Anzeige
Experiment geglückt

Isländer arbeiten nur noch 4 Tage die Woche und noch dazu produktiver

Muhammed Keskin, 12. Juli 2021, 09:54 Uhr
Isländer müsste man sein: Das kleine Inselvolk arbeitet nur noch 4 Tage die Woche. Weniger arbeiten zum gleichen Lohn – geht das überhaupt auf?
Reykjavik, Island – die Isländer werden einige Stunden mehr das Leben auskosten können.
© Getty

Einen Gang zurückschalten, die Freizeit mehr auskosten und immer noch gleich viel verdienen: Davon träumen wir morgens vor dem Rechner, die Isländer leben es. Das Resultat von zwei Studien ermöglicht dies: Die Vier-Tage-Woche mit 35 Stunden hat sich als «überwältigender Erfolg» entpuppt. Die Mehrheit darf neu kürzer arbeiten und verdient weiter den vollen Lohn.

Glücklichere, effizientere und produktivere Isländer

Die Arbeiter waren weniger gestresst, fühlten sich gesünder und ausgeruhter. Sie konnten laut eigenen Aussagen ihre Work-Life-Balance verbessern. Zudem waren weniger Burnouts zu beobachten. Die Teilnehmer investierten mehr Zeit in Familie und Hobbys. Sie waren zufriedener mit ihrem Leben, das wiederum spiegelte sich positiv auf die Arbeit wieder.

Die Leistung ist nicht eingebrochen. Im Gegenteil: Die Isländer arbeiteten zum Teil produktiver. Auch die von den Kritikern befürchteten Überstunden sind nicht gestiegen. Island konnte das alles vermeiden, in dem der Arbeitsalltag modernisiert wurde. Die Teilnehmer verkürzten ihre Meetings, nutzten zusätzliche digitale Hilfsmittel oder probierten neue Schichten.

Die Studienergebnisse haben die isländischen Firmen sogleich wachgerüttelt. 86 Prozent der Arbeiter dürften nun eine verkürzte Arbeitswoche einfordern. Ob andere Länder nachziehen, bleibt abzuwarten.

Auch in der Schweiz denkbar?

Ob die Schweiz das Modell abpaust? «Weniger arbeiten für den gleichen Lohn funktioniere schlicht nicht», erklärt Regine Sauter, FDP-Nationalrätin und Direktorin der Zürcher Handelskammer gegenüber «SRF». Frankreich kenne die 35-Stunde-Woche schon und da funktioniere es nicht. Die wichtigste Frage bleibe: Wer zahlt das alles? Es werde auf die Kunden oder im öffentlichen Bereich auf den Steuerzahler abgewälzt.

Für den Wirtschafts-Professor Adrian Ritz sei die Hürde zu gross, auf 35 Stunden zu reduzieren. Die Schweiz sei im Vergleich zu Skandinavien im Bereich Arbeitsorganisation wenig experimentierfreudig, sagt er gegenüber «Watson».

Was glaubst du, hätte das 4-Wochen-Modell auch in der Schweiz eine Chance? Lass es uns in den Kommentaren wissen.

Quelle: PilatusToday
veröffentlicht: 12. Juli 2021 11:07
aktualisiert: 12. Juli 2021 09:54