Kommentar

Kinos in der Krise: Aber (noch) keine Zeit zu sterben

René Rödiger, 9. Oktober 2020, 09:02 Uhr
James Bond (Daniel Craig) und Paloma (Ana de Armas) müssen sich noch ein bisschen gedulden.
© Imago
Der neue James-Bond-Film wird erneut verschoben und das Studio Warner Bros hat gleich mal den ganzen Release-Plan für die kommenden zwei Jahre angepasst. Wird das Kino Opfer der Coronakrise? Ein Kommentar.

Die Floskel «Coming soon» gibt es so im Kinogeschäft nicht mehr. Zumindest wenn man sich die letzten paar Monate anschaut.

Bereits zum vierten Mal wurde der neue James-Bond-Film «No Time to Die» («Keine Zeit zu sterben») verschoben. Wie «Variety» jetzt berichtet, hat auch Warner Bros den ganzen Spielplan für die nächsten zwei Jahre umgestellt. «Dune», der eigentlich diesen Dezember in die Kinos kommen sollte, wird erst im Oktober 2021 zu sehen sein, «The Batman» mit Robert Pattinson kommt erst im März 2022, «Matrix 4» dafür schon im Dezember 2021.

Zehntausende ohne Job

Es sind chaotische Zustände. Und für die Kinobetreiber auch entsprechend unsichere Zeiten. Die grossen Ketten brauchen solche Blockbuster, um überleben zu können. So hat zum Beispiel die weltweit zweitgrösste Kinokette Cineworld angekündigt, alle Kinos in den USA und in Grossbritannien vorübergehend zu schliessen, rund 45'000 Mitarbeiter verlieren ihren Job.

Bedeutet das das Ende des Kinos? Kaum. Die Blockbuster mögen für die grossen Ketten die wichtigsten Einnahmequellen sein, doch vielleicht ist endlich die Zeit gekommen, dass auch Independent-Filme mehr Aufmerksamkeit des Publikums erhalten.

Filme vermehrt in der Originalversion

Einen zumindest interessanten Weg geht die Kinokette Pathé Schweiz mit ihrer Ankündigung, bis 2021 zu testen, ob Filme in der Originalsprache ein Publikum finden. Zumindest teilweise mag dieser Test aus der Not geboren sein, schliesslich arbeiteten im Lockdown auch die meisten Synchronstudios nur eingeschränkt.

Dass dieses Experiment nebst der möglichen Renaissance des Independent-Films dem Kino neue Impulse gibt, ist zumindest zu hoffen. Denn die Unsitte der Synchronisation gehört endlich abgeschafft, ein Film sollte so konsumiert werden, wie es der Regisseur im Sinne hatte, nicht in einer meist minderwertigen Version, bei der alle Nuancen der Sprache verloren gegangen sind und damit auch eine komplette Ebene des Erlebnisses.

Die Coronakrise könnte damit eine befreiende Wirkung für das Kino bedeuten. Wir hoffen es zumindest, gehen in der Zwischenzeit endlich mal wieder in das kleine Programmkino und lassen uns von einem nicht bis zur Erschöpfung gehypten Film überraschen.

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 9. Oktober 2020 08:17
aktualisiert: 9. Oktober 2020 09:02