Corona-Massnahmen

Das haben die Lockdowns in unseren Nachbarländern gebracht

Muhammed Keskin, 22. Januar 2021, 18:45 Uhr
Wie gehen unsere Nachbarländer mit der zweiten Corona-Welle um? Eine Übersicht.
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Die Corona-Massnahmen der Schweiz werden von den ausländischen Regierungen als relativ «mild» eingestuft. Unsere Nachbarländer haben zum Teil härtere Lockdowns verabschiedet. Doch was haben diese Verschärfungen gebracht? Ein Vergleich.

Deutschland

Die Corona-Fallzahlen in Deutschland.

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Diese Massnahmen gelten

In Deutschland sind viele Geschäfte, Schulen und auch Kitas geschlossen. Auch die Kultur- und Freizeiteinrichtungen sind zu. Es gelten Veranstaltungsverbote und strenge Beschränkungen für private Treffen. Seit dem 19. Januar gibt es auch eine Homeoffice-Pflicht, wo es möglich ist. Stoffmasken im ÖV sind untersagt, nur medizinische Masken sind erlaubt. Man darf sich zudem privat nur noch mit einer Person aus einem anderen Haushalt treffen.

Wirkt der Lockdown?

Die Fallzahlen sind nicht schnell genug gesunken und bleiben konstant auf einem hohen Niveau. Deshalb wurde der Lockdown bis am 14. Februar 2021 mit strengeren Massnahmen verlängert. Deutsche Politiker, Wissenschaftler und Medien argumentieren, dass der Lockdown nicht so effektiv war, da die Bevölkerung coronamüde sei und privat nicht mehr so diszipliniert die Regeln einhalte. 

Österreich

Die Corona-Fallzahlen in Österreich.

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«Körpernahe» Dienstleistungsbetriebe und Handel sind mit Ausnahme von Lebensmittelläden, Apotheken etc. geschlossen. In Österreich gilt eine Ausgangsbeschränkung rund um die Uhr mit einigen Ausnahmen wie Arbeit und Sport. Restaurants, Freizeit- und Kulturbetriebe sind vorerst bis am 7. Februar 2021 geschlossen. Hotels für touristische Zwecke können erst im März wieder öffnen, die Skigebiete dürfen jedoch offen bleiben, aber nur für Ortsansässige. Veranstaltungen wie Konzerte und Theater sind nicht möglich. Ab dem 25. Januar gilt eine FFP2-Masken-Pflicht im ÖV. Touristische Reisen nach Österreich sind derzeit nicht möglich.

Wirkt der Lockdown?

Österreich konnte die hohen Zahlen im November (über 9'000 neue Fälle täglich) mit zwei Lockdowns im November und Dezember auf durchschnittlich 1'600 Fälle runterbringen. Im Vergleich zu Deutschland fällt auf: Die Ausgangsbeschränkung scheint eine äusserst effektive Massnahme zu sein. Die Quarantänepflicht bei Einreise sowie ein notwendiges, negatives Testergebnis könnten ebenfalls entscheidende Massnahmen zur Eindämmung des Virus gewesen sein.

Frankreich

Die Corona-Fallzahlen in Frankreich.

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Frankreich reagierte im November mit einschneidenden Massnahmen: Die Menschen durften nur mit triftigem Grund vor die Tür, etwa um zur Arbeit zu gehen. Spaziergänge und Sport waren nur in einem Umkreis von einem Kilometer vom Wohnort für eine Stunde am Tag erlaubt. Wer das Haus verliess, musste ein Formular mit dem Grund mitführen.

Aktuell gilt zwischen 18 Uhr und 6 Uhr gilt eine landesweite Ausgangssperre. Restaurants, Museen, Sportstätte, Freizeiteinrichtungen, Clubs und dergleichen sind geschlossen. Es gilt eine Maskenpflicht (ab 11 Jahren) in allen öffentlichen und geschlossenen Räumen und teilweise auch im Freien.

Wirkt der Lockdown?

Mit starken Einschränkungen hat Frankreich die Pandemie unter Kontrolle gekriegt. Die Fallzahlen sind stark gesunken im Dezember. Von 90'000 Fällen täglich bis im Schnitt auf 10'000. Jetzt steigen die Zahlen wieder an, was auch am mutierten Coronavirus aus Grossbritannien liegen dürfte.

Italien

Die Corona-Fallzahlen in Italien.

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Italien wurde hart von der Corona-Pandemie getroffen. Italiens Regierungschef Giuseppe Conte hat im Kampf gegen die zweite Corona-Welle Anfang November die Massnahmen verschärft. Landesweit gilt eine Ausgangssperre zwischen 22 Uhr und 5 Uhr.

Italien ist anhand der Infektionen in drei Zonen aufgeteilt: rot (hohes Risiko), orange (mittleres bis hohes Risiko) und gelb (mittleres Risiko) und ab dem 16. Januar auch weisse Zonen (minimale Einschränkungen).

In den roten Zonen ist die Ein- und Ausreise verboten, nur noch lebensnotwendige Geschäfte haben offen. Restaurants und Freizeit- sowie Kultureinrichtungen bleiben geschlossen. In den orangen oder gelben Zonen herrschen mildere Massnahmen. In den höheren Schulen gilt Fernunterricht, wann wieder eine Präsenzunterricht zurückkehrt ist von Region zu Region unterschiedlich geregelt.

Wirkt der Lockdown?

Die italienische Corona-Strategie hat eine starke Ausbreitung des Virus bremsen können. Nach einem Anstieg kurz nach den Festtagen zeigt der Lockdown weiterhin Wirkung. Noch fast 38'000 Fälle meldete Italien im November täglich, mittlerweile sind die Fallzahlen bis 13'000 runtergegangen.

(Quellen: ORF, ZDF, John Hopkins University, SDA, NZZ)

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 22. Januar 2021 19:25
aktualisiert: 22. Januar 2021 18:45