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Weg vom Schmuddel-Porno

Ohne künstliches Stöhnen: HSG-Absolventin kreiert neue Sex-Plattform

Géraldine Bohne, 10. Mai 2021, 08:58 Uhr
Die ehemalige HSG-Studentin Denise Kratzenberg hat eine Webseite mit erotischen Videos, Hörspielen und Aufklärungsmaterial entwickelt. Mit der Plattform Cheex will sie den Pornokonsum enttabuisieren.
Gemäss Studien konsumieren 80 Prozent der Menschen Porno. (Symbolbild)
© Getty Images

«Porno tönt immer so schmuddelig», sagt Denise Kratzenberg. Die 34-jährige HSG-Absolventin aus Berlin hat sich die Sexualität zum Geschäft gemacht. Seit einem Jahr betreibt sie eine Sexual Wellness Plattform namens Cheex auf der Videos, Audio-Stories, Tutorials und Aufklärungstexte zu finden sind. «Wir wollen Sexualität zeigen, wie sie tatsächlich gelebt wird: Divers und einvernehmlich.»

Rund 200 Filme sind auf der Plattform mittlerweile zu finden, ohne Werbung oder Popups. «Ich wollte einen Safe Space», so Kratzenberg. Der grosse Unterschied zu anderen Pornoseiten: Die Filme sind authentisch. Es gibt kein künstliches Stöhnen, keine künstliche Umgebung und kaum operierte Frauenkörper. Hingegen werden Schamhaare, natürliche Körper und wahres Verlangen gezeigt. Ausserdem haben die Darsteller eine wahre Verbindung zueinander, da sie auch im echten Leben befreundet sind. «In den Filmen merkt man auch, dass beide Lust haben.»

Beim Mainstream-Porno fehlt die Realität

Ein Content Team begibt sich dafür gezielt auf die Suche nach Inhalten, wie der «Tages-Anzeiger» berichtete. Dabei wird vor allem auf die Authentizität geachtet. Kratzenberg macht schnell klar, dass aber nicht nur Softporno auf Cheex angeboten wird. «Wir haben verschiedene Kategorien, wie Amateur, Bondage oder BDSM.» Dabei gehe es aber nicht nur um Penetration und Orgasmen. «In unseren Filmen wird geredet und gelacht.» Das vermisst die 34-jährige Berlinerin beim Mainstream-Porno. «Es fehlt die Realität. Man sieht, dass es abproduziert werden musste.»

Cheex-Gründerin Denise Kratzenberg.

© zVg

Auch gerade deshalb ist die HSG-Absolventin auf die Geschäftsidee gekommen. «Ich hatte eigentlich nicht die Absicht, etwas zu gründen.» Jedoch sei ihr aufgefallen, wie gross und schmuddelig der Markt sei. «Ich habe mich gefragt: Warum muss Porno ein Tabuthema sein, obwohl ihn alle konsumieren?», so Kratzenberg. Laut Studien würden 80 Prozent der Menschen Porno schauen, dabei nur 35 Prozent aller Frauen. «Viele Frauen stören sich daran, dass sie sich immer schmuddelig und nicht abgeholt fühlen.» Oft werde auch heute noch der Content hauptsächlich für Männer produziert. «Früher war Porno einfach ein Männer-Thema.»

Aufklärungsmaterial und Tutorials zu Bondage

Die 34-Jährige wollte deshalb eine Seite kreieren, die man auch nach dem Konsum gerne offen behalten möchte, eine Seite auf der sich auch Frauen wohlfühlen. Auf Cheex gehe es deshalb nicht nur darum, Filme zu zeigen. Auch Tutorials, wie beispielsweise zu Bondage, oder Aufklärung über die Sexualität sind auf der Webseite zu finden. «Zum Zugang zu Pornografie gehört auch, sich über die eigene Sexualität aufzuklären.»

30'000 Personen seien bei Cheex bereits angemeldet und würden 10 Franken im Monat bezahlen. «Wir sind eine Community», so Kratzenberg. Gerade deshalb glaubt die Gründerin an den Erfolg der Plattform. Jeder sei willkommen. «Vor allem Frauen fühlen sich bei uns sehr wohl, weil der Sex authentisch ist.»

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 10. Mai 2021 05:39
aktualisiert: 10. Mai 2021 08:58