Deutschland

Polizeivideos zeigen: Ausmass der Flutkatastrophe im Ahrtal war schon früh klar

Oliver Schneider, 5. Oktober 2022, 15:48 Uhr
Die Polizei des deutschen Bundeslandes Rheinland-Pfalz hat Videos eines Helikopters veröffentlicht. Zu sehen sind die Überschwemmungen im Ahrtal während der Flutkatastrophe im Sommer 2021. Die Bilder sind beklemmend – und setzen den Innenminister des Bundeslands unter Druck.
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Die Videos zeigen ganze Landstriche an der Ahr, die überflutet sind. Zu sehen sind von den Wassermassen eingeschlossene Häuser, aus denen Menschen mit Taschenlampen auf sich aufmerksam zu machen versuchen, wie der «SWR» berichtet.

Video war am Abend der Katastrophe bekannt

Die Videos habe ein flussaufwärts fliegender Polizeihelikopter am späten Abend des 14. Juli 2021 aufgenommen. Der Kommandant des Helikopters habe seine Eindrücke direkt nach dem Aufklärungsflug auch dem Lagezentrum des Innenministeriums geschildert.

Damit seien die Informationen über das Ausmass der Katastrophe auch Innenminister Roger Lewentz (SPD) bekannt gewesen. Lewentz habe bisher stets erklärt, er habe in der Flutnacht zwar von Einzelereignissen gewusst, aber kein «belastbares Lagebild» einer Katastrophe gehabt. Auch nach Kenntnis der Videos bleibe Lewentz bei seiner Einschätzung.

Nach Bekanntwerden der Flut-Videos hätten die Parteien CDU und AfD sowie die «Freien Wähler» in Rheinland-Pfalz nun den Rücktritt des Innenministers gefordert. Lewentz' Behauptung in einem Untersuchungsausschuss des rheinland-pfälzischen Landtags, die Situation sei nicht ansatzweise erkennbar gewesen, sei schlichtweg falsch.

Video erst kürzlich auf Festplatte entdeckt

Warum das Video aus dem Helikopter am Abend der Flut nicht sofort an das Ministerium weitergeleitet wurde, werde nach Angaben der Polizei noch ermittelt. Dass derartige Aufnahmen überhaupt existieren, war laut SWR erst im vergangenen September bekannt geworden, mehr als ein Jahr nach der Katastrophe.

Die Polizei spreche von einem Dokumentationsfehler und einem Missverständnis. Die Videos seien erst kürzlich auf der externen Festplatte eines Mitarbeiters der Hubschrauberstaffel gefunden worden. Es habe aber nie die Absicht gegeben, die Aufzeichnungen unzugänglich zu machen.

Am Abend des 14. Juli 2021 hatte sich das Flüsschen Ahr im Westen Deutschlands durch starke Regenfälle in einen reissenden Strom verwandelt. Infolgedessen kam es zu einer verheerenden Flutkatastrophe, bei der im Ahrtal 134 Menschen starben und ganze Ortschaften und Städte verwüstet wurden.

(osc)

Quelle: Today-Zentralredaktion
veröffentlicht: 5. Oktober 2022 15:39
aktualisiert: 5. Oktober 2022 15:48