Myanmar

Myanmar: Sprecher der Partei Aung San Suu Kyis festgenommen

19. März 2021, 08:45 Uhr
ARCHIV - Aung San Suu Kyi, Regierungschefin von Myanmar, verlässt den Sitz ihrer Partei Nationale Liga für Demokratie (NLD) nach einem Treffen des Zentralvorstands. (zu dpa «Weitere Klagen gegen Aung San Suu Kyi - Anhörung per Videoschalte») Foto: Aung Shine Oo/AP/dpa
© Keystone/AP/Aung Shine Oo
Die Militärjunta in Myanmar hat in der Nacht zum Freitag ein weiteres prominentes Mitglied von Aung San Suu Kyis Regierungspartei Nationale Liga für Demokratie (NLD) festgenommen. Es handele sich um den Parteisprecher Kyi Toe, der seit dem Putsch die Medien im Land über die NLD und die Entwicklungen informiert hatte, teilte Phyo Zayar Thaw, ein weiteres bekanntes Mitglied der Partei, auf Facebook mit. Beobachtern zufolge wird befürchtet, dass Kyi Toe gefoltert werden könnte. In den vergangenen Wochen waren bereits zwei NLD-Mitglieder kurz nach ihrer Inhaftierung gestorben.

Seit dem Umsturz von Anfang Februar wurden nach Angaben der Gefangenenhilfsorganisation AAPP bereits mehr als 2200 Menschen festgenommen, mindestens 224 wurden getötet. Die faktische Regierungschefin Suu Kyi, die die Parlamentswahl im November klar gewonnen hatte, wurde in Gewahrsam genommen und wird mehrerer Vergehen beschuldigt.

Die landesweiten Proteste gegen die Generäle gingen derweil auch am Freitag weiter, jedoch wegen der zunehmenden Brutalität der Einsatzkräfte in kleinerem Rahmen. Lokale Medien im Shan-Staat berichteten von massiver Gewalt, bei der mindestens sechs Demonstranten getötet worden sein sollen. Auch in der grössten Stadt Yangon (früher: Rangun) verbreiteten Soldaten und Polizisten weiter Angst und Schrecken, zündeten Schutzbarrikaden der Demonstranten an und zerstörten Fahrzeuge, wie Augenzeugen erzählten.

«Wir konnten letzte Nacht nicht schlafen, sie sind durch die Strassen gelaufen und haben die Menschen beschimpft und haben alles kaputt gemacht, was sie auf der Strasse gesehen haben», sagte ein 24-jähriger Anwohner im Viertel Thingangyun, dessen Auto von Soldaten zerstört wurde. «Wir sind nirgendwo sicher, sie greifen die Leute einfach an.»

Der indonesische Präsident Joko Widodo forderte am Freitag ein sofortiges Ende der Gewalt und rief die Regierungen der Region zu einem Gipfeltreffen der Vereinigung Südostasiatischer Staaten (Asean) auf. «Ich werde mit dem Sultan von Brunei als Vorsitzendem der Asean über die Möglichkeit eines Asean-Gipfels sprechen, um die Krise in Myanmar zu erörtern.» Anfang März gab es bereits ein Online-Treffen der Aussenminister der zehn Asean-Staaten zu der Gewalteskalation in Myanmar.

Quelle: sda
veröffentlicht: 19. März 2021 08:45
aktualisiert: 19. März 2021 08:45