Mit Stars und Popcorn

In zwei Wochen startet das Zurich Film Festival

10. September 2020, 16:08 Uhr
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Quelle: Keystone-SDA

Als erstes Filmfestival während der Pandemie in «nicht abgespeckter Form»: So sieht Christian Jungen, Neo-Direktor des Zurich Film Festival, die 16. Ausgabe. Wie das geht, sollte auch die vorgängige Medienkonferenz am Donnerstagmorgen zeigen.

Es war die vielleicht bestbesuchte Pressekonferenz seit Ausbruch der Pandemie, mal abgesehen von den Corona-Briefings im Bundeshaus. Und das komplett physisch, versteht sich, ganz ohne Videostream. In einem schmucken Saal des Zürcher Nobelhotels «Baur au Lac» standen die Stühle heute Vormittag in strikten Abständen von 1,5 Metern. Für die angereisten Journalistinnen und Journalisten herrschte Maskenpflicht. Am 24. September beginnt das Zurich Film Festival, kurz ZFF. Direktor Christian Jungen präsentierte das Programm und die spezielle Ausgabe unter Corona-Vorzeichen.

Das Maskenobligatorium ist die augenfälligste Massnahme, mit der die Verantwortlichen um ZFF-Direktor Jungen einen Covid-19-Ausbruch am Festival verhindern wollen. Und die Pflicht gilt selbst während der Filmvorstellungen.

Damit geht Zürich im Gleichschritt mit dem Venedig Film Festival, das dieser Tage zu Ende geht und an dem ebenso Maskenpflicht herrschte. Und in der Schweiz mit dem Animationsfilmfestival «Fantoche» in Baden vor einer Woche, das in letzter Minute eine Maskenpflicht einführen musste.

Kaum Ticketverkaufskassen

Trotz der Masken bleiben die Kinosäle während der Vorführungen etlicher Premieren unterbesetzt. Die Säle werden zu maximal 60 Prozent ausgelastet sein, betonte die für das Schutzkonzept verantwortliche ZFF-Co-Leiterin Elke Mayer an der Seite von Direktor Christian Jungen. Ticket-Verkaufsstationen werden auf ein Minimum reduziert, die Besucherinnen und Besucher angehalten, sich die Tickets online zu besorgen.

Für ein Ticket ist die Angabe des Kontakts obligatorisch, das Contact-Tracing wird so garantiert. Zwischen Besuchergruppen bleibt analog dem Schutzkonzept der Schweizer Kinobranche jeweils ein Sitz leer.

Schon im Lockdown waren die ZFF-Verantwortlichen voller Hoffnung. «Immer wieder wurde ich gefragt, weshalb wir das durchboxen», sagte Jungen heute Vormittag. Ihm sei mehrfach geraten worden, das ZFF angesichts der verschobenen Filmstarts, verbotenen Anlässe und unsicheren Situation abzublasen. Doch Jungen, der die Festivalleitung letztes Jahr vom langjährigen Leitungsduo Nadja Schildknecht und Karl Spoerri übernommen hat, ging seinen Weg.

Den Rücken stärkte ihm der ehemalige Anti-Corona-Chefbeamte, Daniel Koch. Bereits im Sommer sagte Jungen gegenüber CH Media: «Das ZFF kann stattfinden, versicherte mir Mr. Corona Daniel Koch persönlich.»

Jungen weiter: «Nun sind wir das erste Festival der Welt mit vollem Programm. Wir zeigen 165 Filme auf der Leinwand, vor Zuschauern, nicht im Netz. Das sind nur 6 weniger als letztes Jahr.»

Unklarheiten beim Schaulaufen der Stars

Nicht einmal auf das Schaulaufen der Stars wollen Jungen und das ZFF verzichten. Das sollte die Medienorientierung heute Vormittag gleich exemplarisch aufzeigen: Als Überraschungsgast reiste die deutsche Schauspielerin Iris Berben extra nach Zürich. Anlässlich ihres vorverschobenen Besuchs nahm sie auch das vom Festival verliehene «Goldene Auge» entgegen.

Warum sie das nicht während des Festivals tun kann, hat direkt mit Corona zu tun: Wegen der Pandemie mussten die Dreharbeiten für ihren neuen Film «Triangle of Sadness» in Griechenland verschoben werden. Und die neuen Termine kollidierten mit dem Filmfestival in Zürich. Wäre Iris Berben nach der Preisverleihung in den Flieger nach Griechenland gestiegen, hätte sie dort erst einmal zwölf Tage in Quarantäne gehen müssen, wie sie sagte. «Keine Filmproduktion will sich 12 Tage Quarantäne eines ihrer Schauspieler leisten», so Christian Jungen.

Berben nannte sich selbst «Corona-Spiesserin». Sie nehme die Massnahmen und die Gefahr durch das Virus sehr ernst, so die 70-Jährige. Nur für ihre Dankesrede nahm sie kurz die Schutzmaske aus dem Gesicht. Die Anweisungen zum Schutz vor dem Virus zu befolgen sei ein Akt der Solidarität. Umgekehrt erwarte sie aber, dass Gesellschaft und Politik sich solidarisch zeigten mit der Kultur.

Im Kino etwa schaffe ein Film Nähe zwischen sich Fremden, die aber kollektiv einen Film anschauten.

Trotz Corona sagten laut Jungen einige Stars ihre Besuche zu: So wollen Johnny Depp, Til Schweiger und Juliette Binoche nach Zürich reisen. Letztere beide erhalten am ZFF wie Berben einen Award. Daneben präsentiert Moritz Bleibtreu sein Regiedebüt. Fans, die den «Grünen Teppich» herbeisehnen, müssen sich vorgängig für einen Platz registrieren. Das Los entscheidet, wer dabei sein darf.

Bleibt nur noch die wichtigste aller Kinofragen, die Popcorn-Frage: Sind solche Snacks erlaubt während der Filmvorführungen? Co-Leiterin Mayer bejahte. «Man darf sich die Maske kurz aus dem Gesicht schieben, die Popcorns geniessen, und die Maske wieder richtig platzieren», sagte sie.

Quelle: CH Media
veröffentlicht: 10. September 2020 14:29
aktualisiert: 10. September 2020 16:08