Ukraine-Krieg

Russische Raketen auf wichtige Ziele in der Ukraine

26. März 2022, 13:15 Uhr
Verhärtete Fronten am Boden, heftige Angriffe aus der Luft: Im Ukraine-Krieg hat Russland nach Angaben beider Seiten strategisch wichtige Ziele mit Raketen und Marschflugkörpern getroffen. Russland selbst meldete am Samstag die Zerstörung eines ukrainischen Waffenarsenals westlich der Hauptstadt Kiew. Die Ukraine bestätigte den Beschuss eines Luftwaffenstützpunkts. In Deutschland fordert die Opposition immer lauter ein Energieembargo gegen Russland, um die Finanzierung des russischen Kriegs zu stoppen.
Ein völlig zerstörter russischer T-72-Kampfpanzer steht in der Oblast Kiew. Tag 29 des Krieges zwischen Russland und der Ukraine, während die Ukraine die Verteidigung ihrer Hauptstadt Kiew gegen russische Angriffe fortsetzt. Foto: Alex Chan Tsz Yuk/SOPA Images via ZUMA Press Wire/dpa
© Keystone/SOPA Images via ZUMA Press Wire/Alex Chan Tsz Yuk

US-Präsident Joe Biden besucht unterdessen Polen. Nach einem Treffen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda und Geflüchteten ist am Abend (18.00 Uhr) eine Rede Bidens geplant.

Gut einen Monat nach dem Angriff auf das Nachbarland haben russische Truppen zwar Teile der Ukraine im Norden, Osten und Süden des Landes unter Kontrolle. Ukrainische Streitkräfte leisten jedoch Gegenwehr und treiben russische Truppen wohl auch teilweise zurück.

Angaben der Kriegsparteien aus den Kampfgebieten sind kaum nachprüfbar. Doch gibt es US-Angaben, wonach die ukrainischen Streitkräfte um die Rückeroberung der strategisch wichtigen Stadt Cherson im Süden kämpfen. Die Ukraine hatte zuletzt auch Stellungen und Ortschaften in der Umgebung von Kiew wieder unter ihre Kontrolle gebracht.

Wieder Ausgangssperre in Kiew

Der ukrainische Heeres-Stabschef Olexander Grusewitsch warnte allerdings, ein russischer Angriff auf die Hauptstadt sei immer noch möglich, dort ziehe Russland starke Kräfte zusammen. Bürgermeister Vitali Klitschko ordnete für Kiew erneut eine Sperrstunde ab Samstagabend an.

Auch lässt Russland nach Einschätzung des britischen Verteidigungsministeriums mit seinen Angriffen auf grosse ukrainische Städte wie Charkiw, Tschernihiw und Mariupol nicht nach. Dabei setze Russland «auf den wahllosen Einsatz von Luft- und Artelleriebombardierungen, um zu versuchen, die Verteidigungskräfte zu demoralisieren», erklärte das britische Ministerium auf Twitter.

Für Samstag wurden nach ukrainischen Angaben zehn humanitäre Korridore eingerichtet, um Zivilisten die Flucht aus besonders umkämpften Regionen zu ermöglichen. Die Korridore liegen im Umland Kiews und im ostukrainischen Gebiet Luhansk. Aus der stark zerstörten Hafenstadt Mariupol gebe es aber keine zentralisierte Evakuierung mit Bussen, sagte Vizeregierungschefin Irina Wereschtschuk der Agentur Union zufolge.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte am Freitagabend eine humanitäre Aktion mit der Türkei und Griechenland angekündigt, um kurzfristig Menschen aus Mariupol zu retten. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bezeichnet die Lage dort als «absolut tragisch». Bislang sei es gelungen, in dieser Woche etwas mehr als 26 000 Zivilisten aus der Stadt zu bringen.

Russland meldet Raketenangriffe

Das russische Verteidigungsministerium teilte in Moskau mit, man habe bei einem Raketenangriff in der Ukraine ein Arsenal mit Waffen und Militärtechnik zerstört. Vier Raketen vom Typ «Kaliber» seien von einem Kriegsschiff im Schwarzen Meer abgefeuert und in dem Depot in der Nähe der Grossstadt Schytomyr eingeschlagen. Insgesamt seien innerhalb von 24 Stunden 117 militärische Objekte zerstört worden, erklärte das russische Verteidigungsministerium.

Zuvor hatte die Ukraine bestätigt, dass am Freitag das Hauptquartier der ukrainischen Luftwaffe in Winnyzja im Westen des Landes mit mehreren russischen Marschflugkörpern beschossen worden sei. Dabei sei «erheblicher Schaden» an der Infrastruktur entstanden.

Energieembargo - knickt Deutschland ein?

Die Nato und die Europäische Union hatten bei Gipfeltreffen in Brüssel versucht, eine geschlossene Reaktion auf den russischen Angriffskrieg zu finden. Eine Einigung auf einen sofortigen Importstopp für Gas, Öl oder Kohle aus Russland gelang der EU am Freitag aber nicht - auch wegen des Widerstands der Bundesregierung, die dramatische wirtschaftliche Schäden im eigenen Land befürchtet. Für die Energielieferungen müssen Deutschland und die übrigen EU-Länder täglich Hunderte Millionen Euro an Russland zahlen.

Der frühere Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) machte in der «Welt am Sonntag» Druck für einen Importstopp für russisches Gas und Öl. Der CDU-Aussenpolitiker Norbert Röttgen erwartet auch, dass die Bundesregierung bald einknickt. «Die deutsche Position, weiter Gas und Öl aus Russland zu kaufen, wird keinen Bestand haben», sagte Röttgen der «Augsburger Allgemeinen» (Samstag). Deutschland werde nicht begründen können, Tod und Vertreibung nicht gestoppt zu haben. In Deutschland sind nach Angaben des Bundesinnenministeriums inzwischen rund 260 000 Ukraine-Flüchtlinge offiziell registriert. In Polen sind es nach offiziellen Angaben knapp 2,27 Millionen.

Vorerst einigten sich die EU-Staaten beim Gipfel am Freitagabend in Brüssel nur darauf, mit gemeinsamer Marktmacht Gas auf dem Weltmarkt zu kaufen, um nach und nach unabhängig von Russland zu werden. Darüber hinaus setzen westliche Staaten auf Einzelaktionen, um der Ukraine beizustehen. Grossbritannien verhängte neue Sanktionen gegen Personen und Firmen in Russland.

In Deutschland sind für Samstag Demonstrationen gegen den Krieg geplant.

Ukrainischer Regierungschef bittet um Hilfe

Der ukrainische Regierungschef Denys Schmyhal bat alle Bürgermeister weltweit um humanitäre Hilfe. Gleichzeitig appellierte er am Freitagabend an alle internationalen Partner, den späteren Wiederaufbau seines Landes zu unterstützen. Schmyhal hatte die Schäden für die ukrainische Wirtschaft durch den Krieg schon Mitte März mit knapp 515 Milliarden Euro beziffert. Auch diese Zahlen sind nicht unabhängig zu überprüfen.

Quelle: sda
veröffentlicht: 26. März 2022 13:15
aktualisiert: 26. März 2022 13:15
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