Archäologie

Bronzezeitliche Lieferdienst brachte Bergleuten Porridge-Basis

24. März 2021, 20:05 Uhr
In der Bronzezeit gab es offenbar Lieferdienste, die fertig gerüstete Gerstenkörner an Bergarbeiter lieferten - sozusagen Instant-Porridge, möglicherweise sogar vorgekocht. Das legen neue Funde in Niederösterreich nahe (Symbolbild).
© Keystone/GAETAN BALLY
Schon in der Bronzezeit gab es Lieferdienste, die Bergleute mit Convenience Food - vorverarbeiteten Lebensmitteln - versorgten. Österreichische Archäologen und Archäobotaniker berichten im Fachjournal «Plos One» davon.

Ein Essenslieferdienst brachte offenbar den Kumpels in einer bronzezeitlichen Kupfermine unter anderem gereinigtes Getreide. Das beweisen verkohlte Krusten von Speisen, aus der Kupfermine von Prigglitz-Gasteil bei Gloggnitz in Niederösterreich.

Bereits in prähistorischen Bergbaustätten waren spezialisierte Handwerker und Bergleute tätig, die ihre Nahrung nicht selbst produzierten, sondern auf die Versorgung durch Lieferanten angewiesen waren.

So war etwa Hallstatt ein Grossbetrieb, wo nicht nur Salz abgebaut, sondern dieses auch gleich zum Pökeln von Schweinefleisch genutzt wurde. Die Tiere für diese Fleischindustrie wurden von Züchtern im Alpenvorland entlang der Donau oder aus dem Judenburger und Klagenfurter Becken nach Hallstatt getrieben, wie Forscher vor einiger Zeit anhand von DNA-Analysen herausfanden.

Beweis: Koch-, aber keine Rüstgeräte

Unter den gefundenen Überresten in Prigglitz-Gasteil fanden die Wissenschaftler überwiegend küchenfertig gerüstetes Getreide, vor allem Rispenhirse und Kolbenhirse, aber auch Gerste und Emmer, eine Weizensorte. Neben den Getreidekörnern selbst konnten sie in den Krusten aber auch Reste von daraus hergestellten Speisen identifizieren. Beides deutet darauf hin, dass aus Hirse und Gerste Brei gekocht wurde.

Nachdem die Archäologen bei den Grabungen Kochgeschirr gefunden haben, aber keine Geräte zur Verarbeitung von Getreide wie Reibsteine, deutet für sie alles auf die Anlieferung von gerüstetem Getreide hin. «Vielleicht wurden einige Gerichte auch bereits vorgekocht zu den Bergleuten gebracht», vermuten die Archäobotaniker.

Die Wissenschaftler wollen in weiterführenden Untersuchungen die Ernährungsgewohnheiten der bronzezeitlichen Bergleute noch detaillierter untersuchen. So wurden bisher Hirse und Gerste nicht im jeweils selben Lebensmittelrest nachgewiesen. Dies könnte daher auf zwei verschiedene Gerichte hindeuten.

*Fachartikellink https://doi.org/10.1371/journal.pone.0248287

Quelle: sda
veröffentlicht: 24. März 2021 20:05
aktualisiert: 24. März 2021 20:05