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Steuertricks enthüllt

Recherchen zu «Pandora Papers» führen auch in die Zentralschweiz

4. Oktober 2021, 07:43 Uhr
Ein grosses Datenleck hat laut einem internationalen Recherchenetzwerk die «bisher umfangreichsten Enthüllung von Finanzgeheimnissen» hunderter Politiker mit Briefkastenfirmen enthüllt. Das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) veröffentlichte am Sonntag einen Teil der Recherchen.
Ein riesiges Datenleck enthüllt die heimlichen Geschäfte hunderter Politiker mit Briefkastenfirmen.
© KEYSTONE/AP/ARNULFO FRANCO

Im April 2016 sind die sogenannten «Panama Papers» bekannt geworden. Nun zeigt sich, dass sich seither offenbar nicht viel geändert hat. Wie neue Recherchen von Journalisten auf der ganzen Welt zeigen, verstecken weltweit hunderte Politiker und Politikerinnen sowie Behördenmitglieder ihr Geld immer noch mittels Briefkastenfirmen an steuergünstigen Orten.

Gemäss dem an der Recherche beteiligten Tagesanzeiger sind auch viele Schweizer und Zentralschweizer Anwälte und Treuhänder in die sogenannten «Pandora Papers» verwickelt. Nach den «Panama Papers» habe es weltweit ein Aufruf gegeben, gegen diese Art von Steuerhinterziehung vorzugehen. Das neue Leck zeige jetzt, dass nichts passiert sei, schreibt der Tagesanzeiger. Ganz viele Briefkastenfirmen wurden aufrechterhalten für hochproblematische Kunden sowie Kriminelle.

Die Recherche des internationalen Journalistennetzwerks enthüllt demnach erneut, wie über 300 einflussreiche Politiker und Amtsträger nach wie vor ihr Vermögen in Biefkastenfimren in der Karibik verstecken.

 An der Auswertung der sogenannten Pandora Papers waren rund 600 Journalistinnen und Journalisten in 117 Ländern beteiligt. Nach Angaben des Recherchenetzwerks wurden 11,9 Millionen geleakte Dokumente ausgewertet, «die jeden Winkel der Welt abdecken». Die Daten von insgesamt knapp drei Terrabyte stammen von 14 Unternehmen, die Offshore-Konstrukte anbieten.

Auch Zentralschweizer betroffen

Nach Angaben des Tagesanzeigers gehören Schweizer Anwälte, Treuhänder und Beraterinnen weltweit zu den wichtigsten im Geschäft mit Briefkastenfirmen. Sie alleine hätten bereits 7000 Offshore-Firmen betreut. Dies über eine Kanzlei in der Karibik. Zu den Kunden der Schweizer gehören laut Tamedia Autokraten und sogar Personen, die inzwischen rechtskräftig verurteilt wurden wegen Geldwäscherei oder Korruption.

Heraus sticht etwa die Familie und Entourage des autokratischen Präsidenten von Aserbeidschan, Ilham Alijew. Eine Atemtherapeutin aus dem Kanton Schwyz hat einen Teil von deren Offshore-Imperium betreut. Über Dutzende Briefkastenfirmen wickelten die Präsidentenkinder etwa Millionen-Immobiliendeals in London ab. Wegen einer Gesetzeslücke musste die Schweizer Betreuerin der Firmen keine Abklärungen machen.

Die Schwyzerin arbeitete 14 Jahre lang als Assistentin für eine Anwaltskanzlei in Zürich. Nach dem Besuch eines Geschäftsmannes habe es da plötzlich angefangen mit «all diesen Firmen», deren Betreuung ihr übertragen wurde, schreibt der Tagesanzeiger. 

Doch 2015 ging die Kanzlei in Konkurs. «Da waren ja alle etwas aufgeschmissen», und sie habe sich «irgendwie verantwortlich» gefühlt, erzählt die heutige Atemtherapeutin gegenüber der Zeitung. Und so habe sie halt die Dokumente aus der Kanzlei mit nach Hause genommen und die vielen Briefkastenfirmen von nun an auf eigene Rechnung «administrativ begleitet».

Die Beraterin gibt an, dass sie lange Zeit gar nicht wusste, was sie genau tat. «Ich habe mich eigentlich überhaupt nicht darum gekümmert.» Es sei halt einfach eine Gelegenheit für sie gewesen, Geld zu verdienen - «gutes Geld», mit einem Stundenlohn wie ein richtiger Anwalt. «Ich fand es cool.»

Auf die Frage des Tagesanzeigers, ob es sie nicht gestört habe, für ein mutmasslich korruptes Regime gearbeitet zu haben, antwortete die Schwyzerin: «Ja, das finde ich schon nicht okay. Heute finde ich es nicht okay.»

(red.)

Quelle: sda
veröffentlicht: 3. Oktober 2021 20:22
aktualisiert: 4. Oktober 2021 07:43