Belarus

Polizeigewalt gegen Frauen und viele Festnahmen in Belarus

12. September 2020, 21:06 Uhr
Polizisten nehmen eine Demonstrantin fest. Foto: -/Tut.by/AP/dpa
© Keystone/Tut.by/AP/-
Mit massiver Gewalt sind maskierte Uniformierte in der belarussischen Hauptstadt Minsk gegen friedlich demonstrierende Kritikerinnen des autoritären Staatschefs Alexander Lukaschenko vorgegangen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bekräftigte ihre Sorge über die Entwicklung in Belarus. «Dort wird der Einsatz für Demokratie buchstäblich mit Füssen getreten», sagte sie in ihrer wöchentlichen Videobotschaft (Samstag). «Unser Herz schlägt mit den friedlich Demonstrierenden. Es ist bewundernswert, mit welchem Mut und mit welcher Entschlossenheit sie für Freiheit und Rechtsstaatlichkeit auf die Strasse gehen.»

Eine junge Frau erlitt in Minsk durch Schläge eines Polizisten eine Platzwunde im Gesicht, als sie einem Uniformierten die Strumpfmaske vom Gesicht zog und der Mann mit voller Wucht zuschlug. Der als «letzter Diktator Europas» bezeichnete Lukaschenko hatte die Spitzenposten im Sicherheitsapparat zuletzt neu besetzt und gefordert, härter gegen nicht genehmigte Proteste vorzugehen.

«Gebt uns unsere Mascha zurück»

Die Kundgebungen seiner Gegner werden prinzipiell nicht genehmigt, nur die der Unterstützer, die sich in kleiner Zahl am Samstag im Zentrum an der Siegessäule versammelten. Zur gleichen Zeit kamen die Gegnerinnen Lukaschenkos am Platz der Freiheit zusammen. Die Kundgebung richtete sich vor allem gegen die Inhaftierung der Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa. «Gebt uns unsere Mascha zurück», skandierten die Frauen.

Vermummte Sicherheitskräfte kesselten die Frauen am Platz der Freiheit ein, packten sie hart an und steckten sie in Gefangenentransporter. Die Frauen waren völlig friedlich, wie ein Reporter der Nachrichtenagentur dpa vom Ort des Geschehens berichtete. Vielen Frauen gelang es, anschliessend den Protestmarsch fortzusetzen. Der Demonstrationszug vereinigte sich später mit weiteren Frauen, bis die Menge auf Tausende anwuchs.

Quelle: sda
veröffentlicht: 12. September 2020 19:00
aktualisiert: 12. September 2020 21:06