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10 Jahre danach

In Fukushima ist die Zeit am 11. März 2011 stehen geblieben

Sven Brun, 12. März 2021, 07:26 Uhr
Vor exakt zehn Jahren, am 11. März 2011, ereignete sich die Atomkatastrophe von Fukushima. Das Leben in den betroffenen Gebieten steht noch immer still – es folgten Geisterstädte.
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Quelle: CH Media Video Unit / AP Video

Diese Bilder erschütterten vor zehn Jahren die Welt. Am 11. März 2011 ereignete sich die Atomkatastrophe im japanischen Fukushima. Ausgelöst wurde die atomare Katastrophe durch das «Tōhoku Erdbeben», welches rund 18'500 Menschenleben kostete.

Schutt und Asche: Das Erdbeben und der folgende Tsunami trafen Fukushima mit voller Wucht.

© Keystone, AP Kyodo News

Das geschah am 11. März 2011

14:46:23 Uhr Ortszeit: Mit dem «Tohoku-Erdbeben» der Stärke 9,1, dem stärksten jemals gemessenen Beben in Japan, begann die Unfallserie. Das Epizentrum lag rund 163 Kilometer entfernt vom Kraftwerk Fukushima. 23 Sekunden später erreichten die ersten sogenannten Primärwellen des Bebens das Gelände des Kraftwerkes und lösten die Schnellabschaltung der Reaktoren 1 bis 3 aus.

Nach der Katastrophe versuchten Suchtruppen vermisste Einwohner ausfindig zu machen – für rund 18'500 Einwohner kam jedoch jede Hilfe zu spät.

© Keystone, AP Kyodo News

15:35 Uhr Ortszeit: 13 bis 15 Meter hohe Tsunamiwellen erreichten das Kraftwerk. Folglich kam es zur Kernschmelze in Block 1 bis 3. Grosse Mengen an radioaktivem Material wurden freigesetzt und kontaminierten (verunreinigten) Luft und Boden.

Rund 16'000 Menschen wurden dabei getötet, 2'500 gelten bis heute als vermisst. Bis zu 160'000 Einwohner mussten das Gebiet verlassen. Dabei verhungerten hunderttausende zurückgelassene Tiere. Die Atomkatastrophe von Fukushima wurde auf der Bewertungsskala für nukleare Ereignisse mit der Höchststufe 7 als «katastrophaler Unfall» eingestuft.

Fukushima heute

Folglich entwickelten sich mehrere Städte im Gebiet Fukushima zu Geisterstädten. Die Einwohner mussten oder wollten wegziehen, eine Sperrzone im Umkreis von 20 Kilometern wurde errichtet.

Der malaysische Fotograf Keow Wee Loong wagte sich fünf Jahre nach der Katastrophe in die «rote Zone» Fukushimas. Ohne Genehmigung und ohne Schutzkleider, dafür mit seiner Kamera:


Er machte teilweise ungeheure Entdeckungen: Kalender zeigen noch immer den 11. März 2011, die Regale im Supermarkt stehen voll und in Waschsalons liegt frische Wäsche bereit, welche wohl nie abgeholt wird. Auch wenn keine Autos mehr auf den Strassen unterwegs sind, die Ampeln funktionieren noch.

Zukunftsaussichten

Viele Teile der Sperrzone wurden zwar mittlerweile wieder geöffnet und als bewohnbar erklärt, zurückkehren ist für viele ehemalige Bewohner momentan jedoch (noch) kein Thema. Man misstraut den offiziellen Strahlungsmessungen oder die Menschen haben an einem anderen Ort ihr neues Zuhause gefunden.

Heutzutage ist jedoch bekannt, dass die schlimmsten Befürchtungen nicht eingetroffen sind. Fukushima ist nicht vergleichbar mit Tschernobyl 1986. Trotz gewaltigen Explosionen und vielen Pannen bei der Betreiberfirma Tepco, ist die Anlage einigermassen stabil. Georg Steinhauser, Radioökologe der Leibniz Universität Hannover, sagt gegenüber «zeit.de»: «Fukushima ist ein Ort, an den die Menschheit zurückkehren wird. Und wenn es hundert Jahre dauert.»

Anmerkung: In einer früheren Version war eine missverständliche Formulierung vorhanden. Die insgesamt über 18'000 Toten und Vermissten sind durch das Erdbeben und den dadurch ausgelösten Tsunami gestorben – nicht durch den Unfall am Atomkraftwerk.

Sven Brun
Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 11. März 2021 05:47
aktualisiert: 12. März 2021 07:26