Junges Musiklabel in Kriens

«Wir wollen einen Weltstar rausbringen!»

Livia Barmettler, 3. April 2022, 13:46 Uhr
Joselo und Orlando verwirklichen sich einen Traum: Sie lancieren in Kriens ihr eigenes Musiklabel. Eine Reportage über zwei Männer, die träumen können, ohne sich dabei gänzlich zu verlieren.
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Quelle: PilatusToday/Andreas Wolf

Sound. Spanischer Songtext. Eine Mischung aus Reggae, Hip-Hop, Merengue und Elektro: Reggaeton. Das Gefühl von Sand auf der Haut, von Sonne im Gesicht, von lateinamerikanischer Lebensfreude im Herzen. Joselo und Orlando sitzen vor dem Screen. Mitsummen, Rhythmus klopfen, viben. Bald ist er fertig: Ihr eigener Song aus ihrem Musikstudio, produziert von ihrem Musiklabel «Don't play music».

Teilen denselben Traum

«Una cerveza?» «Sí, por favor.» Die beiden gebürtigen Dominikaner prosten sich zu. Kennengelernt haben sie sich über einen gemeinsamen Bekannten. «Wir haben rasch bemerkt, dass wir denselben Traum teilen», so Orlando. Ihr Know-How ergänzt sich perfekt: Orlando hat schon Musik produziert, Joselo hat sich hobbymässig schon als Musiker und Rapper versucht. «Wobei ich schon ein ziemlicher Möchtegern-Rapper war», meint er und lacht.

Rollentausch

Mittlerweile haben sie die Rollen getauscht. «Ich habe bemerkt, dass es mir mehr Freude macht, motivierte Menschen zu begleiten und aus ihnen das Beste rauszuholen, als selbst am Mikrofon zu stehen», so Joselo. Orlando wiederum macht jetzt Musik.

«Wenn wir ein Studio sein wollen, dann brauchen wir auch einen Musiker, um alles umzusetzen», sagt Orlando. Gerade in der Anfangsphase sei es schwierig, an solche zu kommen. «Also habe ich gedacht, warum nicht? Versuche ich mich selber als Musiker», meint er, während er im Takt des Songs mitwippt, dem er die Stimme verleiht.

Klein aber fein

Ihr Studio ist klein, aber fein. Ein Mischpult, mehrere Bildschirme, ein Keyboard, Lautsprecher, Schallabdichtungen, ein Vorhang, dahinter eine Aufnahmekabine und unzählige Animes, die die Wände zieren und mithören, wenn hier neue Musik entsteht. «Wir sind Fan von diesen japanischen Cartoons – na gut, vielleicht nicht ganz alle von uns», erzählt Joselo und grinst rüber zu Orlando, der nicht ganz so begeistert zu sein scheint.

Gut ein Jahr haben die beiden Geschäftspartner und zahlreiche Freunde mitangepackt, um in Kriens, im Untergeschoss einer Mehrzweckhalle und umzingelt von Werkstätten und Garagen, ihr eigenes kleines Paradies zu schaffen. Joselos Augen leuchten. Er sei extrem stolz, denn «es war verdammt intensiv. Wir haben das alles nebst unseren 100-Prozent-Pensen gemacht», so der gelernte Brandschutzmonteur. Er nimmt noch einen Schluck von seinem «Cerveza».

Auch wenn bereits 18.30 Uhr ist, das Feierabend-«Cerveza» ist es noch lange nicht. Die Arbeit im Studio geht jetzt erst richtig los: «Wir arbeiten tagsüber noch immer anderswo und kommen abends hier in unser Studio.» Sie arbeiten zwar mittlerweile mit drei externen Musikern zusammen, aber momentan können sie noch nicht von der Arbeit als Musiklabel leben.

Dream big...

Die beiden glauben aber fest daran, dass das bald anders sein wird. «Es ist zwar schwierig, aber auf jeden Fall machbar. Impossible is nothing – oder wie es eben heisst», so Joselo.

Einfach nur «davon zu leben» reicht den beiden nicht. «Wir wollen einen Weltstar rausbringen!», sagt Orlando. Kein Wimpernzucken, keinerlei Anzeichen für Zweifel.

Joselo legt noch eine Schippe drauf: «Ich will, dass Bad Bunny mal in die Schweiz kommt und zu sich sagt: Ich muss zu ‹Don’t play music› und mit diesen Jungs was aufnehmen, bevor ich wieder zurückreise.»

...and work hard

Sind das einfach zwei Männer, die physisch zwar in ihren Mitdreissigern angekommen sind, aber noch immer ihren Jugend-Hirngespinsten nachrennen? Dafür wirkt «Don't play music» zu durchdacht. «Wir wissen, dass es schwierig ist. Aber wenn es andere geschafft haben, weshalb sollen wir es dann nicht schaffen?» Sie hätten alles, was es dafür braucht und seien bereit, die Extrameile zu gehen, so Orlando.

Die Extrameile zu gehen, das sei eben genau das, was viele andere Labels hierzulande nicht tun. Sie schon. Nach diesen Schlussworten widmen sich die beiden wieder dem Song und ihrer Extrameile für heute Abend.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 3. April 2022 09:59
aktualisiert: 3. April 2022 13:46
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