Vuelta

Roglic' Genugtuung nach der Tour-Enttäuschung

9. November 2020, 04:05 Uhr
Vuelta-Sieger Primoz Roglic hat ein ausserordentlich starkes Jahr hinter sich
© KEYSTONE/EPA/Kiko Huesca
Primoz Roglic gewinnt wie im Vorjahr die Vuelta - eine Genugtuung, nachdem er den Sieg an der Tour de France als Zweiter knapp verpasst hat. Der Slowene ist der aktuell beste Rundfahrten-Spezialist.

Irgendwie hat man noch nicht wahrgenommen, dass Primoz Roglic aktuell zu den ganz Grossen des Radsports gehört. Die Tour-de-France-Sieger Chris Froome, Geraint Thomas und Egan Bernal waren in den letzten Jahren die Stars der Szene. Diesen Herbst stand Roglic Tadej Pogacar vor der Sonne, nachdem er sich am zweitletzten Tag der Tour de France von seinem Landsmann noch das Maillot jaune hatte abjagen lassen.

Dennoch: Roglic ist der stärkste Rundfahrten-Spezialist der letzten zwei Saisons. Innerhalb von nur fünf Jahren ist aus dem Nobody ein Champion und die Nummer 1 der Weltrangliste geworden.

Keiner gewann zuletzt mehr Rundfahrten als Roglic, der 2018 und 2019 auch zweimal an der Tour de Romandie triumphierte, und keiner stand an den Grand Tours öfters auf dem Podest: 2019 Dritter am Giro d'Italia und Sieger an der Vuelta, dieses Jahr Zweiter an der Tour de France und nun wieder der Gewinner der Spanien-Rundfahrt.

Der ehemalige Skispringer - 2007 war er Junioren-Weltmeister auf der Schanze - fuhr zuletzt stets um den Sieg mit, wenn ein Radrennen länger als einen Tag dauerte.

Dank der Bonifikationen

Roglic ist ein kompletter Fahrer, stark am Berg und in den Zeitfahren, aber auch ein guter Sprinter. Dank dieser Fähigkeit sichert er sich bei Rundfahrten in Zielsprints immer wieder Zeitbonifikationen. An der diesjährigen Vuelta waren es 48 Sekunden, was im Kampf um den Gesamtsieg letztlich entscheidend war.

Sein Vorsprung nach 18 Etappen auf den zweitplatzierten Ecuadorianer Richard Carapaz betrug 24 Sekunden. Der drittplatzierte Brite Hugh Carthy verlor 1:15 Minuten auf den Slowenen.

Am Samstag musste Roglic noch einmal ans Limit musste, um sein Leadertrikot erfolgreich zu verteidigen. «Ich hatte nicht immer alles unter Kontrolle, aber ich habe meine Aufgabe erledigt», sagte er danach.

Auch wenn die Abstände am Ende knapp waren, Roglic verdiente sich den Sieg an dieser Spanien-Rundfahrt. Er gewann vier Etappen und fuhr an fünf weiteren Tagen in die Top 5. Zudem sicherte er sich wie im Vorjahr das grüne Trikot des punktbesten Fahrers.

Mehr als nur ein Rundfahrten-Spezialist

«Ich fuhr jeden Tag, als wäre es ein Klassiker. Nun bin ich am Ziel und stehe zuoberst auf dem Podest. Das ist ein schönes Ende dieser Saison», sagte Roglic nach seinem Triumph.

Der 31-Jährige vom Team Jumbo-Visma ist der erste Fahrer seit Roberto Heras, der seinen Vuelta-Sieg aus dem Vorjahr wiederholen konnte. Der Spanier hatte zwischen 2003 und 2005 gar dreimal in Serie gewonnen.

Der in einem kleinen Dorf in Slowenien aufgewachsene Roglic hat in der zu Ende gegangenen Saison aber bewiesen, dass er nicht «nur» ein Rundfahrten-Spezialist ist. In Lüttich gewann er sein erstes ganz grosses Eintagesrennen.

Im selben Jahr der Sieg an einer Grand Tour und an einem der sogenannten Radsport-Monumente, das gelang zuletzt dem Italiener Danilo di Luca im Jahr 2007 (Giro und Lüttich).

Die Tour 2021 im Visier

Roglic gehörte zusammen mit Julian Alaphilippe sowie den Jungen um Pogacar, Wout van Aert, Mathieu van der Poel und Marc Hirschi zu den dominierenden Figuren der Saison

«Ich bin super stolz auf das, was ich in den letzten Wochen geleistet habe», so Roglic, der sich nun auf die Pause freut und sich noch nicht gross über die nächste Saison Gedanken gemacht hat. «Es gibt noch viele Dinge, die ich nicht erreicht habe und die ich gerne angehen würde.»

Auch wenn er nicht konkret davon sprach, ganz sicher hat 2021 für ihn der Sieg an der Tour de France oberste Priorität. Spätestens mit einem Triumph beim wichtigsten Rennen der Welt würde auch er zu den ganz Grossen gehören.

Quelle: sda
veröffentlicht: 9. November 2020 04:05
aktualisiert: 9. November 2020 04:05