Schlussbilanz

Was bleibt von 40 Tagen ohne Zucker?

Chantal Herger, 24. April 2021, 18:03 Uhr
Während 40 Tagen hiess es, keinen Zucker zu konsumieren.
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40 Tage auf Zucker zu verzichten, klingt erstmal hart. Doch im Nachhinein muss ich sagen: So schlimm war es gar nicht. Ich habe mich an das zuckerfreie Leben gewöhnt und dank der Challenge einige Erkenntnisse gewonnen.

Was ist bei mir also von der 40-Tage-zuckerfrei-Challenge hängen geblieben? Abgesehen von ein paar Kilos weniger und einem geringeren Bauchumfang vor allem das gesteigerte Bewusstsein für Lebensmittel. Ich habe mich zwar bereits vor der Challenge sehr gesund ernährt und viel mit frischen Lebensmitteln gekocht, doch es schlich sich trotzdem immer wieder ein zuckerhaltiges Produkt ein, von Bouillon oder anderen Gewürzmischungen, bis zu Crème fraîche mit Kräutern, Blätterteig oder anderen Fertigprodukten.

Während der zuckerfreien Zeit habe ich gelernt, wie wichtig bei Lebensmitteln der Blick auf die Zutatenliste ist. Das ist bei mir definitiv hängen geblieben. Auch jetzt, einige Wochen nach dem Ende der Challenge, prüfe ich die Produkte auf ihren Zuckergehalt und entscheide mich dann lieber für ein zuckerfreies Produkt: Beispielsweise Crème fraîche nature statt mit Kräutern (beinhaltet Zucker). Wir haben ja die Auswahl, wieso also nicht nutzen?!

Weniger Süsses einkaufen

Nach 40 Tagen habe ich mich dann nicht unbedingt am meisten auf Süsses gefreut, sondern auf ein kühles (alkoholfreies) Bier. Ich hatte zwar während der zuckerfreien Zeit einige Gelüste auf Schokolade oder Süsses, die ich dann mit Nüssen kompensiert habe, erstaunlich ist aber, dass jetzt, wo ich wieder Zucker konsumieren dürfte, das Bedürfnis nach Süssem selten vorhanden ist. Eher – und das ist etwas, was mir die Challenge vor Augen geführt hat – ist es so, dass ich Süsses konsumiere, weil es halt rumsteht.

Deshalb ist ein weiterer, nachhaltiger Effekt der Challenge, dass wir uns weniger Süsses kaufen wollen. Denn, wer nichts Süsses im Schrank hat, konsumiert es auch nicht und man greift eher zu einer Frucht oder Nüssen. Noch müssen wir unseren Weihnachts- und Osternschokoladenvorrat killen. Danach wollen wir aber nur noch wenig Süsses kaufen.

Auf Schokolade verzichten ist gleichzeitig einfach und schwierig

Aus der Zukunft nochmals der Blick zurück: Ausgangslage der Challenge war die Maturaarbeit von Anjali Theruvel. Die Nidwaldnerin begleitete die Gruppe von mehr als 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bei der Challenge und versorgte uns mit wissenswerten Informationen zum Thema Zucker. Zum Abschluss des Experiments hat sie einen Umfragebogen verschickt, den sie im Rahmen ihrer Maturaarbeit auswerten wird. Freundlicherweise hat sie mir erlaubt, in die Umfrage einzusehen und einige spannende Punkte daraus möchte ich festhalten:

Genuss, Belohnung und Stress: Das sind die beiden meistgenannten Punkte auf die Frage, wieso Süsses konsumiert wird. Ob der Konsum dieses Zuckers nötig ist, wird eindeutig mit 92,9 Prozent Nein-Stimmen beantwortet. Ein klares Ja mit 94 Prozent resultiert bei der Frage, ob der eigene Zuckerkonsum durch die Challenge bewusster wahrgenommen wurde. War der Verzicht auf Schokolade während den 40 Tagen am schwersten, ist es nach der Challenge am einfachsten, darauf zu verzichten, zeigt die Umfrage.

Welchen nachhaltigen Eindruck das zuckerfreie Experiment bei den Teilnehmer*innen hinterliess, zeigt die Frage: «Haben Sie vor, weiterhin Zucker im Alltag zu reduzieren oder sogar gar keinen mehr zu verwenden?» Von den 182 Befragten möchten 79,1 Prozent ihren Zuckerkonsum reduziert halten oder sogar versuchen weiterhin gar keinen industriellen Zucker zu sich zu nehmen (18,7 Prozent).

Ein weiterer schöner Nebeneffekt meiner Challenge waren die spannenden Gespräche, die ich mit Freunden und Arbeitskollegen führte. Immer wieder hörte ich die Aussage: «Ich bewundere dich, das würde ich nicht durchhalten.» Natürlich braucht es Disziplin und Durchhaltewillen, aber schon mit kleinen Schritten kann man den Zuckergehalt reduzieren. Vielleicht konnte ich die eine oder andere Person davon überzeugen, es einfach mal auszuprobieren. Scheitern ist erlaubt!

Übrigens: Den Kaffee trinke ich wieder mit ein bisschen Zucker drin.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 24. April 2021 18:03
aktualisiert: 24. April 2021 18:03