Das neue WC-Papier

Horten Schweizer auch bald Sonnenblumenöl?

21. März 2022, 17:56 Uhr
In Deutschland mutiert Sonnenblumenöl gerade zu einem Kassenschlager. Die Gründe sind tragisch wie bizarr. Hierzulande könnte bald Ähnliches geschehen — aktuell ist es in den Läden aber noch ruhig.
Aus den sogenannten Schliessfrüchten einer Sonnenblume wird Öl gewonnen — die Ukraine und Russland gehörten bisher zu dessen grössten Exporteuren.
© KEYSTONE/LAURENT GILLIERON

Es ist ein trauriges Thema: Der Krieg in der Ukraine, dessen Auswirkungen wir auf so viele verschiedene Arten auch hierzulande spüren. So steigen etwa seit Wochen die Benzinpreise, andere Rohstoffe und Güter sind plötzlich von Knappheit betroffen. So auch das Sonnenblumenöl. Ja, Sie lesen richtig. Sonnenblumenöl ist aktuell gefragter denn je, zumindest bei unserem nördlichen Nachbarn Deutschland. Entsprechend ist es dort zu einem heissgehandelten Gut geworden. Da erhoffen sich gewisse Menschen bereits, das Geschäft ihres Lebens zu machen:

Der Hype um Sonnenblumenöl lässt sich mittels zweier Faktoren erklären: Einerseits sind die Ukraine und Russland die zwei Export-Länder dieses pflanzlichen Nahrungsmittels schlechthin. Aufgrund des Kriegs beziehungsweise der verhängten Sanktionen gegen Russland droht ein solcher Import nach Westeuropa nun arg ins Stocken zu geraten. Eine Knappheit zeichnet sich ab, folglich wird gehortet. Das WC-Papier aus dem ersten Corona-Lockdown lässt grüssen. 

Welche Rolle spielen die Benzinpreise?

Hierzulande lässt sich Gleiches vorerst noch nicht beobachten. Das Detailhandelsunternehmen Coop beschwichtigt gegenüber der Redaktion denn auch: Das Einkaufsverhalten habe sich in den vergangenen Wochen in den Coop-Filialen und im Onlinehandel grundsätzlich nicht verändert. «Wir stellen bei Ölen und Konserven keine Abweichung der Nachfrage fest», sagt Mediensprecher Kevin Blättler. Und auch die Migros lässt über Mediensprecher Marcel Schlatter mitteilen: «Zu Hamsterkäufen kommt es glücklicherweise nicht.»

Der zweite Faktor, dem der Sonnenblumenöl-Hype zugrunde liegt, steht in Verbindung mit den hohen Benzinpreisen. Diese sind derzeit sehr hoch, auch hier in der Schweiz. Benzin und Sonnenblumenöl — diese beiden Güter haben mehr gemeinsam, als man erahnen würde. Mit letzterem lässt sich nämlich nicht nur kochen, sondern auch Fahrzeuge antreiben. Die chemische Zusammensetzung des Öls mit seinen Säuren und Kraftstoffen ermöglicht dies, zumindest in der Theorie. Und so tanken nun immer mehr Menschen mit Sonnenblumenöl, als Alternative zum überteuerten Treibstoff.

Die Rechnung wird nicht aufgehen — wortwörtlich

Die Not macht bekanntlich erfinderisch. Die meisten Fahrzeuge sind aber nicht für Sonnenblumenöl, sondern nur für Benzin und Diesel konzipiert. Das Vorgehen ist also ein risikoreiches: Im schlimmsten Fall kann es zu einer verminderten Motorleistung kommen, oder gar zu einem Motorschaden. Davor warnen bereits Garagisten und Autoverbände. Die Autofahrer würden durch Sonnenblumenöl im Tank also am falschen Ende sparen.

Die drohenden Reparaturkosten sollte man auf keinen Fall unterschätzen, sie würden wohl höher ausfallen als die zusätzliche Summe, die man fürs Benzin geopfert hat. Und so bleibt die Frage: Lohnt es sich wirklich, Sonnenblumenöl zu horten? Zum Autofahren sicher nicht, wie auch dieser Twitter-User meint. Und veranschaulicht, wie gefragt das Öl dennoch ist:

Quelle: ZüriToday
veröffentlicht: 22. März 2022 09:33
aktualisiert: 22. März 2022 09:33
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