Klassische Musik

Lucerne Festival setzt bei Sommer-Festival auf Diversität

7. August 2022, 13:27 Uhr
Komponierenden People of Color und Frauen Gehör verschaffen, dies will Lucerne Festival in diesem Sommer. Unter dem Motto «Diversity» zeigt der Grossanlass, was der klassische Musikbetrieb neben den dominierenden hellhäutigen Menschen und Männern zu bieten hat.
Klassische Musik soll das Publikum anlässlich des Lucerne Festivals wieder ins KKL locken.
© Lucerne Festival/Priska Ketterer

Zum ersten Mal seit 2019 findet das Lucerne Festival diesen Sommer wieder ohne Einschränkungen, mit der maximalen Anzahl von Konzerten sowie grossen Orchesterbesetzungen statt. Das Sommer-Festival steht dabei im Zeichen der «Diversity».

Ein Anlass wie Lucerne Festival solle sich auch sozial- und kulturpolitisch engagieren, begründet Intendant Michael Haefliger im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA die Wahl des Festivalthemas. Er solle, ohne anzuklagen, auf Probleme hinweisen.

Neuland betritt Lucerne Festival mit «Diversity» nicht. Es hatte 2016 mit dem Thema «Primadonna» eine Bresche für die bislang kaum wahrgenommenen Dirigentinnen geschlagen. Ein Jahr später griff es unter dem Motto «Identity» das Thema Migration musikalisch auf.

Vom 8. August bis 11. September stehen daher People of Color im Scheinwerferlicht. Diese seien im klassischen Musikbetrieb bislang nicht genügend berücksichtigt worden, sagt Haefliger.

Mehr Entspanntheit

Auch die Musik soll davon profitieren, dass Menschen einbezogen werden, die mit einer anderen Lebenserfahrung kommen als die des traditionellen Musikmilieus. Haefliger spricht von einer anderen Art des Musizierens, von mehr Entspanntheit sowie weniger Drill und Autorität. «Dies fördert auch die Weiterentwicklung der klassischen Musik», sagt er.

Für dieses Neue in der klassischen Musik steht etwa Chi-chi Nwanoku. Die britische Kontrabassistin mit nigerianischen Wurzeln wunderte sich, dass sie stets die einzige Schwarze auf der Konzertbühne war. Sie gründete als Gegenmassnahme ein Jugend- und Erwachsenenorchester mit Musikerinnen und Musikern aus ethnischen Minderheiten, das Chineke! Junior Orchestra und das Chineke! Orchestra. Das Jugendorchester spielt am 9. August zu Beginn des Festivals.

Offen für Einflüsse von aussen

Insgesamt stehen auf dem Festivalprogramm Werke von 16 schwarzen Komponistinnen und Komponisten. Zu diesen gehört auch der amerikanische Komponist, Dirigent und Multi-Instrumentalist Tyshawn Sorey, der vom Jazz zur neuen klassischen Musik gefunden hat und am Festival als «Artiste étoile» einen wichtigen Part einnimmt. Er steht für die stilistische «Diversity» einer jüngeren Generation.

Zweite «Artiste étoile» ist die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz. Sie tritt am 25. August in der halbszenischen Aufführung von «Porgy and Bess» auf. Die 1935 uraufgeführte «American Folk Opera» von George Gershwin ist das erste Musikdrama, das unter Schwarzen spielt und zeigt, wie klassische Musik sich von anderen Milieus inspirieren lässt.

Im Zeichen der «Diversity» stehen auch Frauen verstärkt im Fokus. Gespielt wird am Sommerfestival die Musik von 24 Komponistinnen, immerhin sieben Frauen dirigieren.

(red./sda)

Quelle: sda
veröffentlicht: 7. August 2022 13:26
aktualisiert: 7. August 2022 13:27
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