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European Super League

Zwölf europäische Spitzenklubs lancieren Start von «Super League»

19. April 2021, 15:43 Uhr
Zwölf europäische Top-Klub wollen zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine europäische Superliga in Konkurrenz zur Champions League gründen. Die UEFA droht und hält an ihrer Reform fest.
Gemäss einigen Top-Klubs soll der Ball auf europäischem Top-Niveau in einer Super-Liga ins Netz fliegen.
© KEYSTONE/AP/Martin Meissner

Die Saison solle, «so bald wie möglich» starten, heisst es in einer gemeinsamen Erklärung der Vereine unter der Leitung von Real Madrids Präsident Florentino Perez. Eine treibende Kraft hinter dem Projekt war auch Andrea Agnelli, der Präsident von Juventus Turin. Die sechs englischen Top-Klubs Manchester United, Manchester City, Liverpool, Arsenal, Chelsea und Tottenham Hotspur gehören ebenso zu den Gründungsmitgliedern wie die spanischen und italienischen Vereine Real Madrid, FC Barcelona, Atlético Madrid, Juventus Turin, Milan und Inter Mailand.

Drei weitere Klubs sollen ab der ersten Stunde dabei sein. Die zwölf Mitglieder wünschen sich Paris Saint-Germain, Bayern München und Borussia Dortmund. Doch das Trio hat fürs Erste abgewunken. Wenn die 15 Fix-Starter klar sind, können sich fünf zusätzliche Vereine für diese «European Super League» qualifizieren. Die Partien sollen unter der Woche stattfinden. Es sind zwei Zehner-Gruppen geplant mit Hin- und Rückspielen (18 Spiele pro Team), danach soll der Sieger in der K.o.-Phase (ab Viertelfinals) ermittelt werden.

Die Gründungsvereine sollen «eine einmalige Zahlung von rund 3,5 Milliarden Euro» als Startkapital erhalten, «um Investitionspläne in die Infrastruktur zu unterstützen und die Auswirkungen der Corona-Pandemie auszugleichen», heisst es weiter. Die US-Grossbank JP Morgan hat am Montag die Finanzierung bestätigt.

Die Gründungsmitglieder sollen einmalig einen Betrag von je weit über 200 Millionen Euro erhalten. Später soll ein Startgeld von 100 Millionen Euro für jeden Teilnehmer bereitgestellt werden. Die Vereine wollen auch Solidaritätszahlungen leisten. Die Rede ist von «zehn Milliarden Euro in einer anfänglichen Verpflichtungsperiode», wie die englische Nachrichtenagentur AP schrieb.

«Wir werden dem Fussball auf jedem Level helfen und ihn zu seinem rechtmässigen Platz in der Welt bringen. Fussball ist der einzige globale Sport auf der Welt mit mehr als vier Milliarden Fans, und unsere Verantwortung als grosse Klubs ist es, auf deren Begehrlichkeiten zu reagieren», wurde Florentino Perez zitiert.

UEFA hält an Reform fest...

Die brisante Ankündigung kam nur wenige Stunden vor der Exekutivsitzung der UEFA am Montag. Die UEFA-Exekutive hielt dabei trotz des Vorstosses der zwölf Top-Klubs an der Aufstockung der Champions League von 32 auf 36 Teilnehmer und der Einführung eines neuen Modus fest. Nach dem neuen Format soll die Champions League ab der Saison 2024/25 gespielt werden.

...und droht mit Konsequenzen

Die UEFA wertete die Idee einer eigenen Liga als «zynisches Projekt» und warnte die Klubs davor, eine solche zu gründen. Den Vereinen werde es in diesem Fall untersagt sein, an anderen Wettbewerben auf nationaler, europäischer oder weltweiter Ebene teilzunehmen, und ihren Spielern könnte die Möglichkeit verweigert werden, ihre Nationalmannschaften zu vertreten.

Die Gründungsmitglieder der European Super League haben der Nachrichtenagentur AP zufolge bereits rechtliche Schritte eingeleitet, um UEFA und FIFA an einer Einmischung zu hindern. Dies soll den beiden Verbänden in einem Schreiben mitgeteilt worden sein.

UEFA-Präsident Aleksandar Ceferin zeigte sich davon unbeeindruckt: «Das ist eine schreckliche Idee. Da wurde auf den Fussball gespuckt. Wir werden alle Spieler dieser Klubs von Europa- und Weltmeisterschaften ausschliessen. Andrea Agnelli hat mich ununterbrochen angelogen. Das ist die grösste Enttäuschung meines Lebens. Die Gier ist offenbar so stark, dass sie über alle menschlichen Werte obsiegt hat.»

Scharfe Kritik gab es auch vom europäischen Fan-Netzwerk Football Supporters Europe (FSE). «Dieser geschlossene Wettbewerb wird der letzte Nagel im Sarg des europäischen Fussballs sein und alles zerstören, was ihn so beliebt und erfolgreich gemacht hat», heisst es in einer Erklärung. «Diese Pläne sind von Grund auf illegitim, unverantwortlich und gegen jeglichen Wettbewerb. Mehr noch, sie werden ausschliesslich aus Gier vorangetrieben.»

Auch der britische Premierminister Boris Johnson und der französische Präsident Emmanuel Macron kritisierten bereits zuvor die Pläne einer Superliga. Johnson schrieb auf Twitter: «Ich werde alles unternehmen, um diese Idee zu stoppen.»

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. April 2021 15:41
aktualisiert: 19. April 2021 15:43