Zug-Amerikaner zu Angriff

«Ich war schon auf grösseren Demos in Washington»

7. Januar 2021, 19:21 Uhr
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Quelle: PilatusToday

Für die USA wird der 6. Januar 2021 als dunkler Tag in die Geschichtsbücher eingehen. Teils gewaltbereite Trump-Anhänger stürmten das Kapitol, in dem Joe Biden eigentlich als neuer Präsident hätte bestätigt werden sollen und wollten die Wahl zugunsten Donald Trumps kippen. Politiker und Journalisten mussten evakuiert und der politische Prozess unterbrochen werden.

«Dramatisch, unglaublich, unvorstellbar.» So beschreibt der Urner Ständerat Josef Dittli, der noch vor kurzem als Wahlbeobachter selbst in den Staaten war, die Ereignisse vom 6. Januar. Dabei hatte er noch davon geschwärmt, wie ruhig die Wahlen abliefen (PilatusToday berichtete). «Die Wahlen selber waren gut organisiert und sind friedlich verlaufen», so der Urner Ständerat. «Doch wenn der Präsident selbst immer wieder behauptet, es sei betrogen worden, dazu aufruft auf die Strasse zu gehen, dann spielt er mit dem Feuer.»

Dieses Feuer geriet vor der Bestätigung Joe Bidens als neuen Präsidenten der USA nun endgültig ausser Kontrolle. Dittli findet dafür klare Worte: «Eine Schande für die USA, eine Schande für die Demokratie und ich hoffe, das Präsident Trump dafür zur Rechenschaft gezogen wird.» Dass der entstandene Flächenbrand schnell gelöscht werden kann, glaubt der Ständerat indes nicht. Doch Joe Biden, der am 20. Januar als Präsident vereidigt wird, sei der richtige Mann dafür: «Er ist die Persönlichkeit, die wieder Ruhe und Vernunft in den Staat bringen kann.»

So erlebte der ehemalige Schweizer US-Botschafter Don Beyer den Angriff

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Quelle: PilatusToday

«Reaktion der Polizei und Nationalgarde hat mich erstaunt»

Gary Soskin, geboren in Brooklyn New York und jetzt in Zug wohnhaft, war in den 60er und 70er Jahren selbst an Protesten in Washington D.C. beteiligt. Die Eindrücke, die er dort sammelte, haben seine Beobachtungen des Sturms auf das Kapitol beeinflusst. Der Umgang der Polizei und Nationalgarde sei sehr sanft gewesen. «Wären die Demonstranten, nein, keine Demonstranten. Das sind eigentlich Verbrecher», fügt Soskin hinzu. «Wären sie schwarz oder Muslime, oder Junge mit schwarzer Kleidung gewesen, dann wären die Polizisten ganz anders vorgegangen», ist der in Zug lebende Amerikaner überzeugt.

Er hofft, dass die Leute ihre Augen jetzt aufmachen. «Die einen werden das, die anderen nicht», so die ernüchternde Analyse Soskins. Es sei möglich, dass es in den nächsten Wochen erneut zu ähnlichen Situationen an anderen Orten kommen könne: «Ich denke schon, dass die Leute, die gestern ihre Verbrechen ausgeübt haben, sehr rabiat waren und das wiederholen könnten.» Eine Entschärfung der Situation könnte laut Soskin der 20. Januar bringen. Mit Trump aus dem Weissen Haus, wäre es möglich, dass die Corona-Pandemie wieder in den Vordergrund rückt.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 7. Januar 2021 18:27
aktualisiert: 7. Januar 2021 19:21