125 Jahre Jubiläum

Und es lebt immer noch: das Kino

Chantal Herger, 28. Dezember 2020, 13:00 Uhr
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Quelle: Pilatus Today / YouTube

Stell dir vor, du sitzt in einem abgedunkelten Raum. Vor dir auf einer Leinwand flimmern nacheinander schwarz-weiss Bilder auf. Kein Ton ausser untermalende Klavierklänge ist zu hören und nach einigen Minuten ist das Spektakel zu Ende. So sah das Kinoerlebnis vor 125 Jahren aus.

Die Geburtsstunde des Kinos wird auf den 28. Dezember 1895 datiert. Damals präsentierten die Brüder Louis und Auguste Lumière im Keller des Pariser Grand Café zehn Kurzfilme – «Arbeiter verlassen die Lumière-Werke» war einer davon . Öffentlich und mit ihrem eigens entwickelten «Cinématographe» – eine Filmkamera, Filmprojektor und Kopiermaschine in einem. Doch die erste Vorführung von bewegten Bildern war das nicht: Bereits vier Wochen zuvor, am 1. November, zeigte Max Skladanowsky im Berliner Wintergarten-Variéte «Lebende Photographien» als Schlussnummer des Varieté-Programms mittels seines Doppelprojektors «Bioskop». Sein Apparat konnte sich jedoch nicht durchsetzen.

Schaubuden waren die ersten Kinos

Angefangen hat die Geschichte des Kinos jedoch bereits früher. Auf Jahrmärkten gab es Schaubuden und Panoptiken, sogenannte Kuriositäten-, Wachsfigurenkabinette, aber auch Stereoskope, die dreidimensionale Fotos zeigten oder optische Täuschungen, die es zu bestaunen gab. Mit der Entwicklung des Cinématographen spielten Schaubuden-Besitzer immer mehr Filme zur Unterhaltung ihres Publikums. Schaubuden waren also die ersten Kinos. Später folgten Vorführungen in Gaststätten, Hotelsälen, Variétes und Zirkuszelten. Kleinere Ortschaften wurden durch Wanderkinos abgedeckt. Ab 1900 entstanden dann die ersten wirklichen Kinosäle und später wurden sogar ganze Kinopaläste gebaut.

Auf die Stummfilme folgten Ende der 1920er Jahre Tonfilme und bald waren die bewegten Bilder in den Kinos nicht mehr schwarz-weiss, sondern farbig. Waren die ersten Filme nur einige Minuten lang, wurde 1927 der erste abendfüllende Tonfilm in Spielfilmqualität uraufgeführt: «Der Jazzsänger» von Alan Crosland.

Streaming-Plattformen bieten Kino die Stirn

Das Kino erfreute sich fortan in der Bevölkerung einer grossen Beliebtheit und galt als abwechslungsreiche Freizeitbeschäftigung. Mit dem Aufkommen der Fernsehgeräte ab den 1950er Jahren geriet das Kino erstmals ins Straucheln. Die Besucherzahlen sanken. Doch das Kino konnte sich behaupten, bis jetzt. Nun droht den Kinos mit Zwangsschliessungen aufgrund der Corona-Pandemie und dem Erstarken der Streaming-Plattformen weiteres Ungemach. Ob das Kino auch dieses Mal dem vorausgesagten Tod von der Schippe springen kann?

Wir werden sehen. Zu hoffen wäre es.


Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 28. Dezember 2020 12:03
aktualisiert: 28. Dezember 2020 13:00