Fantasy aus dem Muotathal

«Tauche gerne in fremde Welten ab»: Schwyzerin behauptet sich als Roman-Autorin

Melissa Steuri, Vanessa Zemp, 29. Mai 2022, 14:00 Uhr
Vom magischen Schloss aus «Harry Potter» über schaurige Kreaturen aus «Herr der Ringe» bis hin zu erfundenen Königreichen bei «Game of Thrones»: Der Fantasie sind bekanntlich keine Grenzen gesetzt. Und genau dieses Genre fasziniert eine junge Autorin aus dem Muotathal. Andrea Ego hat uns in ihre verzauberte Welt eintauchen lassen.
Die Schwyzer Autorin Andrea Ego mit ihrem neusten Buch.
© PilatusToday

«Schmiedefeuer», «Die Braut des Feenprinzen», «Drachentanz» oder «Im Bann der Feuerfrau» – so fantasievoll ihre Buchtitel klingen, so magisch sind auch ihre Geschichten. Das Genre «Fantasy» hat die 35-jährige Autorin schon immer fasziniert. «Ich tauche unglaublich gerne in fremde Welten ab. Ausserdem kann man sehr viele gesellschaftskritische Themen in Fantasy-Romane verpacken, ohne, dass sich jemand angegriffen fühlt», erklärt Andrea Ego ihre Leidenschaft.

Andrea Ego hatte schon immer eine Leidenschaft für Fantasy.

© PilatusToday

Bereits als Kind flogen Andrea Ego die Geschichten nur so zu: «Ich spielte sehr gerne mit Barbies – das war wohl das einzig mädchenhafte, dass ich getan habe. Allerdings habe ich die Puppen nicht gebürstet oder schön angezogen, sondern mit ihnen meine Geschichten erfunden», schwelgt Ego mit einem Lächeln im Gesicht in der Vergangenheit.

Ihre fantasievolle Art verlor die Autorin nie – so kommt sie noch heute auf ihre Geschichten. Sie stelle sich immer wieder die Frage: «Was wäre, wenn ...? Einmal war ich in den Bergen mit einem halben Meter Schnee und fragte mich: Was wäre, wenn aus der dicken Schneedecke auf magische Weise Blumen blühen würden? So entstand die Idee für ein Buch», erzählt Ego. Neben Geistesblitzen kommen der Schwyzerin die Ideen teils auch in der Nacht: «In letzter Zeit hatte ich immer wieder komische Träume, die sich für ein Buch eignen würden.» Weniger Einfluss habe ihre Familie. Zwar würden Sprüche ihrer Kinder auch Platz in ihren Büchern erhalten. Aber grundsätzlich kämen die Ideen von ihr selbst.

Kurzgeschichten-Workshop als Starthilfe

Geschrieben hat Andrea Ego schon als Jugendliche. Aber erst im Gymnasium wurde ihr klar, dass sie ein Talent dafür hat. «Ich besuchte einen Kurzgeschichten-Workshop. Die Geschichte, die ich dort schrieb, durfte ich danach vor vier Klassen vorlesen. Da kam eine Mitschülerin zu mir und meinte, wenn meine Geschichte ein Buch wäre, würde sie es lesen. Da dachte ich mir, wie cool es doch wäre, Bücher zu schreiben und damit Geld zu verdienen.» Andrea Ego wollte aber erst etwas «Richtiges» lernen, daraufhin verflog der Traum wieder. Vor einigen Jahren packte sie die Leidenschaft erneut – so brachte die 35-Jährige im Jahr 2017 mit «Im Bann des Gedankenlesers» ihr erstes Buch auf den Markt. Im April 2022 erschien nun schon ihr 15. Buch: «Im Bann der Feuerfrau».

Im Bann des Gedankenlesers war Andrea Egos erstes Buch.

© PilatusToday

Mit einem Vollzeitjob und drei Kindern scheint es eine grosse Herausforderung zu sein, überhaupt Zeit zum Schreiben zu finden. Andrea Ego nimmt es locker. «Ich schreibe, wenn die Kinder im Bett sind – bis zu zwei Stunden im Durchschnitt. Mich reizen TV-Serien und all das weniger. Ich verbringe meine Freizeit lieber in meiner eigenen Welt.» Während andere also Sport treiben oder malen, findet man Andrea Ego vertieft in ihr Schreiben und ihre Geschichten. Es sei eine Leidenschaft und eben ein Hobby. Denn davon leben kann die 35-Jährige nicht.

Bei der Frage lacht Andrea Ego. «Wir können nicht davon leben. Wir würden mehr als nur am Hungertuch nagen.» In der Schweiz sei es nicht einfach, Bücher zu verkaufen. «Im deutschsprachigen Raum gibt es schätzungsweise 100 Neuerscheinungen pro Tag. Da ist es schwierig, überhaupt gesehen zu werden», erklärt die Autorin. Daher verkauft Ego ihre Romane auch in Deutschland. Dort verdiene sie aber deutlich weniger, da die Deutschen nicht den Schweizer Preis für ein Buch bezahlen wollen. Ihr Ziel ist es, immerhin kostendeckend schreiben zu können.

Leserinnen und Leser sollen eine gute Zeit haben

Zurück zum Genre Fantasy. Aus dieser Sparte gibt es zahlreiche grosse Klassiker: «Harry Potter», «Herr der Ringe», «Game of Thrones», «City of Bones – Chroniken der Unterwelt» sind nur einige wenige Beispiele. Trotzdem ist es nicht jedermanns Sache. Das hat auch bereits Andrea Ego zu spüren bekommen. «Mir wurde schon von anderen Autorinnen gesagt, dass ich doch etwas Richtiges schreiben soll, etwas mehr Gesellschaftskritisches. Da habe ich geantwortet, dass ich das schreibe, was mir und meinen Leserinnen und Lesern gefällt.» Und das tun offenbar ihre Bücher. Denn die Rückmeldungen seien meist positiv.

Mit ihren Büchern will Andrea Ego ein gutes Gefühl vermitteln. 

© PilatusToday

«Meine Lesenden sollen eine gute Zeit erleben. Sie sollen sich in der Geschichte verlieren können, sich in die Figuren und Orte verlieben», so die Schwyzerin. Und doch vermitteln die Geschichten der 35-Jährigen eine Botschaft: «Man darf nicht aufgeben und man soll an sich glauben.»

Dieses Motto hat sich Andrea Ego wohl auch selber verpasst. Denn trotz Job, Kinder und wenig Verdienst, liebt sie es, zu schreiben und Geschichten erzählen zu können. Fans ihrer Fantasy-Romane können sich also auf weitere Bücher von Andrea Ego aus dem Muothatal freuen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 29. Mai 2022 14:00
aktualisiert: 29. Mai 2022 14:00
Anzeige