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#pinkygate

Nach Shitstorm: Menstruationshandschuhe werden vom Markt genommen

20. April 2021, 11:16 Uhr
Der Shitstorm ist eskaliert: Nach ihrem Auftritt in der VOX-Sendung «Die Höhle der Löwen» wurden die Unternehmer auf der Strasse attackiert, beschimpft und bekamen sogar Morddrohungen. Daher haben sie sich entschlossen, mit den «Pinky Gloves» aufzuhören.
Die «Pinky Gloves» werden vom Markt genommen.
© Instagram/pinky_gloves

Es hat sich «ausgedümmelt». Der «Pinky Glove» verschwindet vom Markt. Dies teilen die Erfinder André Ritterswürden und Eugen Raimkulow sowie Investor Ralf Dümmel auf Instagram und auf ihrer Webseite mit.

Zur Erinnerung: In der deutschen Vox-Sendung «Die Höhle der Löwen» stellten André Ritterswürden und Eugen Raimkulow ihr Periodenprodukt vor: Einen pinken Plastikhandschuh, mit dem menstruierende Frauen den Tampon entfernen können. Durch einen Klebestreifen kann der Tampon im Handschuh eingepackt und später entsorgt werden.

Nach der Sendung wurde im Netz heftig über den «Pinky Glove» diskutiert. Einige wenige fanden die Erfindung gut, die grosse Mehrheit störte sich an dem Produkt. Es sei umweltschädigend und unnötig, vor allem da ein normaler Plastikhandschuh sehr viel günstiger sei. Sie würden ein Problem aus etwas machen, das gar kein Problem ist.

Einen bitteren Nachgeschmack hinterliess vor allem die Aussage, dass sich die beiden daran stören, wenn ein benutzter Tampon einfach in Klopapier eingewickelt und so weggeworfen wird. Die selbsternannten Frauenversteher finden Geruch und Anblick unangenehm. Ihre Erklärungen wirkten wie Mansplaining, also herablassende Erklärungen von Männern, die glauben, über etwas besser Bescheid zu wissen als eine Frau (wir berichteten ausführlich darüber).

Keine bösen Absichten

Anfänglich wurde im Netz über sie gelacht, sogar Ikea machte sich über sie lustig. Mittlerweile ist ein Shitstorm entstanden, der ausgeartet ist. André Ritterswürden und Eugen Raimkulow wurden von einer heftigen Welle an Hass, Mobbing und Gewaltandrohungen getroffen. Sogar Morddrohungen gab es. «Wir werden auf offener Strasse attackiert und beschimpft», erklären die beiden auf ihrer Webseite.

Mit einem Statement versuchten sie, die Wogen zu glätten und sich zu erklären. Auch das kam bei den Usern eher schlecht als recht an. Man warf ihnen vor, alles nur abgelesen zu haben und sich nicht auf die Kritik zu konzentrieren.

Jetzt ziehen sie die Reissleine. Der «Pinky Glove» wird vom Markt genommen. «Gemeinsam mit Ralf haben wir uns dazu entschieden, dass die Pinky Gloves vom Markt genommen werden und haben hierfür entsprechend alle notwendigen Massnahmen eingeleitet. Wir stellen sämtliche Einkaufs- und Vertriebsaktivitäten ein», heisst es auf der Webseite.

Es sei nie die Absicht gewesen, «jemanden zu diskreditieren oder einen natürlichen Prozess zu tabuisieren.» Sie gestehen sich ein, dass die Entwicklung und die Kommunikation nicht durchdacht waren. «Wir entschuldigen uns bei allen, deren Gefühle und Emotionen verletzt wurden. Wir können nachvollziehen, dass sehr viele darüber verärgert sind.»

Der Hass soll aufhören

Investor Ralf Dümmel verlangt in seinem Instagram-Post, dass der Hass, Mobbing und Gewaltandrohungen bis hin zu Morddrohungen gegenüber den Unternehmern und ihrer Familie aufhören. «Das verurteile ich zutiefst und es gibt KEINE Entschuldigung dafür. BITTE HÖRT AUF DAMIT!», schreibt er. Als Unternehmer, Investor und als Mensch findet er es wichtig, dass man auch Fehler machen und dafür kritisiert werden darf. Diese Welle an Hass geht für ihn aber klar zu weit.

In den sozialen Medien wird diese Entscheidung wohlwollend akzeptiert. Viele sind überrascht, wie sich einfache Kritik so hochschaukeln konnte. «Das Produkt vom Markt zu nehmen, ist leider das einzig richtige. Trotzdem tun mir die Gründer leid. Sie haben das nicht aus Boshaftigkeit entwickelt. Dass sie Kritik einstecken müssen, ist ok, aber Hass, Drohungen und ähnliches gehen einfach mal gar nicht», findet ein User.

(gch)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 20. April 2021 11:19
aktualisiert: 20. April 2021 11:16