Anzeige
Börsen

Dax nun mit 40 Konzernen - Erste deutsche Börsenliga erweitert

20. September 2021, 12:16 Uhr
Der Dax-Kurszettel ist voller geworden: 40 statt 30 Unternehmen spielen nun in der ersten deutschen Börsenliga. Zudem gelten strengere Regeln für die Mitgliedschaft im Leitindex - eine Reaktion auf den Wirecard-Absturz.
DAX umfasst neu einen Drittel mehr Titel (Archivbild)
© KEYSTONE/DPA/ARNE DEDERT

Erstmals in seiner mehr als 30-jährigen Geschichte umfasst der Deutsche Aktienindex 40 Unternehmen. Die zehn zusätzlichen Dax-Mitglieder stehen seit diesem Montag auf dem Kurszettel. Ziel der historischen Reform des wichtigsten deutschen Börsenbarometers: Der Leitindex soll die deutsche Wirtschaft umfassender abbilden. Zudem legt die Deutsche Börse ab sofort strengere Massstäbe an die Mitglieder der Dax-Familie an.

Airbus als neues Schwergewicht

Unter den zehn Neulingen ist Airbus mit Abstand das Unternehmen mit dem grössten Börsenwert. Mit dem deutsch-französischen Flugzeughersteller bekommt der Dax ein weiteres Schwergewicht auf dem Niveau des Autoherstellers Daimler und des Versicherungsriesen Allianz.

Neu im Dax sind seit Montag ausserdem die folgenden neun Unternehmen: der Chemikalienhändler Brenntag, der Kochboxenlieferant Hellofresh, die Holdinggesellschaft Porsche, der Sportartikelhersteller Puma, das Biotechnologie- und Diagnostikunternehmen Qiagen, der Pharma- und Laborzulieferer Sartorius, der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers, der Aromen- und Duftstoffehersteller Symrise sowie der Online-Modehändler Zalando.

Schon zum 30. Dax-Jubiläum im Juli 2018 hatte Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer laut darüber nachgedacht, den Leitindex «etwas breiter aufzustellen» - schliesslich ist der Dax das Barometer der deutschen Wirtschaft. Lange wurde der Index von den vier Branchen Chemie, Autoindustrie, Energie und Finanzdienstleistungen dominiert. Nun sollen zum Beispiel auch aufstrebende Internetfirmen einen Platz im Schaufenster der deutschen Wirtschaft bekommen.

Wirecard-Skandal als Beschleuniger

Der Wirecard-Bilanzskandal beschleunigte die Verschärfung des Regelwerks. Der Münchener Zahlungsdienstleister hatte sich trotz milliardenschwerer Luftbuchungen, die im Sommer 2020 aufflogen und sich zu einem der grössten Betrugsfälle der deutschen Wirtschaftsgeschichte auswuchsen, noch über Monate im Dax halten können.

Denn nach den seinerzeit geltenden Regeln konnte die Deutsche Börse die Aktie nicht einfach von heute auf morgen aus dem Index werfen. Für Kritik sorgte auch, dass für Wirecard der Essenslieferant Delivery Hero in den Dax aufrückte und damit ein Unternehmen, das seit seiner Gründung 2011 im laufenden Geschäft noch nie Geld verdient hat.

Künftig will die Deutsche Börse die Zusammensetzung des Dax zweimal statt einmal jährlich regulär überprüfen. Neu aufgenommen werden sollen nur noch profitable Unternehmen. Pleitekandidaten und Konzerne, die ihrer Pflicht zur fristgerechten Veröffentlichung von Zwischenberichten nicht nachkommen, sollen nichts mehr in der ersten deutschen Börsenliga verloren haben.

Gleichzeitig mit der Dax-Erweiterung wird der MDax der mittelgrossen Werte von 60 auf 50 Titel verkleinert und verliert somit deutlich an Gewicht. Fünf Unternehmen aus dem Nebenwerte-Index SDax rückten am Montag in den verkleinerten MDax auf: die Vodafone-Sendemastentochter Vantage Towers, der Recycling-Spezialist Befesa, der Gabelstapler-Hersteller Jungheinrich, der Finanzdienstleister Hypoport sowie Zooplus, ein Online-Händler für Haustierbedarf.

Quelle: sda
veröffentlicht: 20. September 2021 11:30
aktualisiert: 20. September 2021 12:16