Maturaarbeit

17-Jährige lebt mit ihrer Mutter für zwei Wochen ohne Strom

Lea Hilff, 29. September 2022, 10:50 Uhr
Kein Wasser, Licht oder Internet – vor drei Jahren wagte die damals 17-jährige Elin für ihre Maturaarbeit ein Selbstexperiment – zusammen mit ihrer Mutter. Am Ende hätten sie das Essen rationieren müssen, erzählt Elin.
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«Ich hätte nie gedacht, dass wir einmal zu wenig Strom hätten.» Als die heute 20-jährige Elin aus Bronschofen (Nähe Wil SG) sich für zwei Wochen ganz vom Strom abkapselte, sah die Welt noch anders aus. Das Selbstexperiment führte sie 2019 im Rahmen ihrer Maturaarbeit durch – zusammen mit ihrer Mutter. «Meine Lehrerin als auch meine Mutter sind Abenteurerinnen. Zudem hatte meine Mutter zu dieser Zeit im Literaturclub ein Buch über ein Black Out gelesen», erzählt sie im Interview. Und so entstand die Idee für ihre Abschlussarbeit. Zu Beginn war die Gymi-Schülerin noch etwas blauäugig...

Nach einem dreitägigen Probelauf und einer Lektüre wurde Elin bewusst: Am Strom hängt noch so viel mehr.

Freitag um Mitternacht ist der Strom weg

So das Szenario, welches sich Elin und ihre Mutter für das Experiment vorstellten. An einem Samstag, zu Beginn ihrer Sommerferien, fiel der Startschuss. «Am Samstagmorgen gingen wir noch zum Markt, der geht auch ohne Strom.» Und trotzdem die erste Challenge: Bezahlen geht nur mit Bargeld, denn eine Kreditkarte braucht Strom.


Der Beginn des Experiment sei lustig gewesen, erinnert sich Elin. «Am Morgen sass ich im Schlafanzug vor der Tür und habe Kaffee gekocht.» Ein ungewöhnlicher Anblick auch für die Nachbarn. Die anfängliche Freude und Leichtigkeit vergingen aber nach den ersten Tagen.

Nach den ersten vier Tagen war der Wasservorrat von Elin und ihrer Mutter aufgebraucht, für die beiden begann nun die «Büetz». Denn ohne Strom laufen auch die Wasserpumpen nicht –  also verzichten die beiden auf das Hahnenwasser. «Zuerst hatten wir die Idee, eine Tonne und eine Luftmatratze mit Löchern in den Regen zu stellen», erinnert sich Elin. Not macht bekanntlich erfinderisch.

Funktioniert hat das aber nicht. «Danach haben wir das Wasser vom Bach geholt», erzählt Elin weiter. Zum Trinken hätten sie das Bachwasser mit Hilfe von Micropur-Tabletten gereinigt. Für den Abwasch des Geschirrs setzten sie auf herkömmliches Bachwasser – ein Fehler, wie sich herausstellte:

Von jeglichem Luxus mussten sich Mutter und Tochter schnell verabschieden. «Zum Duschen füllte ich einen Kübel mit Wasser und tunkte meinen Kopf hinein.» Das Essen kochten die beiden über dem Gaskocher – mit der Zeit wurde der Vorrat etwas knapp, «gegen Ende mussten wir das Essen rationieren».

Während für die 17-jährige Elin in diesen beiden Wochen plötzlich grundlegende Bedürfnisse in den Fokus rückten, ging etwas ganz in Vergessenheit:

«Das Handy habe ich gar nicht vermisst»

Bis auf den Besuch einer Freundin war Elin abgeschottet von der Aussenwelt. «Man schätzt Begegnungen viel mehr», stellte sie fest. Und: «Wir hatten keine Ahnung, wie spät es ist.»

Heute ist Elin 20 Jahre alt und studiert Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule in St. Gallen. Obwohl ihr Experiment schon drei Jahre zurückliegt, beeinflusst es ihren Alltag bis heute. «Ich schätze Strom extrem», sagt sie. Und auf was hat sie sich nach zwei Wochen Black Out am meisten gefreut? «Das Duschen – ganz klar.»

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 20. September 2022 06:14
aktualisiert: 29. September 2022 10:50