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England – zehntausende Alkoholtote wegen Pandemie befürchtet

26. Juli 2022, 11:55 Uhr
Der zusätzliche Konsum von Alkohol während der Pandemie könnte in England über die kommenden Jahre für gesundheitliche Probleme und tausende zusätzliche Tote führen. Das prognostiziert eine Studie der Universität Sheffield. Auch in anderen Ländern könnte dieses Problem auftauchen.
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Stärkerer Alkoholkonsum während der Pandemie könnte einer Studie zufolge in England in den nächsten 20 Jahren zu Tausenden zusätzlichen Krankenhauseinweisungen und Toten führen. Vor allem Menschen, die bereits zuvor riskante Mengen konsumierten, hätten in der Zeit mit Corona-Lockdowns und Kontaktbeschränkungen mehr getrunken.

Dies ermittelte die Universität Sheffield im Auftrag des Gesundheitsdiensts NHS England. Die starken Trinker würden vermutlich nie mehr auf ihr Niveau von vor der Pandemie zurückkehren, hiess es.

25'000 Alkoholtote befürchtet

Die Wissenschaftler ermittelten fünf verschiedene Szenarien, wie sich Alkoholkonsum entwickeln könnte. Im besten Falle, wenn alle Konsumenten wieder so viel trinken wie 2019, erwarten sie 42'677 zusätzliche Krankenhauseinweisungen und 1830 Todesfälle bis 2042.

Im schlechtesten Fall seien in den kommenden 20 Jahren insgesamt 972'382 Klinikfälle und 25'192 Alkoholtote mehr zu erwarten. Dies würde zusätzliche Kosten von 5,2 Milliarden Pfund (rund 6 Milliarden Franken) für den NHS bedeuten, hiess es in der am Dienstag veröffentlichten Studie.

Gesundheit leidet unter den Auswirkungen der Pandemie

«Diese Zahlen unterstreichen, dass die Auswirkungen der Pandemie auf unser Trinkverhalten vermutlich einen langen Schatten auf unsere Gesundheit werfen», sagte Studienleiter Colin Angus der Nachrichtenagentur PA zufolge. «In einer Zeit, in der die NHS-Dienste aufgrund von Behandlungsrückständen bereits unter enormem Druck stehen, zeichnet dies ein besorgniserregendes Bild.»

Betroffen seien vor allem finanziell schwache Gegenden, in denen bereits jetzt die höchsten Raten von alkoholbedingten Krankheiten beobachtet würden. Experten forderten als Reaktion auf die Untersuchung eine Alkoholstrategie.

In der Schweiz findet eine Polarisierung statt

Die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatte bereits Mitte 2021 gewarnt, dass die Corona-Pandemie die Trinkgewohnheiten vieler Menschen verändern könnte, wie «Swissinfo» berichtete. Erfahrungen aus früheren Krisen liessen vermuten, dass es mittelfristig eine Zunahme des problematischen Alkoholkonsums geben könnte.

Für die Schweiz gibt es zunächst Entwarnung. Entgegen allen Befürchtungen habe die Pandemie den Alkoholkonsum in der Bevölkerung nur wenig verändert, teilte Sucht Schweiz im letzten März mit. Eine Untersuchung zeige einen leichten Rückgang der durchschnittlich konsumierten Menge. Allerdings sei bei gefährdeten Gruppen eine Polarisierung zu beobachten. Einige reduzierten ihren Konsum eher, während andere mehr tranken.

(sda/osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 26. Juli 2022 11:47
aktualisiert: 26. Juli 2022 11:55