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Sexualisierte Gewalt: Das Buch der etwas anderen Perspektive

«Nein heisst Nein»

Sexualisierte Gewalt: Das Buch der etwas anderen Perspektive

· Online seit 12.03.2023, 07:31 Uhr
Im Jahr 2018 verpflichtet sich die Schweiz, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen. Trotzdem gibt es heutzutage immer noch viele Vorfälle. Nun haben sich zwei Journalistinnen ans Werk gemacht, das Thema auf andere Weise in die Öffentlichkeit zu tragen. Mit einem Buch.
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Sei es beim Feiern, spät abends auf dem Nachhauseweg, wenn es schon dunkel ist, oder sogar in den eigenen vier Wänden. Noch heute werden unzählige Frauen tagtäglich sexuell belästigt. Gemäss dem Buch ist jede fünfte Frau in der Schweiz von sexualisierter Gewalt betroffen. Wobei nur acht Prozent der Fälle zur Anzeige gebracht werden. Warum es noch so viele Vorfälle von sexualisierter Gewalt gibt und wo die Lücken im System bestehen, haben sich zwei Journalistinnen genauer angeschaut.

Worum geht es?

Das Buch «Hast du Nein gesagt?» von Miriam Suter und Natalia Widla ist seit Kurzem in den Buchläden erhältlich. Die zwei Journalistinnen erklären anhand von drei Geschichten, welche Rolle die Polizei, die Justiz und die Beratungsstelle bei sexualisierter Gewalt spielen. Dabei zeigen sie Fehler auf, die die Behörden gemacht haben und was von sexueller Gewalt betroffene Frauen erleiden mussten.

Die Autorin im Interview:

PilatusToday: Wieso haben Sie sich als Journalistinnen dazu entschieden, ein Buch zum Thema sexuelle Gewalt zu schreiben?

Natalia Widla: Die im Buch angesprochenen Themen haben uns beide über Jahre hinweg in unserer Arbeit begleitet und dabei wurde auch deutlich, dass einzelne Artikel der Thematik nicht gerecht werden. Ein Buch erlaubte es uns, uns vertieft und über längere Zeit hinweg mit der Materie zu beschäftigen.

Wieso ist das Thema jetzt aktuell?

Miriam Suter und ich sind der Ansicht, dass dieses Thema eigentlich „immer“ aktuell ist. Im Moment werden aber Diskussionen zur Revision des Sexualstrafrechts in der Schweiz geführt und Istanbul-Konvention hierzulande ist auch sehr schwerfällig. Darum glauben wir mit diesem Buch einen weiteren Baustein zur wichtigen Diskussion, um sexualisierte Gewalt zu leisten.

Was wollen Sie mit diesem Buch erreichen?

Uns beide hat die Diskrepanz zwischen Anzahl Sexualdelikten und Anzahl Anzeigen beziehungsweise Verurteilungen immer sehr interessiert. Wir versuchen mit diesem Buch einige Aspekte aufzuzeigen, welche dafür verantwortlich sein können, dass mehr oder weniger Frauen ihre Erlebnisse mit sexualisierter Gewalt vor Gericht bringen.

Wieso haben Sie sich im Buch dazu entschieden, sich vor allem auf unser System (Polizei, Justiz und die Beratungsstelle) zu konzentriert?

Polizei, Justiz und Beratungsstellen sind die drei ersten „Anlaufstellen“ für Betroffene von sexualisierter Gewalt und ebenfalls die drei Schaltstellen, an denen sich entscheidet, ob eine Betroffene eine Anzeige einreicht, durchzieht und ob es auch zu einer Verurteilung kommt.

Was kritisieren Sie in ihrem Buch konkret an der Polizei?

Wir kritisieren zum einen, dass die Polizeikorps entsprechend dem Schweizer Föderalismus sehr fragmentiert agieren, manche haben ausgebildete Fachexpertinnen, andere nicht. Zum anderen war es für uns sehr schwer an Informationen, etwa zu Lehrstoffen oder Repetitionsmaterial zu kommen, alleinig die beiden Polizeischulen Hitzkirch und Ostschweiz zeigten sich offen und luden uns zum Gespräch von den offiziellen Stellen, etwa der kantonalen Konferenz der Polizeidirektoren, erhielten wir- wenn überhaupt- nur sehr knappe und wenig aufschlussreiche Antworten.

Gibt es eine Passage, die Ihnen wichtig ist?

Alle Passagen, in denen Überlebende sexualisierter Gewalt oder Experten- und Expertinnen Mut fassen und positiv in die Zukunft blicken, geben mir als Autorin aber auch als Lesende etwas zurück.

(pch)

veröffentlicht: 12. März 2023 07:31
aktualisiert: 12. März 2023 07:31
Quelle: PilatusToday

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