Feuerwerkdebatte

«Wer sich zum Klimaschutz bekennt, soll hier keine Ausnahme machen»

Irene Müller, 1. August 2020, 06:45 Uhr
Nicht alle Schweizerinnen und Schweizer freuen sich auf den Nationalfeiertag. Vor allem Tierbesitzer flüchten regelmässig ins Ausland, um dem traditionellen Geklöpfe und Gerauche des 1. Augusts zu entgehen. Bräuchte es nicht endlich ein Feuerwerksverbot? Eine Debatte für die Klimajungend.

«Ich verstehe den Reiz an Feuerwerken, bis vor ein paar Jahren hat mich das auch immer sehr fasziniert», gibt Kantonsrat Jonas Heeb von den jungen Grünen Luzern zu. Es gäbe aber genügend Alternativen und wenn man konsequent sein wolle, soll man diese auch nutzen. «Ich finde, es geht nicht, dass man sich für Klimaschutz bekennt und dann beim Feuerwerk eine Ausnahme macht».

Weniger eng sieht das der Präsident der Jungfreisinnigen Luzern Ramon Bisang. Man soll zwar Rücksicht auf die Nachbarn nehmen, ein Feuerwerksverbot fände er aber völlig übertrieben. «Das wäre mit Kanonen auf Spatzen geschossen», so der Jungpolitiker. «Wir leben in einer liberalen Gesellschaft und da sollten wir den Leuten diese Freude lassen.»

Nicht einmal der Grünpolitiker Jonas Heeb hat Interesse daran, eine Initiative für ein Feuerwerksverbot zu lancieren. «Das wäre stundenlange Arbeit für wenig Output», so Heeb. Er begrüsst zwar, dass es eine Debatte um das Feuerwerk gibt und man sich Gedanken über die negativen Auswirkungen für Tiere und Umwelt macht, allerdings seien diese im Vergleich zu grösseren Problemfeldern wie Gebäude, Verkehr und der Konsum sehr gering.

Signal- und Vorbildfunktion von Grossanlässen

Vor allem stört sich Heeb daran, dass trotz der immer wiederkehrenden Feuerwerk-Debatte vergleichsweise wenig passiert. «Im vergangenen Jahr, als die Klimadebatte noch etwas aktueller war, haben ein paar Städte bewusst auf ein Feuerwerk verzichtet. Das sendet natürlich ein anderes Signal aus, als wenn sie wie dieses Jahr sagen, sie würden gerne, können aber wegen Corona nicht.»

Auch Bisang würde persönlich moderne Alternativen wie Drohnenshows oder Höhenfeuer anstelle von Feuerwerk begrüssen. «Eine gewisse Konzentration von Feuerwerken auf öffentliche Plätze wäre sicher auch eine Möglichkeit, um auf sensible Leute Rücksicht zu nehmen.»

Feuerwerkverbot light?

Bisangs Parteikollegin Anne-Sophie Morand könnte sich eine Art Feuerwerksverbot light vorstellen, um möglichst friedvolles Nebeneinander an den Feiertagen zu ermöglichen. «Man könnte sich zuerst überlegen, welche Feuerwerkskörper überhaupt verkauft werden und besonders laute und umweltsünderische verbieten», so die Juristin aus Kriens.

Vor allem aber wünscht sie sich eine bessere Sensibilisierung, wie man ein Feuerwerk korrekt steigen lässt, ohne dass Mensch und Tier dabei zu Schaden kommen. «Erst wenn auch das nichts hilft, ist Ultima Ratio ein Verbot zu erlassen.»

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 1. August 2020 06:45
aktualisiert: 1. August 2020 06:45