National League

Grosse personelle Umwälzungen beim SC Bern

28. April 2021, 18:12 Uhr
Nach nur einem Jahr muss Florence Schelling ihren Posten beim SC Bern als Sportchefin bereits wieder räumen
© KEYSTONE/MARCEL BIERI
Grosse personelle Umwälzungen beim SC Bern: Der Schwede Johan Lundskog wird neuer Trainer, Sportchefin Florence Schelling muss ihren Posten ebenso räumen wie ihr Vorgänger Alex Chatelain.

Der 36-jährige Schwede Lundskog wechselt vom HC Davos, wo er zuletzt als Assistenztrainer gearbeitet hat, zu den Bernern und einigte sich mit den Verantwortlichen auf einen Zweijahresvertrag. Assistiert wird er von seinen Landsleuten Christer Olsson und Mikael Hakanson. Der bisherige Cheftrainer Mario Kogler, der die Mannschaft im Lauf der Saison von Don Nachbaur interimistisch übernommen und in die Playoff-Viertelfinals geführt hat, kehrt als Cheftrainer zur U20 Elit-Mannschaft zurück.

Während die Verpflichtung Lundskogs erwartet werden konnte - der SCB bekundete bereits vor einem Jahr Interesse an der Verpflichtung des Schweden -, sorgt die Entlassung Schellings für Aufsehen. Nach nur einer Saison im Amt muss die 32-jährige Zürcherin den SCB bereits wieder verlassen. Notabene nach einer Saison, in der die Corona-Pandemie den Takt vorgab und die Verantwortlichen vor zuvor nicht gekannte Herausforderungen stellte. Allein der SCB musste sich fünfmal in Quarantäne begeben.

Nach Wochen am Tabellenende schaffte der 16-fache Schweizer Meister trotz eines Mammutprogramms in den letzten Monaten doch noch den Sprung in die Playoffs, wo er in den Viertelfinals in einer hart umkämpften Serie dem Qualifikationssieger Zug mit 2:4 Siegen unterlag. Den letztmals ausgetragenen Schweizer Cup sicherten sich die Berner dank einem Finalsieg gegen die ZSC Lions.

Dennoch endete nach nur 380 Tagen die Amtszeit Schellings, die nach Ostern 2020 ihre Position als Sportchefin und General Managerin angetreten hatte. Für viele Beobachter war die Verpflichtung der damals 31-Jährigen ein reiner PR-Coup von SCB-CEO Marc Lüthi gewesen. Die ehemalige Weltklasse-Torhüterin war die erste Frau in einer solchen Position in der Schweiz, ihre Verpflichtung sorgte für Schlagzeilen weit über die Eishockey-Szene hinaus. Schellings beruflicher Rucksack war aber überschaubar, ihr Erfahrungsschatz gering, zudem arbeitete sie zu Beginn aufgrund der Folgen eines Skiunfalls nur in einem 50-Prozent-Pensum.

Dass Schelling in Bern ein schnelles Ende blühen könnte, zeichnete sich schon früh ab, auch wenn Lüthi sich zu Beginn in der Öffentlichkeit immer wieder hinter seine Sportchefin stellte. Spätestens als die Berner Verantwortlichen Mitte Januar Raeto Raffainer vom HC Davos abwarben und als neuen Chief Sport Officer installierten, wurde offensichtlich, dass sie Schelling die Aufgabe nicht (mehr) zutrauten. In seiner Medienmitteilung am Mittwoch schrieb der SCB, dass «auf Ebene Sportchef höchste Fachkompetenz gefordert ist». An dieser fehlte es Schelling offensichtlich.

«Florence Schelling hat in ihrem Jahr beim SCB vieles bewirkt, bringt aber für die kurz- und mittelfristig schwierige Situation des SCB nicht die genügend grosse Erfahrung mit», liess sich Lüthi zitieren. Die Sportchefin ist nicht die Einzige, die Opfer der neuen Berner Ausrichtung wurde. Auch Schellings Vorgänger Alex Chatelain muss den Verein verlassen. Dieser war in dieser Saison verantwortlich für Strategie, Scouting und Analytics. Nach der Entlassung von Nachbaur gehörte er als Assistent dem Trainerstab an. Während die Position Schellings neu besetzt wird, wird für Chatelain kein Nachfolger gesucht.

Quelle: sda
veröffentlicht: 28. April 2021 18:17
aktualisiert: 28. April 2021 18:12