Ju-Air-Absturz

Piloten flogen regelmässig zu tief und zu riskant

30. August 2020, 08:30 Uhr
Ein Experte untersucht Teile des abgestürzten Flugzeugs.
© Keystone
Wie der «Tages-Anzeiger» berichtet, kommt die Schweizerische Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) in ihrem Schlussbericht zum Ju-Air-Absturz vom August vor zwei Jahren bei Flims zum Schluss, dass die Piloten «leichtsinnig Regelbrüche» begingen und «risikoreiches Verhalten» an den Tag legten.

Am 4. August 2018 kam es zum Drama: Eine Ju-52 der Ju Air stürzte auf dem Weg von Locarno nach Dübendorf beim Piz Segnas ab, die 18 Passagiere und die beiden Captains starben beim Unglück.

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Quelle: sda-Video

Jetzt liegt der unveröffentlichte Schlussbericht der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle (Sust) dem «Tages-Anzeiger» vor. Darin heisst es, dass menschliches Fehlverhalten der Grund für das Unglück war. Die Maschine sei «hochriskant geflogen» worden. Brisant daran: Die Piloten seien schon früher durch ihre Risikobereitschaft aufgefallen.

Piloten hielten sich für «unverwundbar»

Die beiden Piloten haben in ihren 28 gemeinsamen Flügen vor dem Unglück laut Sust mehrmals die vorgeschriebene Mindesthöhe nicht eingehalten, sie hätten sich «unverwundbar» gehalten. Der Pilot, der am Unglückstag flog, sei ein Mann mit «vermindertem Risikobewusstsein», «fehlender Selbstkritik» und eine extrovertierte Persönlichkeit.

Bereits als Militärangehöriger in der Fliegertruppe 1981 sei der Pilot in die Kollision eines Tiger-Kampfjets und einer Mirage involviert gewesen, damals konnten sich die beiden Piloten nur noch mit dem Schleudersitz retten. Die Mirage knallte in ein Wohnhaus und tötete eine Frau.

Bazl schaute zu

Laut «Tagesanzeiger» gebe es mehrere dokumentierte Fälle, bei denen dieser Pilot mit der Ju-52 viel zu tief flog, das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) habe jedoch keinen Anlass für eine Verwarnung oder gar einem Berufsverbot gesehen.

Die Ju-Air, das Bazl und die Sust wollten sich zum Schlussbericht noch nicht äussern. Martin Stucki, CEO der Firma Linth-Air-Service, sagt zu den Vorwürfen: «Die Ju-Air hatte Narrenfreiheit. Die anderen Schweizer Luftfahrtbetriebe werden vom Bazl viel schärfer kontrolliert und können diese Eskapaden des Amts jetzt ausbaden.» Der Absturz sei vermeidbar gewesen.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 30. August 2020 08:23
aktualisiert: 30. August 2020 08:30