Social Media Hype

Geil, ich bin bei «Clubhouse» dabei! Aber was soll das jetzt genau?

Yanik Probst, 20. Januar 2021, 09:58 Uhr
Ja, ich habe es tatsächlich geschafft. Ich habe eine Einladung für die exklusive Social Media Plattform «Clubhouse» bekommen. Da wo sich auch Promis wie Drake tummeln und man sogar mit denen quatschen kann! Als ich dann aber drin war und mich umgesehen habe, war die Ernüchterung doch relativ gross.

Der Hype um die neue Social Media App «Clubhouse» ist aktuell ja riesig. Der Grund dafür ist ganz einfach: Man kommt nur rein, wenn man von jemandem eingeladen wird, der bereits drin ist. Eine sehr exklusive Sache also. Mein Redaktionskumpel Mario hatte es am Wochenende lange probiert und ist gescheitert (auch, weil es die App nur für iOS gibt). Nicht so bei mir – eine gute Freundin machte es möglich, dass ich jetzt auch zur «Clubhouse»-Community gehöre. Sorry Mario!

Aber wie funktioniert das Teil jetzt? Wirst du eingeladen, kriegst du eine SMS mit einem Link. Dann lädst du die App runter und registrierst dich mit deiner Handynummer. Es dauert ein paar Sekunden und du kriegst einen SMS-Code, um dich endgültig einloggen zu können. Dann folgen die üblichen Fragen: Willst du andere Social Media-Konten verknüpfen? Willst du dein Adressbuch freigeben, um andere Freunde zu finden? Profilname und Profilbild, die üblichen Dinge halt.

«Telefonkonferenzen» mit den grossen Promis und Stars

Jetzt bin ich also drin. Da, wo sich angeblich voll die Promis und so tummeln und das Entscheidende: Es geht nicht um Bilder, Videos und Posts, sondern man «telefoniert» eigentlich mit anderen Leuten in einer Art Konferenzen. Dann kann ich also tatsächlich mit Promis aus Film, Musik und Sport plaudern, denke ich mir. Einfach so? Hä, denkste.

In der App kannst du sogenannten Rooms beitreten und mit anderen Leuten auf der «Clubhouse»-Plattform «pläuderle». Eigentlich noch cool. Man kann sich mit Menschen aus aller Welt austauschen. Die Räume sind jeweils auf ein Thema oder ein gemeinsames Interesse ausgerichtet. So triffst du Gleichgesinnte und kannst deshalb spannende Diskussionen führen. Habs ausprobiert und noch witzig gefunden. Nun will ich aber endlich die Promis treffen!

Eine schwierige Angelegenheit. Fairerweise muss ich zugeben, dass ich diese C- und D-Promis nicht wirklich kenne. Aber die angepriesenen Superstars finde ich halt auch nicht – ausser Drake, der hat auch ein riesen Ding daraus gemacht. Tatsächlich bin ich aber etwas enttäuscht.

Es gibt die Promi-Chats – du kannst aber nicht mitreden

Als Sportfan habe ich dann vor allem nach Sport-Stars gesucht. Gefunden habe ich allerdings nicht viel Brauchbares. Keinen Ronaldo, keinen Messi. Immerhin: David Alaba ist dabei. Ich versuche es noch mit den grossen Namen aus den US-Sportarten Football und Baseball. Schliesslich ist es eine Ami-App. Im Football habe ich die wirklich grossen Stars ebenfalls nicht gefunden. Nur ein paar international weniger bekannte NFL-Spieler. Beim Baseball habe ich dann doch ein Volltreffer gelandet: MLB-Spieler Bryce Harper, der hat immerhin einen 330-Millionen-Dollar-Vertrag und stand deswegen auch hier in den Zeitungen.

Mit ihm aber in einem Room persönlich sprechen? Fehlanzeige. Man kann sich höchstens in einen Room einschalten, in dem er dabei ist. Das Problem: In den Räumen mit den Promis kann man fast nie mitreden, sondern nur zuhören. Es fühlt sich dann an wie ein Radio-Interview, wenn dem Promi ein paar Fragen gestellt werden oder es ist sogar ein kompletter Monolog, weil es mehr ein Referat zu einem Thema ist. Oder anders gesagt: Es ist einfach ein Live-Podcast.

Datenschutz ein grosses Fragezeichen

Dass man die Handynummer eingeben muss, habe ich schon erzählt. Ausserdem muss man eben noch sein Adressbuch freigeben für die App, um Kontakte zu finden und vor allem um maximal zwei Kontakte in die App einzuladen. Das Positive zum Datenschutz: Die Betreiber von «Clubhouse» machen keinen Hehl daraus, dass sie Daten von dir sammeln. Danke für die Ehrlichkeit!

Ins Auge sticht, dass auch die Audio-Unterhaltungen in den Rooms aufgenommen und temporär gespeichert werden – diese würden aber verschlüsselt, heisst es in den Datenschutzbestimmungen. Die ganzen Daten würden nicht an andere Unternehmen oder so weitergegeben, ausser natürlich, die App würde von jemandem aufgekauft oder übernommen. Hey Mark Zuckerberg, vielleicht willst du mit Facebook da auch noch zuschlagen? Beim Datenschutz sind die beiden, «Clubhouse» und Facebook, ja eigentlich fast auf gleicher Linie.

Mein Fazit

Ja, es kribbelt wohl kurz, wenn man bei diesem exklusiven «Clubhouse»-Ding dabei ist. Dieses Feeling verfliegt aber schnell. Die App wird viel mehr gehyped, als man dann wirklich kriegt. Ja, es ist ein spannendes Konzept mit diesen Chats und Podcasts. Aber eben, Podcasts gibt es schon und die Amis sind halt ein bisschen schärfer drauf als wir in Europa. Das Konzept der App ist halt auch voll USA-like. Beim Datenschutz überlasse ich das Fazit euch, das soll jeder für sich entscheiden. Also zusammenfassend: Hey, geil, ich bin auf «Clubhouse»! Habs jetzt mal abgecheckt und werde es wohl in ein paar Tagen wieder löschen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 20. Januar 2021 09:58
aktualisiert: 20. Januar 2021 09:58