U20-WM

Schweizer U20-Nationalteam mit hohen WM-Ambitionen

25. Dezember 2020, 10:05 Uhr
Die Schweizer feierten im einzigen Test vor dem Start der U20-WM in Edmonton einen Sieg gegen Österreich
© KEYSTONE/AP/JASON FRANSON
Am Freitag beginnt für die Schweizer Junioren mit dem Spiel gegen die Slowakei das Abenteuer U20-Weltmeisterschaft in Edmonton. Das Turnier dürfte allen noch lange in Erinnerung bleiben.

Es ist alles andere als eine gewöhnliche U20-WM. Die Mannschaften befinden sich in der kanadischen Metropole in einer Blase, die sie nicht verlassen dürfen. Die Anreise der europäischen Mannschaften erfolgte am vorletzten Sonntag mit einem Charterflug, dann ging es direkt ins Hotel in eine viertägige Isolation, in der keiner das Zimmer verlassen durfte. Zu den strengen Regeln gehören auch tägliche Corona-Tests.

Die Zeit alleine in den Zimmern nutzten die Schweizer optimal. Dreimal am Tag fanden virtuelle Trainings statt, es wurden Meetings per Zoom durchgeführt und das Essen wurde gemeinsam vor dem Computer eingenommen. Jeweils am Morgen sangen alle gemeinsam die Nationalhymne. Aufgrund all dieser Massnahmen entstand trotz der Isolation ein Wir-Gefühl. «Es war wichtig, den Spielern einen klaren Tagesablauf zu geben», so Trainer Marco Bayer im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Schon in der Vorbereitungswoche in Cham und Zug hatten rigorose Restriktionen gegolten. Dennoch wurde Yves Stoffel von der EVZ Academy positiv getestet - auch dessen Zimmerkollege Jannik Canova (Davos) musste das Camp aufgrund einer Quarantäne-Anordnung des Kantonsarztes verlassen. Kevin Lindemann (Leksands/SWE) durfte ebenfalls nicht nach Edmonton reisen, obwohl er schon früher am Coronavirus erkrankt und nicht ansteckend war. Sein erster positiver Test lag ausserhalb der von den kanadischen Behörden gesetzten Frist von 90 Tagen vor der Einreise.

Im Vergleich zu anderen Nationen kamen die Schweizer aber glimpflich davon. Bei den Deutschen beispielsweise, in der Nacht auf den 31. Dezember der letzte Gruppengegner, wurden in Edmonton acht Spieler positiv getestet, was eine Verlängerung der Quarantäne bis mindestens am 23. Dezember zur Folge hat - aufs Eis dürfen bloss jene, die schon eine Covid-19-Infektion hinter sich haben. Auch bei den Schweden, gegen welche die Schweizer ein Vorbereitungsspiel bestritten hätten, gab es nach der Einreise zwei positive Fälle. Deshalb war der 3:2-Sieg gegen Österreich in der Nacht auf Mittwoch der einzige Test für die Bayer-Equipe vor dem WM-Start.

Weil sämtliche anderen WM-Turniere auf U20-Stufe abgesagt wurden, gibt es diesmal keinen Absteiger. Die Ambitionen der Schweizer sind inzwischen aber deutlich höher, als den Ligaerhalt zu schaffen. «Wir sind mittlerweile überzeugt, etwas reissen zu können», erklärt Bayer, dem mit Nationaltrainer-Duo Patrick Fischer und Tommy Albelin prominente Assistenten zur Seite stehen. «Das hat sich im Vergleich zu früher geändert. Ich bin überzeugt, dass es eine Frage der Zeit ist, bis das A-Nationalteam WM-Gold gewinnt. Also ist der logische nächste Schritt unserer Philosophie, dass wir auch mit der U20 eine Medaille holen. Wann es soweit ist, wissen wir nicht, aber warum nicht in diesem Jahr? Die Mannschaft sieht das genau gleich.»

Zwar fehlen dem Team herausragende Spieler, wie es beim Halbfinaleinzug vor zwei Jahren Philipp Kuraschew war, «wir sind aber sehr breit aufgestellt». Ausserdem attestiert Bayer der Mannschaft eine sehr gute Arbeitsmoral. «Diesbezüglich legen die Spieler einen unglaublichen Willen an den Tag. Wir werden Freude bereiten, weil wir Einsatz für Einsatz hart arbeiten. Das ist die DNA unserer Equipe.»

Ein erstes Mal will sie diese am ersten Weihnachtstag gegen die Slowaken unter Beweis stellen. In dieser Partie ist gemäss Bayer ein Sieg Pflicht. Gegen Finnland (27. Dezember) und Kanada (30. Dezember) sind die Schweizer Aussenseiter, gerade darin sehen sie aber ihre Chancen. Zudem fehlt es den Kanadiern an Spielpraxis. Gegen die Deutschen ist es ein 50:50-Spiel. «Am Ende ist der mentale Zustand einer der wichtigsten Faktoren, wer wie gut mit all den herausfordernden Umständen umgeht. Ich glaube, dass wir mit unserem Programm gute Strukturen gelegt haben», gibt sich Bayer optimistisch.

Quelle: sda
veröffentlicht: 25. Dezember 2020 10:05
aktualisiert: 25. Dezember 2020 10:05