste Endrunde war.»

Und wenn Sie auf Ihre bisherige Karriere auf der menschlichen Seite zurückblicken? Welches war hier das prägendste Erlebnis?

«Im Sinne von prägend für mein Leben und meine Zukunft war das sicher der Wechsel nach Spanien (zu La Coruña vor vier Jahren - Red.). Da hatte ich etwas für mich komplett Neues ausgewählt. Ich sprach kein Wort Spanisch. Im Verein gab es kaum jemanden, mit dem ich mich austauschen konnte. Das war eine Erfahrung, die mir sehr viel gebracht hat.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 1. Juni 2021 13:05
aktualisiert: 1. Juni 2021 13:05