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«Suchhunde dürfen nicht zu schwer sein, um sie abseilen zu können»

Schweizer Hilfe in Türkei

«Suchhunde dürfen nicht zu schwer sein, um sie abseilen zu können»

06.02.2023, 15:49 Uhr
· Online seit 06.02.2023, 15:40 Uhr
Der Schweizerische Verein für Such- und Rettungshunde (Redog) wird vor Ort nach Überlebenden suchen. Hierfür fliegen am Montagabend 14 Hunde mit ihren Hundeführern in die Türkei. Dem Ernsteinsatz geht eine jahrelange und intensive Ausbildung voraus.

Quelle: CH Media Video Unit / Melissa Schumacher

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Redog – diese fünf Buchstaben stehen für eine Schweizer Freiwilligenorganisation, die sich durch Spenden finanziert und hierzulande, aber auch im Ausland im Falle von Naturkatastrophen, Explosionen oder Hauseinstürzen zum Einsatz kommt. Wie der Name verrät, suchen Suchhunde nach Überlebenden und Toten in Trümmern und eingeschlossenen Orten.

Freiwillig heisst: Die Hundeführenden und ihre Vierbeiner gehen normal ihrem Alltag nach, inklusive Beruf – wenn es ernst gilt, müssen sie aber bereit sein. Für 22 Freiwillige und 14 Hunde ist nun dieses Szenario eingetroffen.

EDA schickt 80 Spezialisten in die Türkei

In der Türkei und in Syrien hat in der Nacht auf Montag die Erde gebebt, fast 2000 Personen sind ums Leben gekommen – Tendenz steigend. Und so reisen sie noch am Montagabend von Zürich mit einem Flugzeug der Rega in die Krisenregion, wie Redog-Mediensprecherin Dagmar Wurzbacher gegenüber der Today-Zentralredaktion sagt.

«Ein erstes Team bestehend aus zehn Personen und sechs Hunden wird im Erdbebengebiet nach Überlebenden suchen, die türkische Partnerorganisation GEA wird sie dann ausgraben», so Wurzbacher. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden würde gut funktionieren: «Wir haben beim Erdbeben in Albanien im November 2019 zusammengearbeitet.»

Ein zweites Redog-Team, zwölf Menschen und acht Hunde, wird direkt mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) des Bundes zusammenarbeiten – wie das Aussendepartement (EDA) am Montagmorgen mitteilte, sollen deren 80 Spezialisten in der Türkei zum Einsatz kommen.

Hier trainieren Rettungsteams von Redog auf dem Militärflugplatz Alpnach

Quelle: PilatusToday

Diverse Rassen stehen im Einsatz

Wurzbacher schätzt, dass die Einsätze rund sieben bis zehn Tage dauern werden – «ganz genau lässt sich das jetzt aber logischerweise nicht sagen. Vieles hängt von der Entwicklung vor Ort ab.» Tatsächlich ist in den nächsten Tagen noch mit Nachbeben zu rechnen.

Zum Einsatz kommen werden übrigens die unterschiedlichsten Hunderassen, erklärt Wurzbacher: «Vom Schäferhund bis zum Labrador sind alle Rassen grundsätzlich möglich. Es müssen aber arbeitswillige Hunde sein – und sie dürfen nicht zu schwer sein.» Dies, weil die Hunde in und auf den Trümmern hochgehoben oder abgeseilt werden müssen.

Fokus liegt auf Bergung von Lebenden

Das Training mit den Hunden dauert aufgrund der essenziellen Aufgabe, die sie einnehmen, denn auch sehr lange: «Viele Wochenenden und Trainingswochen müssen geopfert werden, während bis zu fünf Jahren», so Wurzbacher. «Viel Freizeit bleibt da nicht.» Nach fünf Jahren wartet dann die Abschlussprüfung. Besteht man diese, kommt man auf eine Stand-by-Liste – aktuell umfasst diese 55 Suchpaare.

Die Hunde, die nun in der Türkei zum Einsatz kommen, sind übrigens konkret auf das Suchen von noch lebenden Menschen trainiert worden. Innert 24 Stunden nach Versterben würden sie jedoch auch bei entdeckten Leichen ein Zeichen geben – «es kann aber sein, dass sich die Hunde dann ein wenig anders verhalten», sagt Wurzbacher. Einsatzteams, die konkret nach Leichen suchen, würden erst später zum Einsatz kommen.

veröffentlicht: 6. Februar 2023 15:40
aktualisiert: 6. Februar 2023 15:49
Quelle: Today-Zentralredaktion

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