Wahlkampf USA

Biden entscheidet sich für Kamala Harris als Vize-Kandidatin

11. August 2020, 23:55 Uhr
ARCHIV - Die damaligen demokratischen Bewerber um die Präsidentschaftskandidatur, Joe Biden und Kamala Harris, sprechen im Juli 2019 während der zweiten TV-Debatte der Demokraten. Foto: Paul Sancya/AP/dpa
© Keystone/AP/Paul Sancya
Der designierte Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten, Joe Biden, zieht mit Kamala Harris als Vize in die Wahl gegen Amtsinhaber Donald Trump. Dies gab Biden am Dienstag auf Twitter bekannt.

Er habe sich für die 55 Jahre alte Senatorin aus Kalifornien als «Running Mate» entschieden, hiess es. Seine offizielle Nominierung als Kandidat der US-Demokraten steht noch aus. Dies soll bei einem Parteitag vom 17. bis 20. August geschehen. Wegen der Coronavirus-Pandemie findet das Treffen weitgehend digital statt.

Erstmals eine US-Vizepräsidentin?

Biden erklärte: «Ich habe die grosse Ehre, bekanntzugeben, dass ich Kamala Harris - eine furchtlose Kämpferin für die einfachen Menschen und eine der besten öffentlichen Bediensteten des Landes - als meinen Running Mate ausgewählt habe.» Der 77-Jährige hatte bereits Mitte März angekündigt, im Fall eines Wahlsiegs eine Frau zur Vizepräsidentin zu machen.

Infolge der landesweiten Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz Ende Mai in Minneapolis war der Druck auf Biden gewachsen, eine nicht-weisse Frau aus der Liste der potenziellen Kandidatinnen zu wählen. Harris galt als Favoritin.

Die 55-Jährige ist die zweite schwarze Amerikanerin in der Geschichte, die in den US-Senat gewählt wurde. Sie gehört zu den bekanntesten schwarzen Politikerinnen des Landes. Harris wollte im November eigentlich selbst gegen Trump antreten und hatte versprochen, das Land wieder zusammenbringen zu wollen. Zu Beginn galt sie als chancenreiche Kandidatin. Ihre Kampagne entpuppte sich am Ende aber als Enttäuschung.

US-Senatorin Harris bezeichnete ihre Verkündung als Vize des designierten demokratischen Präsidentschaftsbewerbers umgehend als «Ehre». Sie werde alles dafür tun, um Biden bei der Wahl im November zum Oberbefehlshaber zu machen, schrieb Harris auf Twitter. «Joe Biden kann das amerikanische Volk einen, weil er sein Leben damit verbracht hat, für uns zu kämpfen. Und als Präsident wird er ein Amerika aufbauen, das unseren Idealen gerecht wird.»

Stolz auf Partnerin

Ihre Beziehung zu Biden gilt als gut, auch wenn die beiden im Präsidentschaftsrennen einige Male aneinandergerieten. Als Generalstaatsanwältin habe sie eng mit Bidens Sohn Beau zusammengearbeitet, zusammen hätten sie es mit den grossen Banken aufgenommen, die arbeitende Bevölkerung unterstützt und Frauen und Kinder vor Missbrauch geschützt, erklärte Biden. «Ich war damals stolz und ich bin jetzt stolz, sie als meine Partnerin in dieser Kampagne zu haben.»

Der ehemalige US-Präsident Barack Obama hat die Entscheidung von Biden für Harris als Kandidatin der Demokraten ausdrücklich begrüsst. Die 55-Jährige sei «mehr als bereit für die Aufgabe», erklärte Obama am Mittwoch.

«Wenn du im Oval Office bist, die schwersten Probleme abwägst, und eine Entscheidung, die du triffst, die Leben und Existenzen eines ganzen Landes beeinflusst - da brauchst du jemanden bei dir, der das Urteilsvermögen und den Charakter hat, um die richtige Entscheidung zu treffen», betonte Obama. Sein ehemaliger Vize Biden habe die richtige Wahl getroffen: «Das ist ein guter Tag für unser Land. Jetzt lasst uns das Ding gewinnen.»

Führen in Umfragen

Bidens Entscheid war mit Spannung erwartet worden, weil sie sich nicht nur auf seine Wahlchancen auswirken dürfte, sondern auch entscheidend auf die Zukunft des Landes auswirken könnte. Bei Amtsantritt wäre Biden 78 Jahre alt. Es wird erwartet, dass er nur eine Amtszeit lang regieren würde, sollte er die Wahl am 3. November gewinnen. Als Vizepräsidentin könnte sich Harris an seiner Seite profilieren und den Weg dafür bereiten, sein Erbe anzutreten.

Biden liegt in Umfragen derzeit deutlich vor Trump. Wegen des komplizierten Wahlsystems sind diese Prognosen allerdings mit Vorsicht zu geniessen. Zudem kann in den USA in den verbleibenden Wochen bis zur Wahl erfahrungsgemäss viel passieren.

Die Coronavirus-Pandemie hat den Wahlkampf komplett auf den Kopf gestellt. Negativ wirkte sich das auf Bidens Kampagne bislang nicht aus. Trotz Trumps fast täglicher Auftritte blieb Biden seit der Zuspitzung der Krise zumeist zuhause in seinem Haus im Bundesstaat Delaware, ging zuletzt aber immer öfter in die Offensive. So stellte er einen Investitionsplan und seine Absichten im Kampf gegen den Klimawandel vor.

Quelle: sda
veröffentlicht: 11. August 2020 23:55
aktualisiert: 11. August 2020 23:55