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Nach Kritik an Adelboden

Gelten am Lauberhorn strengere Corona-Massnahmen?

Urs Hofstetter, 11. Januar 2022, 13:39 Uhr
Die Bilder mit tausenden fröhlich jubelnden, meist maskenlosen Skisport-Fans im Zielraum von Adelboden haben weltweit für Kritik gesorgt. Eine Verschärfung des bewilligten Schutzkonzepts für das kommende Lauberhorn-Wochenende ist aber nicht in Sicht.
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Quelle: Tele 1

«Ds Oberland, ja ds Oberland... Ds Bärner Oberland isch schö-ö-ön». Unzählige Male erschallte am Wochenende dieses bekannte Volkslied aus den Kehlen eines ebenso gemischten wie auch äusserst kompakt aufgestellten Chors. Allein am Samstag ergötzten sich 12'000 lautstarke Skisport- und Partyfans im Zielraum von Adelboden an Marco Odermatts Riesenslalom-Triumph – dem ersten am Chuenisbärgli seit 14 Jahren. Doch ausserhalb von Adelboden wurde die Begeisterung über «Odis» Sieg vielerorts überschattet von Fassungslosigkeit. Gesichter ohne Masken, keine Abstände, Jubel, Trubel, Heiterkeit auf der Tribüne – und das alles mitten in einer angespannten Corona-Situation.

«Die versuchen in einem Wochenende alle zu durchseuchen»

Die spektakulären TV-Bilder aus Adelboden lösten Befremden aus. In den sozialen Medien wurden gleich mehrere Hashtags wie #DummWieDieSchweiz oder #SwissCovidFail kreiert. Und der von Marco Odermatt auf Rang 2 verwiesene Österreicher Manuel Feller sagte im ORF mit unüberhörbarem Galgenhumor: «Die Schweizer gehen da ein bisschen einen anderen Weg. Die versuchen, in einem Wochenende alle durchzuseuchen.» Derweil betonen die Veranstalter, dass alle Vorgaben von Bund und Kanton Bern eingehalten worden seien und man sich strikt an das geltende Schutzkonzept gehalten habe.

3G und Maskentrag-Empfehlung auch in Wengen?

Gespannt schaut die Sportwelt nun auf Wengen, wo am kommenden Wochenende die 92. Lauberhornrennen stattfinden. Wie Adelboden ist auch Wengen jeweils ein Pilgerort für viele tausend skisportbegeisterte und partyfreudige Menschen. Zieht der Kanton Bern die Schraube nun an? «Nein», sagt Gundekar Giebel, Medienchef des kantonalen Gesundheits-Departements GSI, auf Anfrage der Redaktion. «Das bereits bewilligte Schutzkonzept für das Lauberhorn-Wochenende bleibt bewilligt». Es gilt also – wie in Adelboden – 3G (geimpft, getestet, genesen) im Aussenberich und 2G (geimpft, genesen) im Innenbereich. «Es liegt grundsätzlich am Veranstalter, die geltenden Schutzmassnahmen durchzusetzen», so Giebel.

Der Veranstalter selbst will an seinem Schutzkonzept ebenfalls nichts ändern. Es gilt entlang der Rennstrecke und im Weltcup-Dörfli eine Zertifikatspflicht. Andreas Mühlheim, Geschäftsführer des Vereins Internationale Lauberhornrennen, versichert, dass jedes Detail im Konzept punktgenau umgesetzt werde. «Sogar für den Speaker gibt es einen genauen Ablauf, wann und wie er das Publikum zum Maskentragen und Abstandhalten animieren soll», so Mühlheim. Im Vergleich zu Adelboden habe Wengen den Vorteil, dass es im Zielraum keine Tribüne gebe, wo das Publikum Schulter an Schulter sitzen muss. «Und beim ‹Girmschbiel› (dem beliebten Hang vis-à-vis vom Hundschopf) können die vielen Fans genügend Abstand voneinander halten».

Keine Angst vor Verschärfungen durch den Bundesrat

Eng wird es am Lauberhorn-Wochenende jeweils im Weltcup-Dörfli mitten in Wengen. Während sich in «normalen» Zeiten tausende Menschen vor und nach der Siegerehrung in die verschiedenen Festzelte und Bars zwängen, findet dieses Jahr alles draussen statt. «Auf dem Platz vor der grossen Eventbühne gibt es nur Verpflegungsstände», sagt Mühlheim.

Am Mittwoch könnte der Bundesrat die landesweit geltenden Massahmen gegen Corona jedoch noch verschärfen. Beim Lauberhorn-OK sieht man diesem Termin gelassen entgegen. «Eine Verschärfung würde eine Vernehmlassung bei den Kantonen nach sich ziehen, und dafür reicht die Zeit nicht mehr», erklärt der Lauberhornrennen-Geschäftsführer. Er findet es schade, dass seine Kollegen in Adelboden medial so unter die Räder gekommen sind: «In den Eishockey-Stadien machen auch bis zu 15'000 Fans Rambazamba. Aber dort schwenkt die Kamera nicht bei jedem Tor um und zeigt das ausflippende Publikum».

Quelle: ArgoviaToday
veröffentlicht: 11. Januar 2022 06:31
aktualisiert: 11. Januar 2022 13:39