Frankreich

Gesundheitsminister Véran stellt Sommer-Tourismus infrage

3. Mai 2020, 15:25 Uhr
Schnappschuss von der Côte d'Azur in Südfrankreich: Die Strandferien in Frankreich in diesem Sommer hängen an einem seidenen Faden. (Archivbild)
© KEYSTONE/STEFFEN SCHMIDT
In der Corona-Krise wird in der französischen Regierung bereits die Sommer-Feriensaison infrage gestellt. Gesundheitsminister Olivier Véran sagte der Zeitung «Le Parisien», er wisse nicht, ob die Strände wieder öffnen könnten.

Er würde sich persönlich auch kein Flugticket kaufen. Er antwortete auf die Frage, ob die Franzosen in die Sommerferien fahren könnten. Der Tourismus in ein wichtiger Wirtschaftsfaktor im Land; im Sommer kommen auch viele Ausländer in beliebte Ferienregionen wie die Bretagne, Korsika oder die Côte d'Azur.

Das stark von der Krise betroffene Land will den Ausnahmezustand im Gesundheitsbereich um zwei Monate bis zum 24. Juli verlängern. Ein Gesetzesentwurf dazu soll vom Montag an im Senat - das ist das Oberhaus des Parlaments - und dann in der Nationalversammlung beraten werden.

Frankreich will die strengen Ausgangsbeschränkungen vom 11. Mai an lockern. Allerdings soll das Tragen von Schutzmasken in öffentlichen Verkehrsmitteln zur Pflicht werden. Geschäfte sollen von diesem Termin an wieder öffnen können. Restaurants oder Cafés werden aber weiter geschlossen bleiben; auch Strände sind für Besucher und Sportler bis mindestens 1. Juni tabu.

Kein Risiko eingehen

Véran warnte in dem am Sonntag veröffentlichten Interview, dass der Termin 11. Mai wackeln könnte, falls die Pandemie bis dahin nicht ausreichend eingedämmt sei. «Wir gehen bei der Gesundheit der Franzosen kein Risiko ein.»

Véran hatte am Samstag eine zweiwöchige Quarantäne für nach Frankreich kommende Menschen angekündigt, die keine Covid-19-Symptome haben. Das werde häufig Franzosen betreffen, die aus dem Ausland heimkehrten. Infizierte Menschen, die aus dem Ausland kommen, sollten hingegen isoliert werden. Einzelheiten blieben offen, sie sollen in einer Verordnung geregelt werden.

Regierungssprecherin Sibeth Ndiaye antwortete auf die Frage zu möglichen Auswirkungen auf den Tourismus nur ausweichend: Falls Touristen kommen wollten, sei dies eine gute Nachricht. «Wir sind bloss verpflichtet, Massnahmen zu treffen.» Sie wies auf die epidemische Lage «in einer gewissen Zahl von Ländern» weltweit hin, aus denen Touristen kommen würden - welches diese Länder sind, sagte sie nicht.

Der Ausnahmezustand im Gesundheitsbereich war Ende März ausgerufen worden und war zunächst auf zwei Monate befristet. Die Pandemie forderte nach Angaben vom Samstag bisher über 24 700 Tote im Land.

Quelle: sda
veröffentlicht: 3. Mai 2020 15:25
aktualisiert: 3. Mai 2020 15:25