WM und Vaterfreuden

Carlos Mäder: «Ich will nochmals Vollgas geben»

Daniel Schmuki, 1. Oktober 2022, 11:25 Uhr
Der Obwaldner Skirennfahrer Carlos Mäder hat im vergangenen Februar erstmals an Olympischen Winterspielen teilgenommen. Auch in der neuen Saison stehen für den 43-Jährigen diverse Highlights auf dem Programm. Doch das Skifahren geniesst beim werdenden Vater nicht mehr oberste Priorität.

Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

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Carlos Mäder hat aufregende Monate hinter sich. Im Februar reiste er nach Peking, um erstmals überhaupt an Olympischen Spielen teilzunehmen. Die Vorfreude war riesig, die Enttäuschung über das missglückte Rennen aber fast noch grösser. Der Obwaldner, der für Ghana am Start stand, schied im Riesenslalom bereits nach wenigen Toren aus.

Quelle: PilatusToday / Daniel Schmuki

Knie-OP und Knorpelschaden

Nun steckt Mäder mitten in den Vorbereitungen auf die neue Saison. «Ich will nochmals Vollgas geben», kündigt der 43-Jährige an. Denn mit der Ski-WM im französischen Courchevel und Méribel sowie der erstmaligen Austragung der Afrikanischen Wintermeisterschaften stehen aus sportlicher Sicht zwei absolute Highlights in seinem Rennkalender.

Weil er sich im Juni einer Meniskus-Operation unterziehen musste, befindet sich Mäder nach wie vor im Aufbautraining. Erschwerend kommt hinzu, dass ihm ein Knorpelschaden im linken Knie Probleme bereitet. Deshalb will er nichts überstürzen und mit dem ersten Skitag noch etwas zuwarten. «Ich habe noch Zeit. Der Muskelaufbau hat Priorität.»

Dank Personal-Trainer zur Topform

In den vergangenen Jahren stemmte der Giswiler im Fitnesscenter jeweils auf eigene Faust und ohne Betreuung Gewichte. Im Hinblick auf die bevorstehende Saison kann er dank eines Sponsors nun erstmals auf einen Personal-Coach zurückgreifen. «Das sind Welten», kommt Mäder fast nicht mehr aus dem Schwärmen heraus.

Bisher hätte er die Übungen nach Gutdünken gemacht. Ob diese richtig ausgeführt wurden, hätte ihm niemand gesagt. «Jetzt werde ich eng und professionell betreut. Sogar eine Ernährungsberatung ist im Programm mit dabei. So kann ich mich perfekt auf die neue Saison vorbereiten.»

Das Training ist so ausgelegt, dass Mäder seine Bestform pünktlich zum Start der Afrikanischen Wintermeisterschaften erreicht. Wann diese über die Bühne gehen werden, ist allerdings noch nicht definiert. «Zunächst hiess es, die Spiele finden Mitte Dezember statt. Ich rechne aber eher mit Mitte Januar.»

Vaterfreuden und Terminkollision

Bei aller Vorfreude auf die bevorstehende Saison: Das Skifahren geniesst bei Mäder nicht mehr oberste Priorität. Er und seine Frau werden kommendes Jahr erstmals Eltern. «Es wird eine Tochter», verrät der 43-jährige Olympionike stolz.

Doch das Töchterchen nimmt keine Rücksicht auf den Rennkalender. «Geburtstermin ist der 20. Februar. Das ist drei Tage nach dem Riesenslalom an der Ski-WM», bringt Mäder die mögliche Terminkollision auf den Punkt.

«Meine Frau möchte aber unbedingt, dass ich an die WM fahre.» Dies wird Mäder aller Voraussicht nach auch tun. Denn vom Austragungsort in den französischen Alpen wäre er mit dem Auto in etwa fünf Stunden zurück in Luzern. «Ich muss also nicht extra ins Flugzeug steigen, um bei der Geburt dabei sein zu können. Das macht vieles einfacher.»

Traum von Olympia 2026 lebt

Zunächst stehen für Mäder aber nochmals intensive Krafteinheiten im Gym auf dem Programm. So will er erreichen, dass ihn der Knorpelschaden beim Skifahren nicht allzu stark behindert. Dennoch ist sich Mäder bewusst: «Ich muss wohl auch etwas auf die Zähne beissen.» Doch um seinen grossen Traum zu leben, nimmt der Obwaldner dies gerne in Kauf.

Carlos Mäder war bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele in Peking Fahnenträger von Ghana.

© Getty Images

Auch eine mögliche Olympia-Teilnahme 2026 schliesst Mäder nicht kategorisch aus. Nicht in erster Linie, um die Enttäuschung aus Peking vergessen zu machen, sondern viel mehr, um Olympische Winterspiele noch «richtig zu erleben» – ohne Corona-Einschränkungen und mit skibegeisterten Zuschauern. Aber am meisten, weil er bald Vater wird: «Es wäre schon cool, wenn mich meine Tochter an Olympia ein Rennen fahren sieht.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. Oktober 2022 11:22
aktualisiert: 1. Oktober 2022 11:25