Süddeutschland

Nazi-Uniformen, Waffen und Handgranaten: Polizei nimmt 19 Personen fest

15. Oktober 2020, 21:22 Uhr
Die süddeutsche Polizei führt gegen insgesamt 19 Personen Verfahren. Den Beschuldigten wird vorgeworfen, sich mit Wehrmachts-Uniformen und Kriegswaffen im Wald getroffen zu haben.
Insgesamt 19 Männer und Frauen wurden kurzzeitig festgenommen.
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«Im Rahmen eines groß angelegten Einsatzes haben am Donnerstagmorgen rund 400 Polizeibeamte des Polizeipräsidiums Ulm in Kooperation mit den Landeskriminalämtern Baden-Württemberg und Bayern, den Polizeipräsidien Einsatz, Aalen, Ravensburg, Reutlingen, Schwaben Nord, Schwaben Süd/West und München sowie den Spezialeinsatzkommandos mehrerer Bundesländer 17 Wohnungen und ein Waldstück nach Beweismitteln durchsucht», heisst es in einer Medienmitteilung des Polizeipräsidiums Ravensburg.

Treffen mit Wehrmachtsuniformen im Wald

So durchsuchte die Polizei Wohnungen und Häuser in München, Augsburg, Biberach, Esslingen, Günzburg, Kempten, Sigmaringen, Tübingen, Ostallgäu und im Ostalb- und Rems-Murr-Kreis.

Die Staatsanwaltschaft Stuttgart führt gegen 19 Personen Verfahren wegen Verdachts des Verstosses gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz. So habe die Polizei einen Hinweis bekommen, wonach sich bewaffnete Personen in Wehrmachtsuniformen in einem Gebäude in der Nähe von Biberach getroffen haben sollen.

Die Ermittlungen der Polizei ergaben Verdachtsfälle gegen weitere Personen. Die Tatverdächtigen, Männer und Frauen im Alter zwischen 27 und 77 Jahren, sollen sich ebenfalls mit Wehrmachtsuniformen und Waffen in einem Waldstück getroffen haben, um dort unter anderem Kriegsszenarien nachzustellen.

Behördliche Genehmigungen zum Nachstellen solcher Kriegsszenen seien allerdings nie eingegeben worden. Auch hatten die Teilnehmer keine Waffenscheine. So besteht laut Polizei noch immer der Verdacht, dass die Frauen und Männer Waffen mit sich führten, die unter das Kriegswaffenkontrollgesetz fallen und Kleidung trugen, auf denen verfassungsfeindliche Symbole angebracht waren (Beispielweise ein Hakenkreuz).

Granaten gefunden - LKWs mussten Waffen abtransportieren

Bei den Durchsuchungen vom Donnerstag beschlagnahmten die Ermittler unter anderem Computer, eine Vielzahl an Waffen, Munition, Uniformteile, Fahrzeuge und verfassungsfeindliche Symbole.

Sogar Granaten haben die Ermittler gefunden. Für deren Begutachtung wurden Sprengstoffexperten zu Rate gezogen. Im Landkreis Sigmaringen wurden zwei Zündkapseln kontrolliert gesprengt. Bei einem der Beschuldigten stellten die Ermittler außerdem Betäubungsmittel sicher. In den Landkreisen Esslingen, Sigmaringen und dem Rems-Murr-Kreis stellten die Ermittler eine derartige Anzahl an Waffen sicher, dass zum Abtransport Lastwagen benötigt wurden.

Experten klären nun, ob es sich um richtige Waffen handelt, oder ob es sogenannte «Anscheinwaffen» waren. Die Tatverdächtigen kamen vorerst wieder auf freien Fuss.

Aufgrund der vielen Beweismitteln dauern die Ermittlungen weiter an. «Die Auswertung der sichergestellten Gegenstände wird noch einige Zeit in Anspruch nehmen», schreibt die Polizei.

(PP Ravensburg / saz)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 15. Oktober 2020 18:16
aktualisiert: 15. Oktober 2020 21:22