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Geiseldrama Schweden

Freilassung gegen Kebab-Pizzen: Geiselnahme in schwedischer Haftanstalt

22. Juli 2021, 08:11 Uhr
Am Mittwoch wurden im schwedischen Gefängnis Hällby zwei Wärter als Geiseln genommen. Zwei wegen Mordes verurteile Insassen verschanzten sich mit Rasierklingen bewaffnet vorübergehend in einem Wachraum. Zur Freilassung der Geiseln forderten sie 20 Kebab-Pizzen und einen Hubschrauber.
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Quelle: CH Media Video Unit / AP Video

  Bei den Gefängnisinsassen soll es sich um zwei wegen Mordes verurteilte Männer im Alter von 24 und 30 Jahren handeln, wie die schwedische Zeitschrift «Aftonbladet» schreibt. Sie sollen mit einer Rasierklinge bewaffnet zwei Gefängnismitarbeiter als Geisel genommen haben. Nach Angaben der Zeitschrift fordern die beiden Geiselnehmer einen Helikopter.

Die schwedische Taskforce war schnell vor Ort und machte sich auf einen Einzug in das Hällby-Gefängnis bereit. Am späteren Nachmittag stellten die beiden Geiselnehmer eine neue Forderung, um eine der Geiseln freizulassen: Alle Insassen ihrer Abteilung sollen eine Kebab-Pizza erhalten.  

Beide Geiseln sind frei

Kurz nachdem die Geiselnehmer ihre Forderungen bekannt gegeben hatten, soll in einer Pizzeria in der Nähe des Hällby-Gefängnis eine Bestellung von über 20 Kebab-Pizzen eingegangen sein. Diese wurden dann auch in das Gefängnis geliefert. Um 19.20 Uhr schreibt die «Aftonbladet», dass mittlerweile eine der zwei Geiseln freigelassen wurde. Die zweite Person wird weiterhin als Geisel gehalten, wie der Gefängnissprecher Torkel Omnell bestätigt. Nach Angaben der «Aftonbladet» erlitt die freigelassene Geisel keine körperlichen Verletzungen. Ein Polizeisprecher meinte allerdings, dass die Aufsichtsperson Unterstützung eines Care-Teams erhaltet.

Um 21.30 Uhr berichten die lokalen Medien, dass auch die zweite Geisel freigelassen wurde. Das wurde durch die Polizei bestätigt. Der von den Geiselnehmern angeforderte Helikopter soll kurz vor der Freilassung in der Nähe der Haftanstalt gelandet sein.

Mehrere Insassen von der Abteilung der Geiselnehmer sassen bereits seit längerer Zeit in Einzelhaft, wie die Omnell gegenüber der «Expressen» erzählt. Grund dafür war, dass mehrere Wärter bemerkten, dass in der Küche Utensilien fehlten. Dabei soll es sich um einen Griff einer Reibe und um einen Teil eines Eierteilers gehandelt haben. Das Personal befürchtete, dass die Insassen daraus eine Stichwaffe herstellten. Hatten sie damals bereits eine Geiselnahme geplant?

Geiselnehmer sind wegen Mordes verurteilt

Bei den beiden Geiseln soll es sich um einen Mann und eine Frau handeln, welche als Pfleger im Gefängnis rund 100 Kilometer westlich von Stockholm arbeiten. Der ältere Geiselnehmer wurde 2016 wegen Mordes an seinem Vater zu 18 Jahren Haft verurteilt. Der 24-jährige Komplize wurde 2019 ebenfalls zu einer 18-jährigen Haft verurteilt, weil er einen Mann brutal erstochen hat.

Die beiden Geiselnehmer wurden mittlerweile festgenommen. Sie wurden zur Polizeiwache ins nahegelegene Eskilstuna gebracht.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 21. Juli 2021 17:01
aktualisiert: 22. Juli 2021 08:11