Ski alpin

Titelverteidiger (fast) ohne Favoriten-Status

6. Februar 2021, 05:00 Uhr
Titelverteidiger Alexis Pinturault tritt in der Kombination als klarer Favorit an
© KEYSTONE/AP/Alessandro Trovati
Titelverteidiger in der Favoritenrolle sind an der Weltmeisterschaft in Cortina d'Ampezzo die Ausnahme. Die Gründe für diese aussergewöhnliche Konstellation sind vielschichtig.

Mit Alexis Pinturault lässt sich zurzeit nicht das grosse Geld machen. Die Wettquoten für den Franzosen für den Kombinationswettkampf in den Dolomiten werden tief sein, deutlich tiefer wohl als für alle anderen Weltmeister, die ihren Titel in Cortina d'Ampezzo verteidigen werden.

Pinturaults unverhoffte zweite Chance

In der Kombination der Männer scheint die Ausgangslage für den Titelhalter so günstig zu sein wie in keinem anderen Rennen in den nächsten zwei Wochen. Ausgerechnet in der Disziplin, in dem es in diesem Winter keine Vergleichsmöglichkeiten gibt, ist die Frage nach dem ersten Anwärter auf neuerliches Gold am leichtesten zu beantworten. Ausgerechnet in der Disziplin, deren Abschaffung so gut wie beschlossene Sache war, die nach einem Entscheid des Councils des Internationalen Skiverbandes FIS aber doch im Programm belassen wurde.

Pinturault gehört auch im Riesenslalom zu den Titelkandidaten. Der Franzose wird nach seinen Siegen in den letzten drei Weltcup-Rennen auf jeden Fall deutlich höher gehandelt als Weltmeister Henrik Kristoffersen. Im Riesenslalom hat der Norweger sein Niveau vergangener Jahre nicht einmal im Ansatz erreicht. Verantwortlich dafür sollen Probleme bei der Materialabstimmung sein.

Ähnlich hinkt Kristoffersens Landsmann Kjetil Jansrud in der Abfahrt den eigenen Ansprüchen hinterher. Dass der Weltmeister sich in diesem Winter schwer tut, hat womöglich auch mit dem privaten Umfeld zu tun. Jansrud ist im Sommer Vater einer Tochter geworden. Seither hat er, vorab bei nicht optimalen Bedingungen, nach eigener Einschätzung das Limit mehr in Richtung Sicherheit verschoben.

Mühe bekundet bisher auch Dominik Paris, als Weltmeister im Super-G den Anschluss an die Besten wieder herzustellen - was nach dem vor einem Jahr erlittenen Kreuzbandriss allerdings nicht verwundert. Im Super-G ist die Situation auch deshalb besonders, weil mit dem Norweger Aleksander Kilde und dem Amerikaner Ryan Cochran-Siegle zwei der vier Gewinner im Weltcup verletzt ausfallen und der Start von Mauro Caviezel, eines weiteren Siegers, noch nicht gesichert ist.

Im Slalom ist das Feld nicht nur wegen des Rücktritts von Titelhalter Marcel Hirscher offen. Sieben verschiedene Sieger in den neun Weltcup-Slaloms zeugen von der Ausgeglichenheit im Stangenwald.

Mehr als ein Duell Shiffrin - Vlhova

Bei den Frauen zeigt sich im Slalom ein vergleichbares Bild. Obschon Mikaela Shiffrin als vierfache Weltmeisterin antritt und Petra Vlhova seit Beginn des vergangenen Winters mehrheitlich den Ton angegeben hat, gibt es die uneingeschränkte Gold-Anwärterin nicht. Die Amerikanerin hat nach dem Tod ihres Vaters die Leichtigkeit und Souveränität nicht wiedererlangt, die Slowakin hat zuletzt nicht mehr so unwiderstehlich wie noch zum Saisonanfang gewirkt.

Schon gar nicht hat Petra Vlhova die Rolle der Favoritin als Weltmeisterin im Riesenslalom inne. Da hat sich mit der Italienerin Marta Bassino mit vier Siegen in den sechs Weltcup-Rennen eine andere in den Vordergrund gefahren.

Gleiches hätte für Marta Bassinos Landsfrau Sofia Goggia gegolten. Die Draufgängerin wäre als Gewinnerin der letzten vier Weltcup-Abfahrten die Fahrerin gewesen, über die der Weg zu Gold geführt hätte. Die Bergamaskin verpasst aber wegen der am Sonntag in Garmisch erlittenen Schienbeinkopf-Fraktur die Heim-WM. Trotz Sofia Goggias Pech bleibt Titelverteidigerin Ilka Stuhec eine Aussenseiterin. Die Slowenin hat ihr einstiges Leistungsvermögen auch im zweiten Winter nach dem zweiten Kreuzbandriss noch nicht wiedererlangt.

Im Super-G sind die Pfründe mit Dominatorin Lara Gut-Behrami klar abgesteckt. Beim nächsten Versuch, an einem Grossanlass endlich Gold zu gewinnen, wird es die Tessinerin auch mit der amtierenden Weltmeisterin zu tun bekommen. Mikaela Shiffrin hat nach drei Tagen Training auf den langen Ski entschieden, ihren Titel zu verteidigen. Im Weltcup hat die Amerikanerin in diesem Winter noch keine Speed-Rennen bestritten.

Die Beibehaltung der Kombination bietet auch Wendy Holdener die Möglichkeit, wie vor zwei Jahren ihren Titel zu verteidigen. Im Gegensatz zu Pinturault ist die Schwyzerin jedoch nur eine von mehreren Anwärterinnen auf den Sieg - mit entsprechend höherer Wettquote als der Leader im Gesamtweltcup.

Quelle: sda
veröffentlicht: 6. Februar 2021 05:00
aktualisiert: 6. Februar 2021 05:00