Anzeige
Verkehrssicherheit

EU will 0,0 Promille, Handyverbot und mehr Tempo 30

12. Oktober 2021, 06:40 Uhr
Das EU-Parlament will mit einem Beschluss die Verkehrssicherheit erhöhen. Im Fokus steht eine massive Geschwindigkeitsbegrenzung, eine 0-Promille-Grenze und eine Art Flugmodus fürs Handy. Hier gibt es die wichtigsten Fragen und Antworten dazu.
Die europäischen Strassen sollen sicherer werden.
© Imago

Die Anzahl Verkehrstote und Schwerverletzte auf Europas Strassen soll bis 2050 auf «nahezu Null» gesenkt werden. Das ist das erklärte Ziel der EU-Staaten. Allerdings wurden die Zwischenziele bereits verfehlt: Zwischen 2010 und 2020 war lediglich ein Rückgang von 36 Prozent zu verzeichnen, das Ziel war jeweils eine Halbierung.

Jetzt sollen drastische Massnahmen doch noch zum hoch gesteckten Ziel führen: Wir erklären dir, was das genau bedeutet.

Ist es denn wirklich so schlimm?

Selbstverständlich ist jeder Todesfall im Strassenverkehr schlimm. Jährlich sterben auf Europas Strassen über 22'000 Menschen. Weit höher ist mit 120'000 die Zahl der Schwerverletzten.

Aber die Autos werden doch immer sicherer?

Ja, zumindest für die Insassen der Autos. Aber gerade in den Städten und dichter besiedelten Gebieten machen laut EU-Kommissarin Helena Dalli 70 Prozent der Verkehrstoten Fussgänger, Radfahrer und Motorradfahrer aus, wie «Auto, Motor und Sport» berichtet. Und dort will man ansetzen.

Was wird denn konkret gefordert?

Das EU-Parlament hat letzte Woche beschlossen, dass eine 0-Promille-Grenze und eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf Tempo 30 in Wohngebieten und «Orten mit hohem Rad- und Fussgängerverkehr» eingeführt werden soll. Zudem sollen Smartphones mit einem «sicheren Modus» ausgestattet werden. Sprich: Eine Art Flugmodus fürs Auto.

Und wie wird das umgesetzt?

Die Mitgliedstaaten und die EU-Kommissionen sollen laut Beschluss «Investitionen mit dem grössten Nutzen für die Verkehrssicherheit» prioritär behandeln. Über nationale Fonds sollen Gelder in die Sicherheit fliessen. Die Fonds werden wiederum aus Geldern aus dem Strassenverkehr, zum Beispiel von Bussen, finanziert werden. Zudem soll eine europäische Strassenverkehrsagentur eingerichtet werden.

Wann kommen diese Bestimmungen?

Hier wird es ein bisschen kompliziert. Denn der EU-Beschluss ist für die Mitgliedsländer nicht bindend. Jetzt müssen sich zuerst alle EU-Gremien und dann noch die EU-Länder selbst zu Verordnungen und Gesetzen beraten und diese dann auch noch ratifizieren. Das dürfte dauern.

Naja, Raser wird es wohl trotzdem noch geben.

Auch hier hat die EU schon früher in diesem Jahr einen weitreichenden Entschluss gefasst. Ab Juli 2022 sollen alle in der EU verkauften Neuwagen über eine sogenannte «Intelligent Speed Adaptation» (ISA) verfügen. Das heisst, dass das Auto die Fahrerin oder den Fahrer daran hindert, zu schnell zu fahren. Allerdings ist noch unklar, wie das genau umgesetzt werden soll, es stehen verschiedene Varianten im Raum. Von der automatischen Drosselung der Leistung bis hin zu einem mickrigen Warnlämpli, das im Auto blinkt und abgeschaltet werden kann.

Und die Schweiz?

Die 0-Promille-Grenze und die Temporeduktion in Wohnorten wird die Schweiz nicht übernehmen müssen. Es ist jedoch zu erwarten, dass sie das trotzdem macht, falls diese Regeln den gewünschten Effekt haben. Gerade Tempo 30 ist bereits jetzt in ganz vielen Orten der Schweiz Thema. Das ISA-System wird auch in der Schweiz kommen. Denn die Autobauer werden ihre Autos kaum für den kleinen Schweizer Markt anpassen. Da müssen wir nehmen, was es halt in Europa gibt.

(rr)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 12. Oktober 2021 05:35
aktualisiert: 12. Oktober 2021 06:40