Italien

Wer war es? Eine Insel sucht einen Dieb

18. Februar 2021, 15:08 Uhr
Die Inselidylle von Capraia wird durch einen Gauner gestört.
© Getty Images
Der Pöstler, die Ärztin, der Fischer – sie alle stehen im italienischen Inseldorf Capraia unter Verdacht. Seit Monaten treibt ein Dieb auf der 400-Seelen-Insel sein Unwesen. Nun macht sich Argwohn unter den Inselbewohnern breit.

Es fehlt eigentlich nur noch ein mysteriöser Todesfall, damit die Geschichte der italienischen Insel Capraia einem Agatha-Christie-Roman entstammen könnte. Auf der Mittelmeer-Insel treibt ein Dieb sein Unwesen. Der Vizebürgermeister, ein Lehrer, ein Barkeeper und einige Fischer wurden bereits bestohlen. Das Diebesgut macht mittlerweile über 100'000 Euro aus. Mit «La Dolce Vita» ist nun Schluss auf der 400-Seelen-Insel Capraia. Jeder wird verdächtigt, der Langfinger zu sein.

Gemeinschaft bröckelt

In der engen Gemeinschaft der Inselbewohner würden sich bereits erste Risse zeigen, sagt die Bürgermeisterin von Capraia, Marida Bessi, gegenüber der Zeitung Corriere della Sera. Freunde und Nachbarn würden sich aufgrund der Einbrüche argwöhnisch beäugen.

Die Insel ist nur über den Wasserweg zu erreichen und liegt näher bei Korsika als beim italienischen Festland. In den Sommermonaten wächst die Bevölkerungszahl auf bis zu 4000 Personen an. Die Einbrüche haben aber in den letzten Monaten stattgefunden – einer Zeit ohne Touristen auf der Insel.

Einzige Bank geschlossen, einzige Überwachungskamera defekt

Einer der Geschädigten ist der Vizebürgermeistern Fabio Mazzei. «Es ist traurig, was passiert ist, weil man jetzt das Gefühl hat, dass es einen Dieb in der Familie gibt», sagt er. Die Diebe, so ist er sich sicher, mussten sein Haus sehr gut gekannt haben. Ihm wurde ein versteckter Safe gestohlen, in dem sich Bargeld und Schmuck befanden. Die meisten der Inselbewohner würden ihr Geld zu Hause aufbewahren, weil die einzige Bank der Insel im letzten Jahr schliessen musste – eine glückliche Fügung für den oder die Gauner. Ebenso dürfte ihm zu gute kommen, dass die einzige Überwachungskamera der Insel, die sich auf dem Marktplatz befindet, aktuell nicht funktioniert.

Die Carabinieri müssen nun also in alle Richtungen ermitteln. Aufgrund der grösse der Insel sind aber auch die Polizeikräfte beschränkt. Gerade einmal drei Polizisten sorgen für Recht und Ordnung auf Capraia. Bisher gebe es viele Theorien aber keine Hinweise auf den Täter. «Die Polizisten tuen alles, was in ihrer Macht steht», sagt Bürgermeisterin Bessi.

Wer war es?

Bis es keine handfesten Beweise gibt, steht also die ganze Insel unter Verdacht. «Es besteht ein Risiko, dass der Gemeinschaftssinn, den wir hier schon immer hatten, nachhaltig geschädigt wird», sagt Bessi.

Eine Insel sucht einen Dieb. Und sollten die lokalen Polizeikräfte versagen, kommt vielleicht doch noch ein schnauzbärtiger, belgischer Privatdetektiv namens Hercule Poirot zu Hilfe.

(red.)

Quelle: FM1Today
veröffentlicht: 18. Februar 2021 10:54
aktualisiert: 18. Februar 2021 15:08