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Grossbritannien

Mordfall Sarah Everard: Johnson kritisiert Polizei

2. Oktober 2021, 18:40 Uhr
Nach dem Urteil im Fall der von einem Polizisten ermordeten Londonerin Sarah Everard hat Premierminister Boris Johnson die Polizei für ihren Umgang mit Gewalt gegen Frauen kritisiert.
ARCHIV - Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien, spricht während der ersten Kabinettssitzung seit der Umbildung in der Downing Street 10 in London. Foto: Ben Stansall/PA Wire/dpa
© Keystone/PA Wire/Ben Stansall

«Nimmt die Polizei diese Probleme ernst genug? Es ist unerträglich. Ich denke, die Menschen haben das Gefühl, dass sie das nicht tut, und sie haben nicht Unrecht», so Johnson in einem Interview mit der Zeitung «Times» am Samstag. Trotzdem könne der Polizei aber grundsätzlich vertraut werden, so der konservative Politiker weiter.

Im Fall der 33 Jahre alten Everard hatte der Täter seinem Opfer vorgegaukelt, er habe Gründe sie festzunehmen, und konnte sie so in seine Gewalt bringen. Unter anderem deswegen wurde er in dieser Woche zur Höchststrafe verurteilt und muss den Rest seines Lebens im Gefängnis verbringen.

Kritiker sehen in dem Verbrechen jedoch nicht nur einen extremen Einzelfall, sondern die Folge einer frauenfeindlichen Kultur innerhalb der Polizei selbst. So berichten Insider, dass Kollegen, die sich Übergriffe zuschulden kommen lassen, gedeckt werden. Der Täter im Fall Everard soll mehrfach durch Exhibitionismus aufgefallen sein und unter Kollegen wegen seines unangemessenen Verhaltens gegenüber Frauen berüchtigt gewesen sein. Vorgeworfen wird der Polizei zudem, sie nehme Anzeigen von Frauen über sexuelle Übergriffe oft nicht ernst.

Ein hochrangiger Polizeibeamter aus der Grafschaft North Yorkshire zog zudem heftige Kritik mit der Äusserung auf sich, Everard hätte sich der falschen Festnahme widersetzen sollen. Auch Tipps von Scotland Yard, sich beispielsweise Hilfe von Passanten zu holen oder den Notruf zu wählen, wenn man von einem einzelnen Zivilpolizisten angesprochen wird und Zweifel an dessen Echtheit hat, wurden als «absurd» und «unmöglich» kritisiert.

Quelle: sda
veröffentlicht: 2. Oktober 2021 18:40
aktualisiert: 2. Oktober 2021 18:40