Schweiz - Spanien

Nach Portugal-Pleite: Wenn jetzt keine Reaktion kommt...

Maurus Held, 9. Juni 2022, 18:40 Uhr
Das Nations-League-Spiel in Genf gegen Spanien ist viel mehr als nur eine mögliche Wiedergutmachung für das 0:4 in Lissabon. Die Nati muss den Fans, vor allem aber sich selbst beweisen, dass man für die WM in Katar immer noch auf dem richtigen Weg ist.
Player spielt im Picture-in-Picture Modus

Quelle: TeleZüri

Nur ein Tor geschossen, gleich sechs kassiert: So hat sich die Schweizer Fussball-Nati den Start in die Nations League bestimmt nicht vorgestellt. Nach der Niederlage gegen Tschechien und der 0:4-Klatsche in Portugal will Murat Yakins Elf am Donnerstagabend in Genf wieder zurück auf die Siegerstrasse. Ganz so einfach dürfte das aber nicht werden – der Gegner ist kein geringerer als Welt- und Europameister Spanien.

2. Juli 2021, EM-Viertelfinal in St. Petersburg: Die Schweiz unterliegt den Iberern erst im Penaltyschiessen, während 120 Minuten begegnet sie Spanien auf Augenhöhe. Die Nati hat sich tapfer geschlagen, Remo Freulers umstrittene rote Karte hat sie souverän weggesteckt. Heisst: Die Spanier sind grundsätzlich schlagbar.

Die erste Halbzeit gab zu denken

Grundsätzlich. An der Schweizer Seitenlinie steht am Donnerstagabend nicht mehr Vladimir Petkovic, sondern Murat Yakin. Die WM-Qualifikation schloss man mit ihm erfolgreich ab, seither läuft es aber nicht mehr so rund: Gegen England verlor man zunächst noch unglücklich mit 1:2, gegen den Kosovo im Letzigrund in Zürich war man halt einfach im Freundschaftsspiel-Modus.

Alles schien nach wie vor in Ordnung. Das war im März. Jetzt, anfangs Juni, sind die kritischen Stimmen unüberhörbar. Die Art und Weise, wie die Nati von den Portugiesen vorgeführt wurde, vor allem während der ersten Halbzeit, gibt zu denken. Vor allem, wenn man bedenkt, dass bis November, wenn die WM startet, nicht mehr so viele Spiele bleiben.

Ist das Kader gut genug?

Was vor allem Sorge macht: Gewisse Spieler haben einfach nicht die nötige Klasse, um den eigenen Schweizer Erwartungen gerecht zu werden. Die Nati hat spätestens seit dem Achtelfinalsieg gegen Frankreich an der EM den Anspruch, selbes auch an der Weltmeisterschaft zu leisten. Doch ist das mit einer Defensive mit Schär, Mbabu, Frei oder Rodriguez wirklich möglich?

Klar, Manuel Akanji fehlte in Lissabon verletzt, Elvedi kam ebenfalls nicht zum Einsatz. Doch an einer WM muss auch auf die zweite Garde Verlass sein. Auch auf den anderen Positionen darf die Frage erlaubt sein, ob man da wirklich mit Brasilien (einer der Gruppengegner!) oder anderen Top-Teams mithalten kann. Shaqiri spielt mittlerweile in den USA, Seferovic hat eine mit Verletzungen geprägte Saison bei Benfica hinter sich. Da kommt nicht gerade Optimismus auf.

Jetzt muss sie liefern

Andererseits: Wenn die Schweiz Moral beweist und die Kritiker erstummen lässt, dann meist nach genau solchen horrenden Niederlagen wie gegen Portugal. An der EM letzten Sommer prasselte es ähnlich grausig auf die Nati nieder, nachdem man gegen Italien 0:3 unterging. Den Rest kennen alle: Gegen die Türkei holte man den Pflichtsieg, gegen Frankreich folgte die Kür.

Am Donnerstagabend wäre eine spektakuläre Schweizer Trotzreaktion also keineswegs überraschend. Sie kann es, die Nati, das hat sie in der Vergangenheit schon öfters bewiesen. Aber nun muss sie. Erst recht, weil sie zuhause in Genf spielt. Ein Spiel wie am 2. Juli 2021 wäre das Mindeste, was die Fans verdient hätten. Ansonsten bleibt die Frage wohl bis November bestehen: Kann dieser Kader die eigenen Ansprüche erfüllen?

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 9. Juni 2022 17:45
aktualisiert: 9. Juni 2022 18:40
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